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Rügen Der Zehn-Meter-Telespargel vom Strelasund
Vorpommern Rügen Der Zehn-Meter-Telespargel vom Strelasund
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00:00 23.10.2017

Stolz ragt der Berliner Fernsehturm en miniature über die Dächer der Häuser im Teschenhäger Weg des Stralsunder Ortsteils Devin hinaus: Genau Zehn Meter und 50 Zentimeter misst der Telespargel vom Strelasund und kann sogar mit seinem Erbauer Hansdieter Stender voller Stolz um die Wette leuchten. Der ehemalige Landmaschinenschlosser hat sich bereits im Jahre 1968 von dem noch im Bau befindlichen Berliner Fernsehturm inspirieren lassen und stellte das erste Modell bereits 1973 in seinem Garten auf. Das maß jedoch nur vier Meter, während das Original in Berlin 368 Meter hoch war.

Hansdieter Stender vor dem Modell des Fernsehturms und alten Zeitungsberichten in seinem Garten in Devin. Quelle: Foto: Christian Rödel

Damit hatte die damalige Ulbricht-Regierung in puncto Bauhöhe die Nase vorn, oder besser oben, denn es galt zu Zeiten des Kalten Krieges, den westlichen Klassenfeind in möglichst vielen Punkten zu übertrumpfen. Der Berliner Telespargel ist bis heute das höchste freistehende Bauwerk Deutschlands und das viertgrößte architektonische Wahrzeichen Europas.

Die Berliner sind stolz wie Bolle auf ihren Fernsehturm, und der heute 75 Jahre alte Deviner Tüftler Hansdieter Stender ist es ebenfalls, denn sein Modell ist in den vergangenen Jahrzehnten ordentlich gewachsen. Der Zahn der Zeit hatte dem Stralsunder Türmchen natürlich stark zugesetzt, der Rost fraß sich in die Kuppel und den gertenschlanken Korpus. „1978 habe ich den Turm erstmals saniert und noch einmal erhöht – jetzt kam er auf eine Höhe von neun Meter und 20 Zentimeter“, erzählt Hansdieter Stender nicht ohne Stolz und ergänzt: „Noch im selben Jahr stand der TV-Reporter Hans-Joachim Wolle von der beliebten DDR-Fernsehunterhaltungssendung ,Außenseiter-Spitzenreiter’ mit einem Kamerateam vor meiner Tür“, erinnert sich der Deviner an diese für ihn spannende Reportage aus seinem Vorgarten zurück.

Nach der Ausstrahlung der Sendung pilgerten ganze Heerscharen an Schaulustigen nach Devin, um den Nachbau des Fernsehturms zu bewundern. „Bis 1995 habe ich den Fernsehturm übrigens zum Winter gewissermaßen regelmäßig umgelegt und ihn bis zum Frühjahr wetterfest abgedeckt, um ihn zu schützen“, sagt Hansdieter Stender. „Aber dann ließ ich ihn ganzjährig stehen.“

Doch im Jahr 2000 erlitt der Turm einen schweren Schicksalsschlag, er knickte um und zerbrach. Der Rost hatte seinen Tribut gefordert: Für ein knappes Jahr lag der Fernsehturm traurig danieder, bevor er im Jahre 2001 seine bauliche Wiedergeburt feiern konnte. Freunde, Nachbarn und Verwandte hatten den Deviner ermuntert. Aus rostfreiem Zinkblech gaben Stender und seine befreundeten Bastler, darunter ein CB-Funker und ein erfahrener Klempner, dem Bauwerk eine neue witterungsfeste Hülle, die bis heute treu ihren Dienst tut. „Mittlerweile misst der Fernsehturm stolze zehn Meter und 50 Zentimeter. Und er steht auf einem sicheren Betonsockel“, sagt Stender.

Selbst die LED-Warnblinkanlage blinkt zu vorgerückter Dämmerstunde im Takt. Übrigens: Gleich am Gartenzaun neben dem Eingang auf seinem Grundstück gibt es ein weiteres Miniatur-Modell von einer Burganlage. Stender, der auch als Kranfahrer auf vielen Großbaustellen gearbeitet hat, nahm sich nach Feierabend unbrauchbare Steine mit, um daraus die mittelalterliche Burg mit Innenbeleuchtung entstehen zu lassen, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte

Christian Rödel

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