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Das Fazit meines Lebens

Das Fazit meines Lebens

Ich träumte schon als Kind davon, Förster zu werden, aber da ich durch eine Masern-Erkrankung 1941 mein linkes Augenlicht zu 90 Prozent verlor, wurde mir dieser ...

Ich träumte schon als Kind davon, Förster zu werden, aber da ich durch eine Masern-Erkrankung 1941 mein linkes Augenlicht zu 90 Prozent verlor, wurde mir dieser Beruf verweigert, genau so wie später der Berufswunsch Fotograf. Ich erlernte das Bäckerhandwerk, bekam mit der DDR-Politik Probleme und beging 18-jährig Republikflucht, um überhaupt den Gesellenbrief zu erhalten. Ich kaufte mir vom ersten Gesellenlohn eine Kamera, und einige Insider bescheinigten mir größtes Talent. Das stachelte mich an; ich ging zurück in die DDR und wählte Rügen für den Beginn meiner Profi-Karriere. Um der DDR-Propaganda zu entfliehen, wählte ich zwei Genres, die unpolitisch waren. Diese hießen: Akt und Landschaft – und ich ahnte damals noch nicht, dass dieser Begriff mein Synonym werden sollte.

„Akt & Landschaft“ war 1975 die erste Aktausstellung der DDR und wird noch heute, ergänzt mit neuen Werken, gezeigt. Derzeit ist sie noch bis 28. August 2016 in der Lutherstadt Wittenberg, im Haus der Geschichte zu sehen.

Die Tatsache, dass die SED die FKK-Szene nach jahrelangen Grabenkämpfen duldete, sagt noch nichts über die Ängste der Funktionäre vor einer Verbreitung der Aktfotografie aus. Der Schritt zur Pornografie war klein und ihr Widerstand groß. Ich erkannte früh, dass es nur eine Möglichkeit gab, dieses Misstrauen zum Versiegen zu bringen. Das Aktbild musste unaufdringlich und unanfechtbar sein. Ich betrieb die Aktfotografie sehr sensibel und stellte die Ästhetik statt der üblichen Erotik in den Vordergrund. Es begann mit der Silhouette, wurde durch gestalterische Mittel vervollkommnet und endet mit aparten Bildern. Diesen humanistischen Ansprüchen bin ich zeitlebens treu geblieben. Nach und nach setzten sich diese Bilder durch und ich erreichte das Unglaubliche, dass sogar die Armeerundschau der NVA diese Bilder publizierte. Die Vorgänge sind in wenigen Worten geschildert, aber sie bedurften jahrelanger Überzeugungsarbeit. So hatte man mir 1964 in Sassnitz noch die Frage gestellt: „Herr Ender, glauben Sie wirklich mit Ihren nackten Ärschen den Sozialismus aufbauen zu helfen?“

Mein Fazit: Seine Ideale zu verwirklichen, kostet Kraft und unentwegten Einsatz. Aber der Lohn – das erreicht zu haben – ist das schönste Fazit (m)eines Lebens.

Klaus Ender

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