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Rügen „De Ackerlöper“ sammeln Ton, Steine, Scherben
Vorpommern Rügen „De Ackerlöper“ sammeln Ton, Steine, Scherben
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00:00 07.10.2015
Teilen die Leidenschaft für ihr Ehrenamt: Die Bodendenkmalpfleger René Geyer (l.) und Michael Parchow. Sie helfen sich auch regelmäßig beim Bestimmen ihrer Funde. Quelle: Steffi Besch
Sellin

Mit einem kleinen Schuhkarton unter dem Arm betritt Freddy Richter den Saal der Kurverwaltung. Vorsichtig stellt der Selliner Gastronom diesen wie eine Schatzkiste auf einen Tisch. Und befindet sich in bester Gesellschaft. Denn jeder der 15 Teilnehmer der ersten inselinternen Bodendenkmalpfleger-Tagung brachte die schönsten Funde zum gemeinsamen Bestimmen mit. Eingeladen und dazu hatte Michael Parchow. Der 44-Jährige ist ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Seit 30 Jahren streift er über Wiesen und durch Wälder der Insel, sammelt, recherchiert, datiert und formuliert Fundmeldungen an das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege (LAKD) in Schwerin und die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Vor genau einem Jahr gründete der Hobby-Archäologe aus Leidenschaft eine Arbeitsgemeinschaft, die er als gebürtiger Rüganer in seiner Heimatsprache „De Ackerlöper“ nannte. Verbündet haben sich in dieser AG ehemalige Archäologen, ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger und solche, die es werden möchten, sowie Interessierte wie Freddy Richter. Gemeinsam begehen sie Felder und einzelne Strandabschnitte im Zuge von Gemarkungsaufnahmen, messen Grabanlagen ein, pflegen, beschneiden und beschildern — und gehen natürlich am liebsten auf Schatzsuche.

Für die einen sind es ganz hübsche Scherben und spitze Steinchen, für die Experten sind es Keramikstücke der roten Irdenware mit Malhorn-Verzierungen und Sichelfragmenten aus der Bronzezeit. Um möglichst bald genauso firm wie Parchow zu sein, fanden sich auch sechs interessierte Buddelflinke zu diesem Treffen ein.

„Wir brauchen dringend Nachwuchs. Viele der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger sind sehr betagt und haben mittlerweile auch ihre Schwierigkeiten in unwegsamen Gelände. Daher bin ich schon sehr froh, dass von den Anwesenden einige von uns eine sogenannte Vorausbildung erhalten“, so Michael Parchow. „Und das sieht dann in der Praxis so aus, dass wir bei einem Auftrag der Denkmalschutzbehörde alle gemeinsam Notbergungen vornehmen, dabei Grabungstechniken vermitteln, Karten lesen, den Umgang mit dem GPS-Gerät sowie das Zeichnen und Fotografieren. Und momentan haben wir fünf bekannte Wüstungen im Bereich Südost Rügen, die es zu bearbeiten gilt. Momentan sind wir in der Nähe von Dummertevitz aktiv.“

Langeweile kennen Bodendenkmalpfleger ohnehin nicht. Denn gebaut wird nach wie vor reichlich auf der Insel. Und immer wenn irgendwo ein Baugrundstück erschlossen wird und die Bagger anrollen, stehen auch Michael Parchow und seine Kollegen an der Grube. Vor zwei Monaten in Lancken-Granitz zum Beispiel, wurden er und René Geyer fündig. Scherben und Henkel aus Bronze- und Slawenzeit, dem späten Mittelalter und auch der frühen Neuzeit entdeckten und sicherten sie. So fand der als Kräuter-Geyer bekannte Rüganer vor zwei Wochen die Tülle einer Kanne aus Bronzeguss, die ein Hundekopf ziert und vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt. Auch Michael Parchow stößt hin und wieder auf einmalige Exemplare. Seinen größten Fund aber, meint er, habe er vor zehn Jahren gemacht. Da lernte er nämlich seine Lebensgefährtin Simone kennen und lieben. „Eine Frau, die Verständnis hat für die Macken eines Bodendenkmalpflegers.“

Verstärkung gesucht
6ehrenamtlich tätige Bodendenkmalpfleger gibt es derzeit auf der Insel Rügen. Wer ebenfalls Interesse an Archäologie, Kultur und Geschichte und einer Mitarbeit hat, kann sich an die Dezernenten des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, Landesarchäologie unter ☎ 03 85/58879101 wenden. Informationen vor Ort gibt auch Michael Parchow im Selliner Museum Seefahrerhaus, Seestraße 17b, ☎ 038303/ 371105.



Steffi Besch

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