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Rügen Busverkehr: Eltern und Schüler frustriert
Vorpommern Rügen Busverkehr: Eltern und Schüler frustriert
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00:14 14.06.2018
Die Situation am Busbahnhof in Bergen: Schüler steigen in die Linie 35 ein. Quelle: Mathias Otto
Bergen

Die einen kommen später zum Unterricht, die anderen müssen ihn eher verlassen – weil die Busse morgens nicht rechtzeitig in Bergen zum Schulstart am Gymnasium ankommen und nach Unterrichtsschluss zu früh losfahren. Seit der neue Fahrplan der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) gilt, hakt es im Schülertransport auf Rügen: Überfüllte, Busse, zusätzliches Umsteigen, Wartezeiten und nicht funktionierende Anschlüsse.Jenny Karbautzki beklagt, dass nur noch ein Schulbus statt bisher zwei morgens nach Sagard von Wittow aus fährt. „Wir wohnen in Glowe und meine Tochter quetscht sich regelrecht in den Bus rein und hat nur die Chance, sich an anderen Kindern festzuhalten. Die Kinder, die eigentlich in Bobbin dazusteigen, kommen nun schon morgens immer erst nach Glowe in der Hoffnung, einen Stehplatz zu ergattern. Ich finde es sehr verantwortungslos, was die VVR da macht. Bleiben jetzt keine Busse mehr für unsere Kinder übrig, weil neuerdings die Touris mit Bussen nach Arkona kutschiert werden?“, ist sie wütend. Es hätten sich schon einige Eltern beim VVR beschwert. „Aber es passiert nichts.“Auch Janet Hartman aus Poseritz ist frustriert. Der große Sohn besucht das Gymnasium in Bergen, wofür er bisher rund eine Stunde Fahrzeit ab 6.21 Uhr in Kauf nehmen muss. Nun fahre aber die genutzte Linie 30 nicht mehr durch, sondern nur noch bis „Garz Wendeschleife“. Dann müsse ihr Sohn aussteigen und 13 Minuten auf einen anderen Bus warten. Ebenso sein Kumpel aus Maltzien, der schon um 5.56 Uhr losfahre. Das Gymnasium beginnt mit seinem Unterricht 7.45 Uhr. Auf dem Rückweg hätten sie in Garz eine Minute Unmsteigezeit. Den kleinen Sohn bringe sie nun meist nach Garz mit dem Auto. Auch Doreen Lamprecht bringt ihren Sohn mit dem Auto zur Schule. Zu zeitaufwändig sei das Fahren mit dem Bus. Sie berichtet, dass die Schüler im Norden der Insel seit Mitte Mai nun wesentlich länger, teilweise bis zu 40 Minuten, unterwegs wären. „Wir fahren definitiv nicht mit weniger Bussen als letzten Sommer, nur gibt es Relationen, wo wir aus zwei halbvollen einen vollen, nicht überfüllten Bus gemacht haben“, sagt VVR-Sprecher Michael Lang. Der zweite Bus diene dann etwa dafür, das spürbar dichtere Taktangebot im ländlichen Südwesten Rügens zu bedienen. Er bestätigt, dass es einige Beschwerden aus dem Raum Wittow bezüglich der Busse zum Gymnasium in Bergen gab. „Hier hatten wir am 14. Mai aufgrund eines Dispositionsfehlers zu kleine Busse eingesetzt, dies wurde an nächsten Tag behoben, es fährt von Altenkirchen ein 15-Meter-Bus.“ Die Region um Breege habe keinen eigenen Direktbus nach Bergen mehr, Fahrgäste würden ebenfalls in den Altenkirchener Bus einsteigen. Seit etwa zwei Wochen fahre zusätzlich ein Bus ab Glowe ebenfalls über Sagard nach Sassnitz. In Sagard stehe ein Gelenkbus in Richtung Bergen bereit. Für die Altenkirchener bedeute der neue Fahrplan einmal Umsteigen in Sagard. Die Fahrzeiten hätten sich durch das teilweise Umsteigen nur unerheblich verlängert.Am Gymnasium waren Verspätungen mit dem Fahrplanwechsel vorprogrammiert. Das betrifft die Linien 35 (Wittower Fähre/Schaprode-Trent-Bergen) und 