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Deutsches Brot und peruanische Alfajores

Sassnitz Deutsches Brot und peruanische Alfajores

Alejandra (16) ist als Gastschülerin aus dem südamerikanischen Lima nach Sassnitz gekommen

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Lena Eichwald und die Gastschülerin Maria Alejandra Garcia Ampuero bereiten eine peruanische Süßigkeit aus Keks und Karamellsauce zu.

Quelle: Foto: Maik Trettin

Sassnitz. Anton langt blitzschnell auf den Tisch und stibitzt eines der frisch zubereiteten Plätzchen. „Dankeschön“ ruft er den Mädchen zu, dann ist der 13-Jährige durch die Tür. Seine Mutter Katja Eichwald schmunzelt. „Das peruanische Gebäck mögen wir alle“, sagt das Familienoberhaupt, während ihre Tochter Lena vorschriftsgemäß Karamellcreme auf das nächste Plätzchen füllt.

„Alfajores“ heißt das Backwerk, das direkt aus Südamerika kommt. Mitgebracht hat es Maria Alejandra Garcia Ampuero, genannt Alejandra oder kurz „Ale“. Anfang des Jahres hat die 16-jährige Peruanerin dem Sommer auf der heimatlichen Südhalbkugel ade gesagt und ist nach Deutschland geflogen. Seit einigen Wochen lebt sie bei den Eichwalds in Sassnitz. Dass die Schülerin hier nur zu Gast ist, merkt man nicht. Noch nicht einmal die „ständigen“ Familienmitglieder. „Das ist, als hätte ich eine große Schwester bekommen“, sagt Lena.

Das richtige Zuhause der „großen Schwester“ befindet sich in Lima, der Hauptstadt des Anden-Staates. Dort besucht Alejandra die deutsche Schule „Alexander von Humboldt“. Mit Deutschland ist ihre Familie seit einigen Generationen verbunden. Der Großvater, ein Peruaner, kam hierher, um U-Boote zu bauen. Alejandras Vater hat als kleiner Junge einige Zeit in Kiel gelebt. Seine Kenntnisse über die Sprache und das Land gab er früh an seine Tochter weiter. Noch im Kindergartenalter brachte er ihr die ersten Worte auf Deutsch bei. Welche das waren, kann die 16-Jährige heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. „Wahrscheinlich Begriffe wie ,Vater’ oder ,Mutter’“, mutmaßt sie. In der Schule wird in fast allen Fächern – bis auf Kunst und Geschichte – auf Deutsch unterrichtet. Und so ganz „nebenbei“ lernt die Peruanerin auch noch Englisch und Französisch.

Auch wenn sie familiär „vorbelastet“ ist: Von den Fremdsprachen, die sie lernt, fällt ihr Deutsch am schwersten. „Französisch und Spanisch sind nahe miteinander verwandt. Das ist einfacher“, sagt sie. Englisch ist ihr Lieblingsfach . In der deutschen Schule in Lima wird sogar das gleiche Lehrbuch verwendet wie am Bergener Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. „Aber der Unterricht ist ganz anders“, sagt die Peruanerin. Die spricht hervorragend Deutsch, wie ihr die Mitschüler auf Zeit an der Bergener Penne bestätigten. „Aber im Deutschunterricht hier komme ich nicht mit. Da verstehe ich kaum etwas“, gesteht sie. Besser laufe es mit Mathematik.

Ende letzten Jahres war Alejandra zu einem Familientreffen in den USA, jetzt in Deutschland. Vieles sei in den jeweiligen Ländern ähnlich, Vieles unterscheide sich. Das Essen zum Beispiel. „Bei den US-Amerikanern gibt es wirklich sehr viel Fast-Food.“ Hier, in Deutschland, werde offenbar mehr zu Hause gekocht, so wie es auch in Peru Alltag sei. Den Straßenverkehr in Deutschland könne man kaum mit dem in ihrer Heimat vergleichen, sagt Alejandra. „Bei uns ist es hektischer und immerzu wird gehupt. Hier hört man das gar nicht.“ Den Bus oder das Fahrrad zu benutzen oder zu Fuß zu gehen, sei zumindest in Lima eine absolute Seltenheit. „Da fährt man fast jede Strecke mit dem Auto.“ Die sportlichere Art der Fortbewegung, die sie auf der Insel kennengelernt hat, gefällt ihr. „Ich werde zu Hause auch mehr laufen“, hat sich die Schülerin vorgenommen.

Viele Klischees über die Deutschen hätten sich bestätigt: der Ordnungssinn, die Pünktlichkeit. „Darauf legt offenbar auch Alejandras Vater Wert“, sagt Katja Eichwald, die Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen spannend findet. „Deshalb haben wir uns ja auch dafür entschieden, einen Schüler aus dem Ausland aufzunehmen.“ Alejandra ist von ihrer Wahl-Heimat ebenso fasziniert wie von ihrer Familie auf Zeit. Anfangs habe sie vor Heimweh nichts essen mögen und auch öfter mal eine Träne vergossen. Jetzt fühlt sie sich auf der Insel und bei den Eichwalds richtig wohl. „Die Landschaft ist herrlich, ich habe ganz viele Fotos vom Meer und dem Wald gemacht.“ Die sportliche Gastfamilie unternehme viel mit ihr, man kocht zusammen, montags immer peruanisch. Ein neues Wort hat sie in Sassnitz auch schon gelernt: „Knäckebrot“. Eines der schwersten Fremdwörter überhaupt, wie Alejandra findet. Das Trockenbrot, das es bezeichnet, kannte sie aus ihrer Heimat ebenso wenig – und ist ganz entzückt. „Es schmeckt sehr gut, wie auch das ganze Brot hier in Deutschland.“ Wenn sie vom deutschen Kuchen spricht, beginnt sie gar zu schwärmen. Überhaupt kann sie sich für die deutschen Süßigkeiten begeistern. So leckere Schokolade wie hier habe sie in Peru noch nicht gegessen. „Dort ist sie auch gut, aber anders, es gibt mehr Sorten mit Nüssen und Milch.“

Im nächsten Monat wird Alejandra wieder nach Hause fliegen. Im Gepäck hat sie dann unter anderem handgemachte Seife aus Sassnitz, eine FC-Bayern-Waschtasche für ihren Vater sowie ein FC-Bayern-Trikot für ihren Freund Jan Milla Schneider, der Torwart in der peruanischen Fußball-Jugend-Nationalmannschaft ist. Und natürlich jede Menge Schokolade und andere Naschereien aus Deutschland. Bis zum peruanischen Winter kann sie von diesem Vorrat zehren. Dann darf sie sich auf Süßigkeiten-Nachschub aus Deutschland freuen – und auf lieben Besuch. In den Ferien werden sie und ihre Familie in Lima Gastgeber für ihre „deutsche Schwester“ Lena sein.

Maik Trettin

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