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Rügen Das nicht Bewältigte lebt weiter
Vorpommern Rügen Das nicht Bewältigte lebt weiter
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00:00 08.10.2016

„Es war einmal“, so beginnen viele Märchen. Und deutsche Märchen, zumal die von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm vor zweihundert Jahren gesammelten, die warten nicht nur in Ausnahmefällen mit arg dunklen, kaum real vorstellbaren Geschichten auf. Da ist von eiskalt ausgeführten Morden die Rede, von grotesken Hinterhältigkeiten und immer wieder von Tränen. Aber auch von erstaunlichen, märchenhaften Verwandlungen, denen man als Leser, mit einem irrwitzigen Hang zum glücklichen Ende, letztlich dann doch Absolution erteilt. Regina Scheer, Jahrgang 1950, ist eine unser gesellschaftliches Gefüge tief auslotende Erzählerin, die ihre Schule einer genauen Beobachtungsgabe verdankt und die ihre Geschichten in einem fiktiven Dorf im Mecklenburgischen namens „Machandel“

zu vernetzen und klug abzuhandeln versteht. Da lässt dann schon der Titel ihres Romans „Machandel“ den kundigen Märchenfreund aufhorchen und an die Geschichte „Von dem Machandelboom“ denken, die manch ein Leser auch beim wiederholten Nachlesen erschüttert und fassungslos macht. Ein wirklich geschickter Schachzug der Autorin, die allein mit der Titelwahl neugierig macht, auf die keineswegs immer so märchenhaft schönen Umbrüche unserer deutschen Geschichte verweist. Auch im Roman geht es um Mord, Gewalt und Lügen; um das Zusammenfügen verschiedener Erzählebenen und Perspektiven. So gesehen um die Entzauberung zuvor verschlüsselter Bilder, um die Aufhebung des Stummseins als Verdammnis, wie wir es für einen Wimpernschlag der Geschichte im „kurzen Herbst der Utopie 1989“ selbst erzwungen, selbst erlebt haben. Was diesem friedlichen, letztlich angstfrei verlaufendem Aufbegehren folgte, war „die teilweise feindliche Übernahme eines Betriebes namens DDR..., der ökonomisch und moralisch bankrott war“; dem man allerdings auch den Kotau seiner gerade erwachten Belegschaft – in Unkenntnis des Kommenden – vorhalten muss, die sich in ein kommendes, (im wörtlichen Sinn) versprochenen Märchenland wiederfinden wollte. Der so „weise“ und erkenntnisreiche Roman von Regina Scheer folgt einer anderen Ausrichtung von „Märchen“. Er spürt Stoffen nach, die tiefer, dem Grund zu irdische Wurzeln der Dinge ausloten und damit ungeschönt zum Wesen der Vielgestaltigkeit unserer Geschichte vordringen. So lebt gerade das nicht Bewältigte „weil es nicht gestorben ist“ als „archaisches Menschheitsmuster“ weiter, keineswegs erfreulich, keineswegs heiter.

ARTus

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