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Bürger können über Wohnturm für Prora entscheiden

Binz Bürger können über Wohnturm für Prora entscheiden

Binzer Parlament gibt grünes Licht für Befragung der Einwohner zu Großprojekt

Binz. Die Entscheidung ist gefallen: Die Gemeindevertretung des Ostseebades Binz hat sich auf ihrer Sitzung gestern Abend mehrheitlich — bei nur einer Gegenstimme — dafür ausgesprochen, zu dem geplanten Wohnturm in Prora einen Bürgerentscheid durchzuführen. Damit folgte sie einem entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion. Mit diesem Votum entfiel automatisch die laut Tagesordnung folgende Beschlussfassung zur Errichtung eines Wohnturmes. Wie die Vorsteherin des Gemeinderats, Heike Reetz (Pro Binz), betonte, sei das Thema zuvor in allen Gremien ausgiebig diskutiert worden. Dabei sei man parteiübergreifend zu dem Entschluss gekommen, die Einwohner von Binz und dem Ortsteil Prora über das geplante Großprojekt zu befragen. Termin für den Bürgerentscheid soll der 4. September sein, am Tag der Landtagswahlen.

„Bisher haben wir nur die laut gehört, die gegen das Vorhaben sind, jetzt kann jeder Bürger sein Kreuz machen — das ist Demokratie“, erklärte der Binzer CDU-Chef Ulf Dohrmann. Die Gegenstimme kam von Renate Rösner (Linke). Sie hält den Bürgerentscheid für überflüssig, weil die Resonanz in der Bevölkerung schon gezeigt habe, dass die Mehrheit gegen das Hochhaus sei. Ralf Reinbold (SPD) hätte lieber einen anderen Weg favorisiert, nämlich „dass zuerst die Gemeindevertretung abstimmt und anschließend ein Bürgerentscheid anberaumt wird“. Dann hätte meine Stimme nein gelautet, sagte er.

Der mit 104 Meter Höhe geplante Wohnturm ist seit Bekanntgabe der Pläne das dominierende politische Thema auf Rügen. Der potenzielle Investor Jürgen Breuer hatte angekündigt, ein 104 Meter hohes Hochhaus hinter den fünf großen, noch von den Nazis gebauten Blöcken errichten zu wollen. Allerdings hat Breuer, der selbst in Binz lebt, die Investitionsentscheidung an ein positives Votum der Gemeinde geknüpft. Die CDU hatte daraufhin den Vorschlag zu einem Einwohner-Votum eingebracht. Ein solches Projekt müsse von der Mehrheit getragen werden, sagte Dohrmann. Der neue Ortsteil, in dem die alten Blöcke der einst als NS-Seebad geplanten Anlage zu Ferienwohnungen und Hotels umgebaut werden, könnte für das junge Wilde stehen, während Binz eher der Klassiker wäre.

Der Landrat von Vorpommern-Rügen, Ralf Drescher (CDU), sieht das Vorhaben skeptisch, ebenso 1750 Bürger, die sich bereits in einer Online-Petition gegen einen Wohnturm ausgesprochen haben.

Drescher hatte gegenüber der OZ betont, er würde sich freuen, wenn alle Rüganer zu dem Projekt befragt würden und sich die gesamte Insel dazu bekennen würde, in Landschaft angepasst zu bauen. Über ein solches Projekt müsste zudem mit dem Planordnungsverband gesprochen werden.

Eine Einmischung von außen lehnen viele Binzer aber ab: „Zum Hafen Mukran wurden wir auch nicht gefragt“, sagt Bürgermeister Karsten Schneider (parteilos), der sich zum Wohnturm grundsätzlich noch nicht positionieren will. Der Gemeinde gehört das Grundstück, auf dem der Investor bauen will. Jürgen Breuer bietet mit 3,5 Millionen Euro mehr als das Fünffache des üblichen Verkehrswertes — Geld, das Binz gebrauchen kann.

Von Gerit Herold und Alexander Loew

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