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Die Glocke ruft: „Hol öwer Fährmann“

Moritzdorf Die Glocke ruft: „Hol öwer Fährmann“

Vater und Sohn führen eine 125-jährige Tradition mit dem Betrieb der Ruderfähre fort

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Während Vater Uwe ein 25 Kilogramm schweres E-Bike auf die Motorfähre hievt, drückt Sohn Kay-Uwe Strandmann im Hintergrund schon die Ruderbank beim Übersetzen auf der Baaber Bek.

Quelle: Fotos: Uwe Driest

Moritzdorf. Uwe Strandmann zog vor gut 40 Jahren in das kleine Reihendorf an der Baaber Bek, der Verbindung von Selliner See und Having. Da war Sohn Kay-Uwe gut ein Jahr alt und in dem Haus, an dem jetzt in großen Buchstaben „Kay-Uwe“ steht, wohnt er noch immer.

 

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Das Fährmann-Team von Moritzdorf: Uwe Strandmann (r.) und Sohn Kay-Uwe

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Tradition wird großgeschrieben in der Familie und so drücken Vater und Sohn seit 26 Jahren die Ruderbank von Norddeutschlands mit 50 Metern kürzester Fährverbindung. Ehefrau Ricarda und die Söhne Philip (14) und Lukas (8) „können zwar auch rudern, bevorzugen aber heute die körperlich eher niederschwelligen Tätigkeiten ihrer Generation“, bedauert Kay-Uwe, der selber noch immer die Riemen des traditionellen Holzboots mit geklinkerter Beplankung in die Hand nimmt, „auch, damit mein körpereigner Rettungsring nicht noch größer wird“, sagt er augenzwinkernd. „Wir möchten aber so weit es geht die Tradition bewahren.“

„So weit es geht“ bedeutet, dass Vater Uwe, der jetzt 72 Jahre alt ist, ein Plaste-Boot mit Vier-Takt-Motor über die Bek steuert. Körperlich beschwerlich bleibt die Tätigkeit gleichwohl. „Radfahrer kommen heute häufig mit schweren Anhängern oder E-Bikes mit einem Gewicht von 25 Kilogramm“, sagt der Fährmann. Da müssen dann die Radler schon mal selber mit anfassen. Bis zu zehn Räder und 15 Personen finden im Holzboot Platz, das Motorboot nimmt noch weitere vier mit. „In der Hauptsaison queren wir so 50 bis 80 Mal am Tag. Wanderer und Radfahrer, die zwischen Moritzdorf und Baabe unterwegs sind, nutzen die Fährverbindung, die ihnen einen Rundkurs ermöglicht oder ihnen den etwa acht Kilometer langen Umweg um den Selliner See erspart“, erläutert der Senior.

Gegründet wurde der Fährbetrieb bereits im Jahr 1891. Kay-Uwe Strandmann hat noch die Namen all seiner Vorgänger seit Kriegende im Kopf. In den Fünfzigern ruderte Willi Falken über die Bek, dessen alte, am Anleger gelegene Fischerhütte sich Vater und Sohn zum komfortablen Fährhaus ausbauten. Daneben liegt die kleinere Winterhütte, die über einen heimeligen Kaminofen und einen Fernseher verfügt, um Wartezeiten in der kalten Jahreszeit erträglich zu gestalten. Gefahren wird heute immerhin noch von Anfang März bis Ende Dezember. Wenn im Winter See und Bek zufrieren, besorgt Kay-Uwe Strandmann Brot von örtlichen Bäckern und füttert die Schwäne. „Darunter sind viele Singschwäne, die nicht mehr alle in den Süden ziehen“, ist ihm aufgefallen.

In den Siebzigern übernahm zunächst die Fischereigenossenschaft Seedorf den Fährbetrieb, bevor mit Annemarie Adermann, deren Sohn Herrmann heute noch im Dorf wohnt, erstmals eine Frau die schwere Arbeit übernahm. Ihr folgte für die nächsten Jahrzehnte Alfred Damms, dessen Sohn Jochen ebenfalls noch im Dorf lebt und das Ferienhaus „Zum Alten Fährmann“ betreibt.

Als Jason noch Welpe war, begleitete er seinen Ernährer regelmäßig bei Fahrten über das Wasser. Heute, im gesetzten Alter von zwölf Jahren, springt der Jack-Russel-Rüde nur noch morgens ins Boot um auf der anderen Seite, kurz „Hundezeitung zu lesen“ erzählt Kay-Uwe Strandmann. Sein Revier auf der Nordseite der Baaber Bek reicht von der Wiese am Bollwerk bis hinauf zum Solthus. Gibt es keine besonderen Vorkommnisse, kehrt er zum Boot zurück und Strandmann kann wieder ablegen. Bedarf ein Sachverhalt einer genaueren Überprüfung, nimmt Jason eben die nächste Fähre.

Als der Fährmann diesmal zurückkommt, bringt er Familie Bartsch aus Neustadt mit, die eine Radtour um den Selliner See hinter sich brachte und sich auf das Abendbrot in ihrer Unterkunft freut. „Gute Weiterfahrt“, ruft der Fährmann hinterher und legt wieder ab, als jemand auf der anderen Seite die Glocke schlägt. Das bedeutet: „Hol öwer Fährmann!“.

Historie der Fähre

1891 gründete der Kaufmann und Seefahrer Martin Looks den Fährbetrieb, also vor genau 125 Jahren und 50 Jahre nach der Ortsgründung. Damals gab es Bedarf der ersten Fußgänger, die von dem lauschigen kleinen Ort einmal in Richtung Baabe übersetzen wollten. In jener Zeit entstanden Pläne für eine Brücke, die jedoch wegen zu hoher Kosten wieder fallengelassen wurden.

50 bis 80 Mal queren die Strandmanns heute in der Hauptsaison die Baaber Bek, Norddeutschlands kürzeste Fährverbindung.

Uwe Driest

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