Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Deutschland redet über Schein-Interview von OB Badrow
Vorpommern Rügen Deutschland redet über Schein-Interview von OB Badrow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:05 21.04.2016

Ein offenbar von vorne bis hinten inszeniertes Interview des Fernsehens am Strelasund (FAS) mit Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) sorgt für Wirbel. Wie die Internetseiten „Übermedien“ und „Spiegel Online“ berichten, sind dem Sender Ablauf und Fragen des Gesprächs vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit Wort für Wort vorgegeben worden. Und das ausgerechnet im Wahlkreis von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die in den vergangenen Wochen durch ihr Verhalten in der Böhmermann-Affäre gehörig Kritik einstecken musste.

Das OB-Interview ist bereits im Januar im FAS ausgestrahlt worden. Die Zuschauer dürften sich schon damals über diesen Beitrag gewundert haben: Der Bürgermeister hält darin vor der schönen Kulisse des Stralsund Museums minutenlange Monologe darüber, wie gut es in der Hansestadt läuft. Kritische Nachfragen der Moderatorin gibt es nicht, sie dient nur als Stichwortgeberin.

Nun ist klar, wie dieses künstliche Gespräch zustande gekommen ist — jedes Detail darin war im Vorfeld abgesprochen. Den Journalisten der Medienseite liegt nach eigenen Angaben der komplette Schriftverkehr zwischen der Stadtverwaltung und dem FAS vor. In einem detaillierten Entwurf mit dem Titel „Neujahrsgespräch mit Dr. Badrow“ überlässt die Stadtverwaltung demnach nichts dem Zufall.

Es wird offenbar geregelt, wann, wo und wie lange gedreht wird, wer moderiert und um welche Themen es geht. In späteren Versionen sind offensichtlich sogar alle Fragen einzeln ausformuliert — als könnte der OB auf eine spontane Frage keine vernünftige Antwort geben.

Im Januar schreibt das Büro für Öffentlichkeitsarbeit dann: „Ich denke, die Sache ist jetzt rund.“ Die Fragen finden sich später zum Teil wortwörtlich im fertigen Interview wieder. Der Oberbürgermeister wollte sich gestern auf OZ-Anfrage am Telefon nicht äußern. Die Mitarbeiter des Pressestelle waren nicht zu erreichen. Gegenüber „Übermedien“ räumte der Pressesprecher der Stadt jedoch ein, „das Drehbuch gemeinsam besprochen“ zu haben. Geld habe das Fernsehen am Strelasund dafür aber nicht bekommen.

Auch beim FAS nahm gestern niemand den Telefonhörer ab. Gegenüber den Redakteuren des Medienblogs äußerte sich der Geschäftsführer hingegen schon — allerdings mit einem seltsam anmutenden Geschäftsgebaren. Für den zeitlichen Aufwand zur Beantwortung der Fragen wollte der den Journalisten 180 Euro berechnen. Auf Nachfragen habe er nicht mehr reagiert.

In Deutschland ist es üblich, dass Interviews vor der Veröffentlichung von den Gesprächspartnern autorisiert werden. Das steht zwar in keinem Gesetz, hat sich aber etabliert, sodass ohne Autorisierung in der Regel kein Interview mit einem Politiker höheren Ranges zu bekommen ist. Der Sinn dahinter ist es, den Interviewpartner vor unüberlegten Aussagen zu schützen und hat den Vorteil für das Medium, mit dem fertigen Text auf der sicheren Seite zu sein. Die Stralsunder Interpretation dieser ohnehin umstrittenen Praxis ist allerdings absolut unüblich.

Von Alexander Müller

Die „Krötenwanderung“ im Biosphärenreservat Südost-Rügen hat begonnen. „Allein heute Morgen haben wir 117 Erdkröten und einen Grasfrosch sicher über die Straße gebracht“, ...

21.04.2016

Biologische Station untersucht Meeres-Ökosysteme

21.04.2016

Schüler aus Deutschland, Polen, Schweden und Dänemark kamen auf Rügen zusammen und diskutierten über Integration von Behinderten

21.04.2016
Anzeige