38 (Bergen-Rappin-Gingst-Waase). Deshalb wurden „pragmatische Lösungen“ ermöglicht, informierte Schulleiter Christoph Racky in einem Elternbrief Anfang Mai. In der Waldstraße wurde eine Extra-Haltestelle an der Schule eingerichtet. Diese wird von den Linien 12 (Bergen-Ralswiek-Sagard-Polchow), 35 und 38 früh direkt angefahren. Am Nachmittag fährt von dort ein Zubringer zum Busbahnhof, weil die Linie 38 zeitiger fährt.Doch in der Praxis funktioniere das oft nicht, erzählen betroffene Schüler. Um 15.21 Uhr fahre die Linie 38 vom Busbahnhof und um 15.15 Uhr sei Schulschluss. Der „Shuttle“, der um 15.18 Uhr fahren soll, sei ein paar Mal nicht oder nicht pünktlich gekommen. Ein großes Problem mit dem neuen Fahrplan haben auch die Thiessower und auch deren Gäste. Die haben sich in der Kurverwaltung beschwert oder seit Tagen bei Torsten Jelinski. Der Gastronom hat genau vor seiner Tür eine Haltestelle, die nun fast nicht mehr angesteuert wird. Denn am sogenannten Wendeplatz Thiessow mitten im Ort – wo eine extra Einbuchtung mit Buswartehäuschen parallel zur Hauptstraße ist – fährt der Bus nun meistens vorbei. Er hält nur noch um 7.36 Uhr und 13.49 Uhr auf seinem Weg in Richtung Göhren für die Schüler und ansonsten in Thiessow am Campingplatz und an der Feuerwehr sowie im Ortsteil Klein Zicker. „Hier ist jetzt eine Haltestelle ohne Busse, die hier anhalten. Dabei fahren sie weiter nach Klein Zicker und wieder zurück“, moniert Jelinski. „Es macht doch zeitlich gar keinen Unterschied, ob sie die Leute hier ein- und aussteigen lassen und dann weiter fahren. Wir haben hier einen kostenlosen Busverkehr für die Gäste, aber wozu?“, fragt der Thiessower. Seit ein paar Jahren schon können die Inhaber von Kurkarten von Sellin und Mönchgut den ÖPNV von Sellin bis Klein Zicker fahrpreislos nutzen. Urlauber, die mit Bahn und Bus anreisen, müssten nun zu Fuß durch den Ort zu ihren Unterkünften. Vor allem aber für die älteren Bürger im Ort sei der Weg beschwerlich.Längere Wege und zusätzliches Umsteigen kritisiert auch ein Göhrener (Name liegt der Redaktion vor). Er verstehe absolut nicht, warum es die Bushaltestelle mitten im Ort in der Poststraße nicht mehr gibt, der Ort quasi nicht mehr angefahren werde. Der Bus fährt Göhren nun über den Nordstrand an, wo am Kleinbahnhof Umsteigepunkt ist. Von dort geht es weiter in Richtung Klein Zicker oder die Göhrener Bahnhofsstraße hinauf durch das Zentrum bis zum neuen Haltepunkt an der Gärtnerei in der Berliner Straße (Ortsaus- bzw. -einang). „Meine Mutter wohnt in der Wilhelmstraße und müsste den ganzen Weg zurücklaufen oder den Berg hinauf vom Kleinbahnhof. Das schafft sie gar nicht mehr. Der Nahverkehr wurde auf Kosten der Bürger optimiert, für die er eigentlich da ist“, schimpft er. Zudem seien die Haltestellen an der Gärtnerei und am Bahnhof nur ein Provisorium ohne erhöhte Borde wie an der alten Bushaltestelle. „In Göhren haben wir den Fahrtverlauf gedreht, dies geschah in Abstimmung mit der Gemeinde. Am Bahnhof ist mehr Platz für die beiden aufeinander wartende Busse und es fühlen sich im Gegensatz zur Poststraße keine Anwohner belästigt“, so Lang. Die neue Haltestelle in der Berliner Straße ist als Provisorium gedacht. Lang verspricht: „ Wir prüfen daher alle eingehenden Beschwerden und Hinweise und werden, wo Änderungen sinnvoll und dem Bedarf entsprechend sind, diese auch umsetzten.“

Gerit Herold

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