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Trent/Wittower Fähre Der schnellste Weg nach Norden

Die Fähre, die die Halbinsel Wittow und das Rügener Muttland verbindet, befördert jedes Jahr mehr als eine Viertelmillion Menschen.

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Knut Schäfer (Weiße Flotte) Ralph Langkammer (Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Landkreises), Landrat Ralf Drescher (CDU) und Matthias Kley (Pressnitztalbahn) auf dem historischen Bahnwagen am Anleger der Wittower Fähre.

Quelle: Fotos: Anne Ziebarth

Trent/Wittower Fähre. Eine Rügener Institution feiert dieses Jahr ein beeindruckendes Jubiläum. Vor 120 Jahren nahm die Fähre, die zwischen Wittow und dem Rüge

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Die Fähre, die die Halbinsel Wittow und das Rügener Muttland verbindet, befördert jedes Jahr mehr als eine Viertelmillion Menschen.

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ner Kernland verkehrt, ihren Betrieb auf. Um an das Jubiläum und die frühere Funktion als Eisenbahnfähre zu erinnern, wurde in den vergangenen Tagen ein historischer Bahnwagen aus dem Jahr 1897 an die Anlegestelle des Nordufers gestellt. Viele der Fährgäste nutzten das Motiv für einen kleinen Fotostopp, bevor es weiter an Bord der „Wittow“ ging.

Rund 270000 Personen fahren jährlich mit der von der Reederei Weiße Flotte betriebenen Fähre, darunter sind vor allem Urlauber. Aber auch viele Berufspendler und Dienstleister wissen die Schiffsquerung des an dieser Stelle nur 350 Meter breiten Stroms zu schätzen.

Peter Voigt beispielsweise. Er fährt mit seinem Transporter an Deck des Fährschiffes Wittow, den Fahrscheinverkäufer begrüßt er wie einen alten Bekannten.„Ich fahre täglich mit der Wittower Fähre.

Morgens hin, abends zurück“, sagt der Paketfahrer aus Neubrandenburg. „Das ist eine riesige Zeitersparnis. Wenn ich über die Schaabe fahre, brauche ich bis zu einer Stunde länger.“

Während Voigt sich das Deck der Fähre nur mit anderen Autos und ein paar Fahrradfahrern teilen muss, waren die Platzverhältnisse zum Start der Fährlinie im Jahr 1896 wesentlich beengter. Die Fähre war als Trajektionslinie an die Rügener Kleinbahn angeschlossen und transportierte mit den beiden Fährschiffen „Wittow“ und „Jasmund“ auch Güterwaggons und Loks. Die Einrichtung der Kleinbahn und der Fähre verbesserte die Verkehrsanbindung von Wittow um ein Vielfaches. Zuvor standen für das Übersetzen nur ein Segelboot, zwei Ruderboote und eine Kettenfähre zur Verfügung.

Auf dem Grund des Stroms lag eine Kette, die auf dem Deck des Fährkahns über eine Winschentrommel lief. Gekurbelt wurde vom Fährmann per Hand, was bei starkem Wind kein ungefährliches Unterfangen war. Es sind zahlreiche Fälle überliefert, in denen die Kette riss und die Besatzung alle Hände voll zu tun hatte, das Schiff zu stabilisieren.

Aber auch noch im 20. Jahrhundert hat die Fährverbindung durchaus turbulente Zeiten erlebt. „In den 1960ern haben wir fast alles von und nach Wittow mit der Fähre transportiert“, erinnert sich Kapitän Hans Hencke (79). „Donnerstag war immer großer Viehauftrieb, dann haben wir lebende Rinder auf der Fähre befördert.“

Die kennt Hencke wie seine Westentasche, schließlich hat er seit 1959 hier gearbeitet, seit 2000 genießt er den verdienten Ruhestand. „Seine“ Fähre hat er dabei aber immer im Blick, er wohnt, wie viele der Fährmitarbeiter direkt am Anleger im Ortsteil Wittower Fähre.

Auch Kapitän Holger Beckerwohnt hier. Er ist einer von derzeit drei Schiffsführern, welche die „Wittow“ sicher von Ufer zu Ufer steuern. Und das jeden Tag rund 62 Mal pro Schicht. Langweilig wird Becker der Beruf trotzdem nicht. Zum einen schätze er den Blick von seinem hohen Führerstand auf die Natur und die zahlreichen Seeadler am Wasser. „Zum anderen ist die Situation ja auch wetterbedingt jeden Tag anders“, sagt er. „Bei starkem Südwestwind, wie jetzt, wird das Wasser quasi vom Bodden in den Strom geschoben. Und das merkt man beim Steuern schon.“ Sein Kapitänspatent hat der heute 51-jährige seit 2006. „Ich erinnere mich noch gut: Als ich begonnen habe, mussten sehr viele Fahrzeuge der Bundeswehr transportiert werden. Das war die Zeit der Vogelgrippe und es wurden große Desinfektionswannen installiert.“

Auch in alltäglichen Katastrophenfällen ist die Fähre ein solider Partner. „Notarzt, Polizei und Feuerwehr rufen an, wenn sie die Fähre nutzen wollen. Dann warten wir selbstverständlich“, so Becker.

Die Wittower Fähre

124 Mal fährt die Wittower Fähre „MF Wittow“ täglich im Durchschnitt zwischen den beiden Anlegestellen hin und her. Sie kann bis zu 25 Fahrzeuge bis zu einem Gesamtgewicht von 30 Tonnen transportieren.

270000 Personen mit 225000 Fahrzeugen nutzen die Wittower Fähre im Jahr.

1530 wird eine „Wittower Fähre“ erstmals erwähnt, ein Fährverkehr über den Strom bestand aber mindestens seit der Slawenzeit, vermutlich länger.

1896 eröffnete die Trajektfährverbindung Fährhof-Wittower Fähre mit den Fährschiffen „Wittow“ und „Jasmund“. Die Fähre war an die Rügensche Kleinbahn angeschlossen und transportierte neben Passagieren und Pferdefuhrwerken auch Loks und Güter sowie später auch Autos.

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1950 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Strecken der Kleinbahn, auch die Wittower Fähre gehörte dazu. 1968/70 wurde die Trajektierung von Kleinbahnen endgültig eingestellt.

1975 erfolgte die Übernahme der Strecke durch die VEB Fahrgastschiff „Weiße Flotte“ Stralsund.

1991 Bau neuer Fähranleger . 1994 wurde die „Wittow“ in Dienst gestellt und ersetzte die alte „Wittow“ und die „Bergen“.

Anne Ziebarth

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