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Dem Meuchelmord zwischen Raub- und Kreuzzügen ein Denkmal gesetzt

Schaprode Dem Meuchelmord zwischen Raub- und Kreuzzügen ein Denkmal gesetzt

Heute leben 164 Einwohner in Schaprode – und erleben eine Touristeninvasion

Schaprode. Früher war es schon ziemlich wagemutig, in Schaprode zu leben: Wikinger landeten hier auf ihren Raubzügen zur Tempelburg am Kap, Dänen nutzten den Hafen „Skaparöd“ im 12. Jahrhundert als Einfallstor für ihre Kreuzzüge gegen die heidnischen Ranen auf Rügen, und die wiederum errichteten hier nicht nur einen ihrer Burgwälle, sondern starteten von dem Hafen mit ihrer Flotte zu Raubzügen gegen Dänemark. Und dann auch noch ein Meuchelmord an dem Knappen Reinwart von Platen. Der ist zwar schon 648 Jahre her, vergessen wird er aber nicht. Dafür sorgt die Mordwange – eine Art Gedenkstein – am Ortseingang von Schaprode, wo die Tat auch begangen worden ist. Die verwitterte Inschrift wurde als Bitte an die Vorübergehenden entziffert, einen Moment inne zu halten und ein Gebet für das Seelenheil des Toten zu sprechen.

 

OZ-Bild

Die Mordwange am Ortseingang von Schaprode.

Woher der Name Schaprode kommt, ist nicht sicher geklärt: Die einen sagen, er sei skandinavischen Ursprungs, die anderen leiten ihn vom slawischen „Zabrod“ (bei der Furt) ab. Lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahr 1193 befand sich hier ein slawischer Fürstensitz. Anfang des 13. Jahrhunderts – nur kurze Zeit nach dem Fall der Jaromarsburg am Kap - wurde hier Rügens drittälteste Kirche gebaut, die über drei Jahrhunderte als Marienwallfahrtsort viele Gläubige anzog. So waren denn auch Ende des 12. Jahrhunderts dänische Bischöfe vor ihrem König nach Wollung, wie sie den Ort auch nannten, geflüchtet.

Auch in den folgenden Jahrhunderten kamen die Bewohner des Kirchspiels Schaprode nicht zur Ruhe: 1511 landete hier ein Heer von 1000 dänischen Soldaten, um gegen die Hansestädte zu ziehen und das Land zu verwüsten. Und in die Nordischen Kriege des beginnenden 18. Jahrhunderts wurde der kleine Hafen auch hinein gezogen. Damals entstand am Stolper Haken eine Schwedenschanze.

Ein paar Jahrzehnte später wurde Schaprode das führende Schifferdorf Rügens. Von hier starteten Schaluppen, Galeassen und Brigantinen in die weite Welt hinaus. Während die Schiffer reich wurden, verarmten die Bauern im Umkreis des Hafens. „Von den ehemaligen Dörfern ... sind nur noch wenige übrig, seitdem es hier ... Sitte geworden ist, die Bauern zu legen“, schrieb Johann Friedrich Zöllner 1795.

Heute erleben die 164 Schaproder wieder eine Invasion, die sie allerdings gelassen tragen: die der Touristen auf dem Weg zur Fähre nach Hiddensee. sg

OZ

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