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Busfahrer setzt Schülerinnen in Glowe an die Luft

Glowe Busfahrer setzt Schülerinnen in Glowe an die Luft

Elfjährige trotz Chipkarte für Bus nicht mitgenommen / Eltern sind empört / Verkehrsgesellschaft rechtfertigt das Handeln

Glowe. Start ins neue Schuljahr: Für Merle und Käthe war der keinesfalls einer nach Maß. Im Gegenteil: „Eher ein Alptraum“, sagt Merles Mutter, Dr. Silke Steiner.

Dafür hat das kreiseigene Nahverkehrsunternehmen gesorgt. Die beiden Mädchen wollten von der Schule in Glowe aus mit dem Bus der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) nach Hause fahren. Doch der Fahrer setzte die Schülerinnen an die Luft und nahm sie nicht mit. „Das geht gar nicht“, ist Silke Steiner empört.

Der Alptraum habe die beiden Mädchen bereits am vergangenen Freitag ereilt, schildert Silke Steiner den Vorfall. Um zwölf Uhr kamen Merle und Käthe von der Freien Schule in Glowe zur Bushaltestelle.

Nein, die beiden Elfjährigen hätten sich nicht geirrt, weil sie zwei Tage vor Ferienende wieder zur Schule gehen, klärt Merles Mutter auf. Zusammen mit anderen Kindern probten sie seit Donnerstag für die Einschulung der neuen Erstklässler, die am Sonnabend in einer feierlichen Stunde in der Schule begrüßt wurden. Die beiden Sechstklässlerinnen führten dieses Mal durch das Programm. Zum Proben kamen sie extra aus Sagard und Sassnitz und wollten nach Ende der Probe am Freitag auch wieder nach Hause fahren – mit dem Bus. Denn die Eltern konnten sie nicht abholen.

Routiniert hätten beide Mädchen dem Busfahrer ihre schicken Chipkarten, die sie als Monatskarten ab September 2016 für den Schulbus bereits bekommen haben, entgegen gestreckt. Doch als sie in den hinteren Teil des Busses wollten, habe der Fahrer sie zurückgerufen. „Die Karten gelten erst ab Montag!“, gibt Silke Steiner das Argument des Busfahres wieder, mit dem er beide Mädchen des Busses verwies und sie stehen ließ. Einwände von Käthe, dass bereits September wäre und die Eltern doch die Monatskarte für September bezahlt hätten, habe er nicht gelten lassen. „Ohne Geld und Telefon standen unsere Kinder draußen an der Haltestelle.“ Silke Steiner empfindet diese Vorgehensweise des Busfahrers als „ein Unding“. Zum Glück habe eine nette Verkäuferin eines Ladens in der Nähe den Mädchen die Möglichkeit eingeräumt, eine Mutter per Telefon zu informieren. Die von Käthe unterbrach ihre Arbeit, um die Mädchen aus Glowe abzuholen.

„Zu dem Zeitpunkt waren die neuen Chipkarten für den Schulbus noch gar nicht gültig“, begründet Michael Lang. Nach Ansicht des VVR-Sprechers habe der Busfahrer korrekt gehandelt. Die Karten für den Schulbus würden vom Schuljahresbeginn bis zum -ende gültig sein. Das aktuelle Schuljahr habe nicht am vergangenen Freitag, sondern erst am Montag dieser Woche begonnen. Üblich sei es, dass die neuen Ausweise für den Schulbus in der Regel auch erst am ersten Schultag ausgeteilt werden. Wenn dies vorher geschehen sei, „heißt das nicht automatisch, dass die Ausweise mit Erhalt gültig sind“, so Lang. Für die Ferienzeit gebe es andere, kostengünstige Angebote im öffentlichen Personennahverkehr, betont der VVR-Sprecher. Als Beispiel nennt Michael Lang das Schülerferienticket. Das habe auch bis zum letzten Ferientag seine Gültigkeit.

„Ich bin fassungslos“, entgegnet Silke Steiner. Die Vorgehensweise streng nach Vorschrift ist und bleibt in ihren Augen ein unprofessionelles Verhalten. „Da ist mehr Kulanz und Verantwortung gefragt – gerade, wenn es um Kinder geht.“

Erzieherinnen der evangelischen Kindertagesstätte Sankt Martinsgarten in Putbus werden diesen Standpunkt gewiss teilen, denn der Glower Vorfall ist kein Einzelfall. Auch die Erzieherinnen der Putbuser Kita erlebten schon eine böse Überraschung mit der VVR. Wie OZ bereits berichtete, wollten sie mit dem Nachwuchs Anfang August spontan nach Bergen zum Spielplatz fahren. Nach einer zuvor kostenfreien Fahrt für die Steppkes zum Ozeaneum bekamen sie diesmal vom Busfahrer aber zu hören, dass nur vier Kinder unter sechs Jahren pro Erzieherin kostenfrei mitgenommen werden, für den Rest der Kinder aber ein – wenn auch ermäßigtes – Beförderungsentgelt zu zahlen sei. Das entspreche den Tarifbestimmungen, bekamen die Erziehrinnen vom Busfahrer zu hören, der sie samt Kinder hinauskomplimentierte.

Udo Burwitz

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