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Chat-Affäre: Ex-FDP-Chef verliert Führungsrolle auch im Job

Sassnitz Chat-Affäre: Ex-FDP-Chef verliert Führungsrolle auch im Job

Die angebliche sexuelle Belästigung eines 17-Jährigen hat für Sven Heise auch beruflich Folgen: Nach dem Parteivorsitz muss er seinen Büroleiter-Posten in einer Immobilienfirma abgeben - der Ex-Chef der Rügener Liberalen erfährt aber auch Zuspruch.

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Sven Heise ist als Kreisvorsitzender der FDP zurückgetreten. Jetzt will sich die FDP Rügens neu ausrichten.

Quelle: privat

Sassnitz. Ein ehemaliger Symphatieträger zwischen Spießrutenlauf und Solidaritätsbekundungen, ein einst stolzer Partei-Kreisverband, der nun seinen kompletten Zusammenbruch fürchtet – Tag eins nach Bekanntwerden der Chat-Affäre um ihren Ex-Kreischef Sven Heise (27) ist für die FDP Rügen einer der aufreibendsten seit ihrer Gründung.

Heise selbst, dem von Mitgliedern der eigenen Partei vorgeworfen wird, einen 17-Jährigen mit anzüglichen Whatsapp-Nachrichten sexuell belästigt zu haben, musste am Montagmorgen zum Rapport bei seinem Arbeitgeber antreten, der Goldberg Immobilien Gruppe Nord in Sassnitz. Es folgte ein stundenlanges Gespräch mit dem Geschäftsführer der Firma, Konrad Wittkowski, für den Heise bislang als Büroleiter arbeitete. Die Einigung am Nachmittag: Heise verliert seinen Führungsposten, kann aber als Immobilienmakler im Innendienst im Unternehmen bleiben: „Wir haben das zusammen entschieden. Herr Heise hat einen Fehler gemacht, aber er leistet bei uns auch sehr gute Arbeit. Wir nehmen ihn mit diesem Schritt jetzt auch ein Stück weit aus der Schusslinie“, betonte Wittkowski.

Krisensitzung am Freitag

Der FDP-Kreisverband versucht derweil nach dem Rücktritt seines Vorsitzenden und von Schatzmeister Michael Kasch, der aus Protest gegen Heise den Hut nahm, handlungsfähig zu bleiben. Am Montag und bereits während des Wochenendes gab es aufgeregte Telefonate unter den noch verbliebenen Vorstands-Mitgliedern. Ergebnis: Am Freitag - zwei Tage vor Heiligabend - soll es eine Krisensitzung mit der Überschrift „Wie weiter?“ geben. Voraussichtlich werden sich die Akteure auf eine komplette Neuwahl der Führung und einen Kreisparteitag Anfang des neuen Jahres einigen, der den neuen Kurs bestimmt.

„Ich bin politisch vernichtet worden, doch die Rügener FDP darf nicht zerbrechen“

„Wir müssen alles dafür tun, dass es weiter geht. Der Rügener Kreisverband hat unter den MV-Liberalen immer wieder beste Ergebnisse bei Landtags- oder Bundestagswahlen erzielt“, mahnt Gino Leonhard, der die FDP auf Rügen maßgeblich aufgebaut hat. Auch Heise äußerte sich in diese Richtung: „Ich bin politisch vernichtet worden, dennoch darf die Rügener FDP mit ihren 65 Mitgliedern nicht zerbrechen.“

Sexuelle Belästigung oder einfacher Flirt?

Auf der Insel verschärft sich unterdessen der Streit, ob Heise in seiner Kommunikation mit dem 17-jährigen Praktikanten einer Stralsunder Kindereinrichtung eine Grenze überschritten hat oder nicht. Im Anschluss an ein Sommerfest im August hatte Heise, der homosexuell ist, den Jugendlichen im Chat nach dessen sexueller Orientierung gefragt und ihm Avancen gemacht, indem er von Zungenspielen schrieb. Heise selbst sieht das Ganze als „Flirt“ an. Patrick Meinhardt, der im September für die FDP Rügen als Bundestagsdirektkandidat antrat und Heise politisch nahesteht, stützt die Sichtweise. Der Chat sei Privatsache, es dürfe nicht alles hypermoralisiert werden. Auch Leonhard meint: „Das, was passiert ist, rechtfertigt keinen Rücktritt.“ Sven Heise habe keine Straftat begangen, er sei weder körperlich übergriffig geworden, noch habe er Druck auf den 17-Jährigen ausgeübt: „Es gab ja gar kein Abhängigkeitsverhältnis.“

Vorwurf: Heise soll Machtposition ausgenutzt haben

Dem widersprechen wichtige Mitglieder in der Partei. Heise besitze Macht, die er gegenüber dem Jugendlichen demonstriert habe, sagt Ex-Schatzmeister Michael Kasch. Heise sei auf Rügen quasi die FDP. Der 17-Jährige habe sich deshalb verunsichert der Chefin der Kindereinrichtung, Silke Herrmann, anvertraut. Die Stralsunderin, ebenfalls FDP-Mitglied, brachte die Chat-Affäre letztlich ins Rollen. Sie wirft Heise vor, die Chance zu einer Entschuldigung ausgeschlagen zu haben. Vielmehr habe er das Ganze versucht, mit Druck kleinzuhalten. Der ehemalige FDP-Chef führt dagegen weitere Chat-Protokolle an (liegen der OZ vor). Im September unterbreitete er danach das Angebot zu einem klärenden Gespräch, worauf es keine Reaktion gegeben habe, sondern von seinen Gegnern vielmehr die jetzige Eskalation weiter vorangetreiben worden sei.

Auch „Oder-General“ von Kirchbach solidarisch

Auf seiner Facebook-Seite bekommt Heise viel Zuspruch. Auch der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und FDP-Anhänger, Hans-Peter von Kirchbach (der als General während der Oderflut 1997 deutschlandweit bekannt wurde), wünscht dort alles Gute. Bergens langjähriger Stadtpräsident Eike Bunge (CDU) äußert sich ebenfalls unterstützend: „Für die nächste Zeit besonders viel Kraft.“

Heise bestätigte am Montag, dass er sich trotz vieler Aufmunterungen politisch komplett zurückziehe. Neben seinem Rügener Kreisvorsitz gibt er auch seine Vorstandsämter in der FDP-Bundesgruppe Liberal/International und in der Liberalen Wirtschafts- und Mittelstandsvereinigung MV auf. Für Gino Leonhard ist indes klar, dass es nur ein Rückzug auf Zeit sein kann: „Sven Heise braucht jetzt Ruhe. Aber er ist für die FDP zu wichtig, als dass wir ihn aufgeben würden. Die Zeit seiner Rückkehr wird irgendwann kommen.“

Alexander Loew

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