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Rügen Der Pudding der Apokalypse
Vorpommern Rügen Der Pudding der Apokalypse
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00:45 23.08.2014
Am 2. August 2009 starb der Dichter Adolf Endler(*1930). Quelle: Zeichnung: ARTus

Auf altersbedingt geläuterte Weise sah sich der in Ostberlin lebende Adolf Endler Ende der neunziger Jahre „ja immer noch (als) ein Wahn- und Wirrkopf“. Damit hatte der schwarzhumorige „Spätdadaist“

den als diskriminierend gedachten Terminus seiner Stasi-Denunzianten glatt übernommen. So frei, so wenig verschnupft fühlte sich der Erzpoet des Prenzlauer Bergs, „der wirrhaarige Bakuninkopf“(Peter Gosse), dass er noch die Häme zum Lob umzumodeln vermochte. „Meine klare Botschaft klingt verrückt und wirr“, derlei Selbstkasteiung findet sich bei ihm schon im Gedicht auf Jessenin von 1961. Der 1930 in Düsseldorf geborene Endler siedelte (auch das gab es!) 1955 in die DDR über und fand sich bald mit einer Wirklichkeit konfrontiert, in der von gelebter Ungebundenheit des Wortes kaum die Rede sein konnte. In den sechziger und siebziger Jahren bevorzugte der Autor satirische Zitate-Collagen, um noch später bestimmte Momente der automatischen Schreibweise und des Surrealismus, so gesehen „gebrochen“ in das lockere Parlando etlicher seiner Texte einzufädeln. Das musste letztlich in der vormundschaftlich ausgerichteten DDR schief gehen. 1979 erfolgte der perfide Ausschluss aus dem Schriftstellerverband, was einem Sturz in den Orkus der Verdammnis gleichkam und zunächst ein Publikationsverbot zur Folge hatte. Reclam Leipzig allerdings wagte nur zwei Jahre später das Unglaubliche und brachte 25 Gedichte aus 25 Jahren heraus, als Band 884 der Universal-Bibliothek. Ein Lese-Ereignis! Im Gedicht „Das letzte Zimmer“ benennt Endler sein Zeitschleifen-Dasein: „Nur ich verschlagen wie in eisige Fremde / Ein Staatsfeind fast ich kann kein Kartenspiel / Ich sitz verstummt im weißen Sterbehemde / Der einzige mit trübem Vorgefühl“. Im Nachwort seines subtil gestalteten Nachwende-Bandes „Der Pudding der Apokalypse“ von 1999, verlegt bei Suhrkamp, bezeichnet Endler sich selbst „als eine der verwachsensten Gurken der neuen Poesie“. Eine solche, mit immer wieder neu zu entdeckenden Trieben, ist er für mich bis heute geblieben. ARTus



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