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Die „Gorch Fock“ in Stralsund ist jetzt ein Denkmal

Stralsund Die „Gorch Fock“ in Stralsund ist jetzt ein Denkmal

Der Eignerverein sieht in diesem Status die Chance, Geld von Bund und Land für den Wiederaufbau zu bekommen / Unabhängig davon liebäugelt Bremerhaven mit der Bark

Stralsund. Die „Gorch Fock“ (I) im Stralsunder Hafen ist seit dem 1. März ganz offiziell ein Denkmal. Dirk Handorf, Dezernatsleiter im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin, sagte gestern auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG: „Ja, das Schiff steht jetzt auf der Landesdenkmalliste.“

Damit ergeben sich aus Sicht des Eignervereins „Tallship Friends“ ganz neue Möglichkeiten für die traditionsreiche Bark, die seit fast 13 Jahren ihren Liegeplatz an der Ballastkiste im Stralsunder Hafen hat. Wulf Marquard, der wieder Vereinsvorsitzender ist: „Jetzt ist der Weg frei für eine öffentliche Förderung.“ Tatsächlich rechnet „Tallship Friends“ mit Geld von Bund und Land, das in den Wiederaufbau des Dreimasters fließen soll. Denn Marquard hält an seinen Plänen fest, das ehemalige Segelschulschiff der Reichs- (1933 bis 1935) und späteren Kriegsmarine (1935 bis 1945) wieder seetüchtig zu machen. „Ich habe meinen Leuten versprochen, wir gehen mit der ,Gorch Fock‘ segeln.“ Das sei technisch auch jetzt noch machbar. Er rechnet mit sechs bis sieben Millionen Euro, die dafür nötig sind.

Dieses Ziel gilt als einer von mehreres Streitpunkten, die zum Platzen der Verhandlungen zwischen „Tallship Friends“ und dem Stralsunder Rathaus geführt haben. Die Hansestadt will das Schiff kaufen und als Sehenswürdigkeit im Hafen erhalten. Das wäre nicht der Fall, wenn es über Monate auf hoher See ist. Ein weiterer Zankapfel ist der Kaufpreis: Die Stadt beruft sich auf den Schätzwert von 416000 Euro, der Verein will eine Million haben und fordert zudem, dass die jetzige vierköpfige Crew als Personal an Bord bleibt.

Trotz allem scheinen beide Seiten doch irgendwie an Gesprächen interessiert zu sein. Während Marquard davon spricht, dass die Tür für weitere Verhandlungen noch offen sei, teilte die Pressestelle der Hansestadt etwas geheimnisvoll mit: „Beide Parteien beschäftigen sich intensiv mit den Aufgabenstellungen, die durch die Forderungen von Dritten vorgegeben werden. So betrifft das den Denkmalschutz und das Haushaltssicherungskonzept.“

Äußerst kritisch sieht der Bund der Steuerzahler einen möglichen Kauf der „Gorch Fock“ durch die Stadt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Organisation in der aktuellen Ausgabe des ihres Wirtschaftsmagazins vor dem Hintergrund der geplatzten Kauf-Verhandlungen schreibt: „Damit bleibt für die Steuerzahler die Hoffnung, dass sie von einem teuren städtischen Engagement verschont bleiben.“ Nicht erwähnt wird, dass die Stralsunder Bürgerschaft betont hat, dass ein Kauf nur infrage kommt, wenn der laufende Betrieb kostenneutral realisiert werden kann. Das heißt, dass sich Einnahmen und Ausgaben die Waage halten. Dafür heißt es an anderer Stelle in dem Steuer-Magazin: „Hände weg von diesem Fass ohne Boden. Stralsund hat genügend Anziehungspunkte für Touristen und ist deshalb nicht auf das Schiff angewiesen.“

Damit werden vermutlich ungewollt Gerüchte über die Verlegung der „Gorch Fock“ in eine andere Stadt geschürt. Tatsächlich gibt es seit einigen Tagen neue Begehrlichkeiten. Und zwar in Bremerhaven.

Die dort erscheinende „Nordwest-Zeitung“ aus Oldenburg spekulierte am 9. April damit, das Schiff an die Weser zu holen. Und zwar als Ersatz für einen anderen Großsegler. Die „Seute Deern“, Baujahr 1919, ist total marode. Angst macht sich breit, dass die Bark der Stadt als Wahrzeichen verloren geht. Also braucht man ein neues. In dem Artikel heißt es dann wörtlich: „Im Gespräch ist die ,Gorch Fock‘ (I) aus Stralsund. Doch das ist alles Spekulation.“

Wulf Marquard lächelt über dieses neue Gerücht. „Es gibt für das Schiff keinen besseren Hafen als Stralsund“, sagt er. Die Frage, ob es Verhandlungen mit anderen Städten gebe, verneint er.

Relativiert dann aber und betont ausdrücklich: „Noch nicht!“

Von Jens-Peter Woldt

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