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Der „goldene Westen“

Der „goldene Westen“

Die ersten Jahre in Österreich waren für mich als Ossi erwartungsgemäß nicht leicht.

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Die ersten Jahre in Österreich waren für mich als Ossi erwartungsgemäß nicht leicht. „Vitamin B“ hatte ich nicht, Devisen erst recht nicht — und kreditwürdig war ich auch nicht, da ich keine Sicherheiten bieten konnte.

Jeder Gang zu Behörden kostete Geld, das nannte sich Stempelmarken. Dass Blumenkohl Karvioli heißt und die Kartoffeln Erdäpfel, begriff ich schnell. Trotz österreichischem Pass blieb mir vieles fremd und wenn ich den Mund aufmachte, stand ich sowieso als Preuße da.

Mein Heimweh kam spätestens im Mai, wenn an der Ostsee die Saison begann. Und dieses Heimweh kam unerbittlich und ich musste eine Lösung finden, den FKK-Mädchen in der DDR mein Ansuchen, mir Modell zu stehen, angemessen zu vergüten. Die „Tante aus dem Westen“, die uns „in der Zone“ herrlich duftenden Kaffee und Seife mitbrachte, war schließlich der Beweis, dass es den „Wessis“ besser ging.

Ich begann also das einzukaufen, was toll aussah und nicht so viel kostete. Ein Delphin als Schwimmhilfe, Make up, Farbbilder und Parfüm. So ausgestattet, kam ich an den Stränden Rügens an und fand bei den Mädchen schnell Anklang. Jedes Modell kletterte entzückt in meinen Westwagen und niemand fragte, ob er auf Kredit gekauft war. Ich glänzte eben mit dem, was mir nur zu 20 % gehörte. Ein Harz-IV-Empfänger aus Köln würde ja der Cousine in Leipzig auch nicht erzählen, wie es ihm wirklich geht.

Meine Mitbringsel waren etwas besser, als das, was man uns heute aus China verhökert, und so verkörperte ich ungewollt den „Goldenen Westen“. Trotzdem konnte ich viel Freude bereiten und als ich den beiden Mädchen, die ich am Strand von Thiessow fotografiert hatte, noch den Delphin für ihren Urlaub schenkte, war deren Glück vollkommen.

Wären sie nicht splitternackt gewesen, hätten sie mich wohl umarmt. Ich aber war genau so dankbar wie sie, denn der Charme, die Natürlichkeit und das selbstbewusste Auftreten dieser Mädchen stand weit über dem, was mich nach meiner Rückkehr im Westen erwartete.

 



Klaus Ender

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