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Der Weg zum Gesellenbrief ist teuer

Samtens Der Weg zum Gesellenbrief ist teuer

Damit ihr Sohn Tierwirt werden kann, muss eine Samtenser Familie viel Zeit und viel Geld investieren

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Holm und Carmen Berger legen sechs Mal im Monat die Strecke von Rügen nach Güstrow zurück, um ihrem Sohn Peter die Ausbildung zu ermöglichen.

Quelle: Uwe Driest

Samtens. Peter Berger lernt Tierwirt bei der APV in Samtens und ist dort in der Rinderzucht tätig. Gerade begann für den 18-Jährigen das dritte Lehrjahr und im kommenden Sommer ist er dann gelernter Tierwirt. Wenn er durchhält. „Der Job ist anstrengend und die Arbeit mit Tieren erfordert, dass wir manchmal bis spät abends melken und dann noch sauber machen müssen“, erzählt er.

Was den jungen Mann zusätzlich belastet, sind die regelmäßigen Fahrten zur Fachschule für Agrarwirtschaft am Beruflichen Bildungszentrum in Güstrow. „Der Schulplan sieht zweiwöchige Blöcke vor, an denen Peter in Güstrow sein muss“, erklärt Mutter Carmen Berger. „Dann fahren mein Mann und ich unseren Sohn am Sonntag hin, holen ihn am dazwischenliegenden Wochenende wieder nach Hause, weil die Azubis über das Wochenende nicht im Internat bleiben dürfen und bringen ihn nach dem Wochenende für die zweite Woche wieder nach Güstrow.“

Mit solchen Problemen steht die Familie nicht allein da: Von knapp 80 Ausbildungsberufen können die drei Standorte des Landkreises in Stralsund, Ribnitz-Damgarten und Sassnitz lediglich 20 abdecken.

Eltern und Schüler beklagen „zu lange Beförderungszeiten zur zuständigen örtlichen Schule“, bestätigt auch der Bürgerbeauftragte des Landes, Matthias Crone, in seinem jüngsten Bericht. Eine im Landtag kursierende Studie schließlich machte deutlich, dass der längste Schulweg Deutschlands – der von Dranske nach Bergen – auf der Insel Rügen liegt.

Vergünstigte Bahntarife seien am Wochenende nicht verfügbar und so legt das Rentnerpaar Carmen und Holm Berger gemeinsam mit Retriever Lumpi die Strecke also sechs Mal im Monat zurück. Hinzu kommen Fahrten zu überbetrieblichen Ausbildungsstätten. Für Auszubildende in Mecklenburg-Vorpommern findet die Ausbildung auch in der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) in Iden statt. „Dort gab es noch nicht einmal eine Busverbindung vom Bahnhof zum Betrieb“, erzählt Peter Berger.

Zwar erhält der Azubi 206 Euro Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) von der Bundesagentur für Arbeit, „das bezieht sich aber ausschließlich auf den praktischen Teil der Dualen Ausbildung“, so Carmen Berger. Fördermöglichkeiten und Richtlinien seien „alle sehr kompliziert und die Jugendlichen sind allein damit überfordert“. Dem Lohn ihres Sohnes von bisher 570 Euro zuzüglich der Beihilfe stünden Kosten von 250 Euro Miete im elterlichen Haus, rund 130 Euro für Fahrten nach Güstrow sowie 160 Euro für das dortige Zimmer gegenüber.

„Im März stießen wir im Internet auf die Möglichkeit, einen Zuschuss für Fahrt und Unterkunft beim Bildungsministerium zu erhalten“, erzählt die Mutter. Ihr Antrag wurde allerdings im April abgelehnt. „Für meine Entscheidung erhebe ich keine Kosten“, stellte die Sachbearbeiterin ihrer Entscheidung in kühlem Beamtendeutsch voran, monierte die Unvollständigkeit des Antrags, ohne eine Nachbesserung einzuräumen und verweist im Falle des Widerspruchs auf den Klageweg.

„Wir haben uns alle Unterlagen von der Internetseite heruntergeladen und sorgfältig ausgefüllt“, versichert Carmen Berger. „Nach den Kosten für Fahrt und Unterkunft wurde wir nicht gefragt.“

Das hätte auch nichts bewirkt, stellt Ministeriums-Sprecher Henning Lipski klar. „Die Richtlinie sieht eine Einkommensgrenze von 500 Euro vor, wer einen Euro mehr verdient, ist nicht bezugsberechtigt.“ Ohnehin aber fiele der Zuschuss von pauschal 175 Euro je Halbjahr für die Unterkunft und 140 Euro für die Fahrtkosten bescheiden aus.

„Wir hoffen, dass sich auch die Betriebe an der Finanzierung der Berufsschule beteiligen“, sagt Lipski. Früher sei das Voraussetzung gewesen, heute zahle das Land unabhängig davon. Wenn es denn zahlt. „Wo bleibt denn da der Anreiz, eine Lehre zu beginnen?“, fragt Carmen Berger.

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Uwe Driest

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