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Rügen DRK-Pflegeheim wird zum Politikum
Vorpommern Rügen DRK-Pflegeheim wird zum Politikum
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00:01 27.06.2017

Wird es in Binz künftig nur noch ein Pflegeheim für betuchte Senioren geben? Und was wird aus den 98 Bewohnern und etwa 60 Mitarbeitern des DRK-Heimes in der Mukraner Straße, wenn die Einrichtung aufgegeben werden müsste? In einem Offenen Brief hat sich die Bewohnervertretung des DRK-Pflegeheimes an den Gemeindrat gewandt. Sie kritisiert eine Entscheidung der Gemeindevertretung, die in ihrer April-Sitzung einen Antrag der Wählergemeinschaft Pro-Binz zum Verkauf einer 5000 Quadratmeter großen Teilfläche auf dem sogenannten MZO-Gelände an den DRK-Kreisverband Rügen-Stralsund e.V. zur Errichtung einer Pflegeeinrichtung mit 9:7 Stimmen abgelehnt hatte. Die Veräußerung an das DRK sei vorschnell. Andere Angebote und Konzepte seien einzuholen, eine Ausschreibung laut Gemeinderatsbeschluss unabdingbar, begründen die Ablehner.

Für Bürgermeister Karsten Schneider (Pro-Binz) ist das „völlig aus der Luft gegriffen. Von einer Ausschreibung war nie die Rede und es gab auch keinen Gemeinderatsbeschluss dazu“, so der Verwaltungschef. Das DRK bemühe sich seit zwei Jahren um ein Grundstück für einen Ersatzneubau.

„Wir haben das Pflegeheim in der Mukraner Straße 1994 bezogen, das vorher ein FDGB-Ferienheim war. Damals war dort ein guter Standard, aber heute entspricht er nicht mehr unserem Qualitätsanspruch", erklärt Gerhard Konermann, Vorstandsvorsitzender des DRK Kreisverbandes Rügen-Stralsund. Es gebe überwiegend Zweibettzimmer, der Sicherheitsstandard und die Evakuierungsmöglichkeiten im Brandfall seien auf Grund der baulichen Gegebenheiten eingeschränkt, es existiere nur ein mittlerweile reparaturanfälliger Fahrstuhl. Ein Umbau oder Neubau an dieser Stelle, mit gleichzeitiger Unterbringung der Bewohner, sei durch den begrenzten Platz des Grundstücks und die alte Bausubstanz nicht möglich, eine Container-Lösung zu kostenintensiv. „Wir waren mit der Gemeinde in guten Gesprächen, nun bin ich verwundert.“ In Bergen und Putbus sei man seinerzeit den gleichen Weg gegangen. Nachdem man an die Stadt herangetreten war mit dem Wunsch nach einem Grundstück für eine Pflegeeinrichtung, wurde das Vorhaben umgesetzt.

Bei der Suche nach einem Grundstück sei man auf das MZO-Gelände zwischen Binz und Prora gekommen, so Bürgermeister Karsten Schneider. Einstimmig hatte die Gemeindevertretung 2016 beschlossen, dieses rund 31 000 Quadratmeter große Areal in einem ganzheitlichen Konzept zu entwickeln. Vorgesehen sind Wohnungen, Generationswohnen, Betreutes Wohnen, kleine Gewerbeeinheiten, Parkhaus, Reihenhäuser, Villen sowie eine Sporthalle. Letztere wird gerade gebaut.

Für das geplante Pflegeheim sei nun am 10. Juni ein Interessenbekundungsverfahren angelaufen, das am 30. Juli endet. „Auch zwei Annoncen in Zeitungen haben wir geschaltet. Bisher haben sich aber noch keine Interessenten gemeldet“, weiß der Bürgermeister.

Das wundert den DRK-Chef nicht. „Der Bedarf ist rückläufig, der Trend ist ambulant vor stationär“, so Konermann und betont, dass es um einen reinen Standortwechsel gehe und nicht um ein weiteres Pflegeheim in Binz. Dafür sei weder der Bedarf noch das Personal vorhanden. Auch wenn der Gemeinde bereits ein Konzept und ein Kaufangebot vorliege, werde sich auch das DRK bewerben. „Aber nicht höchstbietend. Wir werden uns an keinem Preiskampf beteiligen, das können und dürfen wir gar nicht.“ Dann müsse man sich in anderen Orten auf der Insel nach einem Grundstück umsehen.

Für Jens Amling, Verfasser des Offenen Briefes, wäre das die schlimmste Option. In Binz geboren und aufgewachsen, hat der 50-Jährige, der aufgrund einer Erkrankung im Rollstuhl sitzt und seit 2015 im Pflegeheim lebt, hier seine vertraute Umgebung, Freunde und die Möglichkeit, seine verstorbenen Angehörigen auf dem Binzer Friedhof aufzusuchen. Er fragt: „Ist es nicht eher wahrscheinlich, dass bei einem Zuschlag für ein lukrativeres Angebot ein Teil der Bewohner auf der Strecke bleibt, deren Rente nicht ausreicht und deren Angehörige nicht in der Lage sind, jegliche Kosten zu übernehmen und werden sie dadurch nicht letzten Endes aus der Gemeinde herausgedrängt?“

Nicht nur die Heimbewohner würden überwiegend aus Binz stammen – auch die Mitarbeiter. Amling hatte auf eine Einladung der Bewohnervertretung in den Gemeinderat gehofft, um deren Befürchtungen zu äußern. Er hat schließlich ein Treffen mit Karsten Schneider und Gerhard Konermann organisiert. Und nun den Gemeinderat zu Gesprächen ins Pflegeheim eingeladen.

Dass der Heimplatz für die Bewohner im Neubau deutlich teurer wird, in dem es ausschließlich rund 90 Einbettzimmer geben soll, räumt Konerman ein. Dies wüssten die Bewohner. Unklar ist, was aus dem jetztigen Standort würde, wenn ihn das DRK mittelfristig aufgibt. „Der Erbaupachtvertrag mit der Gemeinde läuft 75 Jahre, man muss gemeinsam darüber sprechen, was dort geschehen soll“, so der DRK-Chef. „Wir hoffen, dass wir in Binz bleiben können.“

Bürgermeister Karsten Schneider auch: „Wir haben als Gemeinde auch eine Daseinsvorsorge für alte und kranke Menschen.“ Er befürchtet, dass dies mit Blick auf die höchste Verkaufssumme aus dem Auge verloren gehen könnte.

Gerit Herold

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