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Das Wiedersehen „kam 50 Jahre zu spät“

Tribbevitz Das Wiedersehen „kam 50 Jahre zu spät“

Familie Springmann wurde im Krieg getrennt

Tribbevitz. Der Krieg hat Waltraud Springmanns Familie auseinandergerissen. Während der Vater an der Front gekämpft hatte und nach 1945 in Stuttgart gelandet war, war die Siebenjährige mit ihren Geschwistern, mit der Mutter und einer Tante aus Westpommern zu Fuß nach Tribbevitz geflohen. Nach der Wende hat Waltraud den Vater noch drei Mal getroffen. „Er sah genauso aus wie ich.“ Doch die beiden blieben sich fremd. „Das Wiedersehen“, so resümiert die 79-Jährige, „kam 50 Jahre zu spät.“

Geprägt hat Waltraud Springmann das, was sie in den letzten Kriegswochen erlebt hat: Nach einem drei Wochen dauernden Exodus, bei dem die Flüchtlinge nur das Nötigste auf einem Handwagen mit sich führen konnten, kamen sie bei einer Tante in Tribbevitz unter. Alle arbeiteten dort auf dem ehemaligen Gut. Auch Waltraud. „Nach der Schulzeit in Bubkevitz ging es sofort in den Schweinestall.“ Eine unbeschwerte Kindheit sieht anders aus. Die Erinnerungen an diese entbehrungsreiche Zeit lasse einen ein Leben lang nicht los.

Mit ihrem späteren Mann Horst hatte Waltraud bereits die Schulbank gedrückt. Horsts Eltern hatten in Tribbevitz eine eigene Landwirtschaft. 1962 wurden dem Paar zwei Söhne geboren – eineiige Zwillinge. „Die waren immer zur selben Zeit krank“, erinnert sich Waltraud. Heute leben Gerd und Heinz in Gademow, sind also wie die drei Enkel und vier Urenkel von Waltraud Springmann auf der Insel geblieben. Seit Horst vor einigen Jahren gestorben ist, lebt sie allein in ihrem Haus am Eingang des Dorfes.

Am Sonntag trifft sich Waltraud gern mit zwei anderen Tribbevitzerinnen, um „,Mensch ärgere dich nicht’ zu spielen“, und zwar unter verschärften Bedingungen: „Jede hat ihren eigenen Würfel.“ Und wer gewinnt? „Meistens ich“, sagt Waltraud und lächelt zufrieden.

OZ

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