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Chance verpasst, den Mund zu halten

Stralsund Chance verpasst, den Mund zu halten

Es war eine fliegende Bierflasche, die die Aufmerksamkeit der Polizisten im Streifenwagen auf sich zog.

Stralsund. Es war eine fliegende Bierflasche, die die Aufmerksamkeit der Polizisten im Streifenwagen auf sich zog. Die beiden Männer waren gerade an der Wiese vor dem Hansa-Gymnasium vorbeigefahren – einem beliebten Treffpunkt von Jugendlichen. An jenem Nachmittag hatten sich dort etwa 15 Mädchen und Jungen zu einer Freiluftparty verabredet.

„Der Bierflaschenwurf veranlasste die Kollegen jedoch, nach dem Rechten zu sehen“, sagt Heiko Lutzke. Der Kriminalhauptmeister weiß, dass es nach solchen Feten schon Ärger gab wegen liegengelassener Party-Utensilien. Also gingen die Beamten auf die Jugendlichen zu und versuchten unter Hinweis auf leere Bierflaschen und Kronenkorken im Gras ein erzieherisches Gespräch nach dem Motto: Nach der Party bitte alles mitnehmen.

Die Ansage schien Eindruck gemacht zu haben. Erste Eilfertige fingen an aufzuräumen. Zufrieden wendeten sich die Polizisten ihrem Auto zu, als hinter ihrem Rücken der Ruf „Acab“ ertönte. Die Beamten kannten dieses Kürzel aus unschöner Erinnerung. Doch der 17-Jährige, der es gerufen hatte, schob noch die Langversion nach: „All cops are bastards“ – alle Polizisten sind Bastarde.

Die Angesprochenen gingen noch einmal auf die Gruppe zu, versuchten es im Guten – nach der Devise: Bislang sei alles gut gelaufen, da könne man sich Beleidigungen sparen. Tapferes Nicken auf der Gegenseite. Nur dem Rufer gelang es nicht, den Mund zu halten. Als die Polizisten gehen wollten, ertönte der unschöne Spruch erneut.

Das fanden die Polizisten nicht lustig. Sie stellten die Personalien des Jungen fest, dessen Entschuldigung jetzt zu spät kam. „Der junge Mann hatte eine Chance bekommen, die Schmähung zu unterlassen“, sagt Heiko Lutzke.

Es folgte ein Strafantrag wegen Beleidigung, eine Vernehmung auf dem Kommissariat eingeschlossen. Hier erschien der 17-Jährige reichlich geknickt in Begleitung seiner Mutter. „Auf die Frage nach dem Motiv, räumte er ein, dass er sich in der Gruppe hervortun wollte“, berichtet der Kriminalist. Für Heiko Lutzke war interessant zu erfahren, ob der Delinquent wusste, was er gerufen habe.

Da musste der junge Mann passen. Die Herabwürdigung, die im Wort Bastard steckt, das einst unehelich gezeugte Kinder als minderwertig brandmarkte, war ihm unbekannt. Der Rest ist Sache des Staatsanwalts.

Und Heiko Lutzke will in dem Zusammenhang noch etwas loswerden: „Es gibt die Meinung, Polizisten müssten so etwas aushalten, weil sie dafür bezahlt werden.

Doch in diesem Land wird niemand dafür bezahlt, sich öffentlich beleidigen zu lassen.“

Jörg Mattern

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