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„Das Haus blinzelte durchs Buschwerk“

Krimvitz „Das Haus blinzelte durchs Buschwerk“

Amrei und Erwin Krüger schufen sich eine neue Heimat im ehemaligen Gutshaus der Fürstenfamilie

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Amrei-Dorothee Schiemer Krüger veranstaltet Hochzeiten im Gutshaus von Krimvitz beteiligt sich an Märkten und organisiert Catering.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Krimvitz. „Die schlechtesten Straßen können zu den interessantesten Orten führen“, sagt Amrei-Dorothee Schiemer-Krüger. Tatsächlich eröffnet sich am Ende eines holperige Plattenwegs nach Krimvitz der Blick auf ein schönes, efeubewachsenes Gutshaus, das noch gewinnt, wenn man es betritt. Gleich hinter dem Eingang bewacht ein weißer Stutzflügel den Eingang zum in weiß und rot dekorierten Trauzimmer. „Seit fünf Jahren sind wir Außenstelle des Standesamtes von Putbus“, sagt die gebürtige Hamburgerin. „Einmal konnten wir in Absprache mit dem Pastor sogar eine kirchliche Hochzeit ausrichten.“

Die Wünsche der zu trauenden Paare seien sehr unterschiedlich. Nicht selten aber stamme ein Partner von der Insel, „fand in der Fremde seine Liebe und führt sie zur Hochzeit in die alte Heimat“. Eine junge Frau sei sogar mit einem Israeli vor der Standesbeamtin erschienen. Das Hochzeitsgeschäft boomt auf Rügen. „Von Mai bis September ist jedes Wochenende belegt und wir können nur noch Termine unter der Woche vergeben“, sagt sie. Heute betreuen sie und ihr Mann Erwin nur noch Hochzeiten bis zu einer Größe von 50 Gästen. Größere Feiern im schönen Park des Gutshauses gibt es mit Rücksicht auf die Nachbarn nicht mehr und auch den aufwendigen Betrieb des Kaffeegartens stellten sie ein. Das Ehepaar vermietet das Anwesen auch für Feiern oder beteiligt sich an Weihnachtsmärkten und liefert Catering beispielsweise für die MV-Festspiele. „Bei uns haben die Gäste das ganze Haus für sich allein und kein Fremder läuft ihnen über den Weg. Das schafft private Atmosphäre.“

Dabei ist Amrei Krüger „gastronomische Quereinsteigerin“. Früher einmal war sie Fremdsprachenkorrespondentin, entschied sich aber schon mit 22 Jahren gegen einen Bürojob und machte sich mit einem Handel für Accessoires und Mode in Hamburg selbstständig.

Ihr Mann Erwin Krüger (79) kam nach dem Krieg als Flüchtling nach Altentreptow. 1953 lernte er Fischer in Sassnitz, diente dann bei der Marine in Wustrow, setzte sich später als Seemann in den Westen ab, machte sein Kapitänspatent und fuhr schließlich auf der Fährlinie Hamburg-Harwich. „Schon zu DDR-Zeiten besuchten wir die damals in Garz lebende, inzwischen verstorbene Schwester meines Mannes“, erzählt Amrei Krüger. „Ich kannte Rügen aus Erzählungen meiner Mutter, die im Krieg zur Kinderlandverschickung aus Hamburg nach Binz und Sellin reiste.“ Die habe berichtet, wie die Mädchen und jungen Frauen feierten, ihre Freundschaften pflegten und wie sie Pilze oder Preiselbeeren sammelten und sich im Winter zum Skilanglauf verabredeten. Das alles klang für die Tochter sehr nach Heimat und als sie später das alte Gutshaus von Krimvitz sah, verlor sie ihr Herz. „Das Haus blinzelte charmant durch den Wildwuchs“, erzählt sie.

Das Gutshaus Krimvitz gehörte einst dem Fürsten zu Putbus, dessen Familie dort überwinterte, weil das Schloss in Putbus kaum zu beheizen war. Ab 1919 war es das Wohnhaus von Malte zu Putbus, der sich mit den Nazis überwarf und schließlich im KZ Sachsenhausen ermordet worden sein soll. Der 2004 verstorbene Franz zu Putbus, dessen Familie über viele Jahrzehnte hinweg ein landwirtschaftliches Gut in Krimvitz betrieb, wurde dort geboren. Im Umfeld des Hauses finden sich noch Fundamente einer Reithalle und einer großen Scheune. Das kleine Landarbeiterdorf soll abgebrannt sein, als ein junger Mann in den 60-er Jahren mit der Zigarette in der Hand sein Moped repariert habe. Das Haus hatten sich Flüchtlinge nach ihren Bedürfnissen zurecht gebaut und als die Siedlerfamilien in eigene Häuser auf besserem Land zogen, seien „Assis“ einquartiert worden, „die es ja eigentlich in der DDR nicht gab und die sich von Fischkonserven und Pfefferminzlikör ernährten“. Flaschen des aus Wasser, reinem Alkohol, Zucker und Pfefferminzessenzen hergestellten „Pfeffi“ fanden sich zuhauf. „Trotz aller Schwierigkeiten aber konnten wir im Mai 1999 die ersten Pensionsgäste empfangen“, erinnert sich Amrei Krüger. Lennart und Jan, die beiden Söhne des Paars blieben in Hamburg. Amrei Krüger und ihren Erwin zieht es nicht mehr in die weite Welt. „Mein Mann war schon überall und ich bin sowieso ein bodenständiger Mensch “, sagt sie.

Uwe Driest

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