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Die Hüterin der Ortsgeschichte

Waase Die Hüterin der Ortsgeschichte

Die ehemalige Leherin Rita Hoff führt durch die Kirche und schreibt plattdeutsche Gedichte

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Wer etwas zur Waaser Geschichte und der der Insel Ummanz wissen will, bekommt von Rita Hoff Auskunft. Sie lebt mit ihrem Mann Wolfgang seit mittlerweile 42 Jahren in Waase.

Quelle: Fotos: Susanna Gilbert

Waase. Rita Hoff lässt den Blick gern in die Weite schweifen. „Hier siehst Du am Samstag, wer am Montag zu Besuch kommt“, sagt die 70-jährige Rentnerin schmunzelnd. Seit 42 Jahren lebt die ehemalige Lehrerin und gebürtige Rüganerin mit Mann Wolfgang in Waase. Geheiratet hat sie ihn vor 52 Jahren. Sieben Jahre hatte das junge Paar mit Sohn Thomas und Tochter Katrin im thüringischen Niedersachsenwerfen gelebt, doch dann „war das Heimweh zu groß geworden“, und die Familie kehrte 1972 zurück an die Ostsee.

Während Mann Wolfgang als Zimmerer arbeitete, war Rita Hoff fast 25 Jahre im Schuldienst tätig. Sie hat immer gern unterrichtet – zuerst in der Ummanzer Schule, die sie stellvertretend geleitet hatte, dann in Gingst. „Das war ein wunderbares Arbeiten mit den Schülern. Das war wie ein Familienbetrieb, denn jeder kannte jeden“, schwärmt sie heute noch. Als gläubiger Mensch – „Ich bin mit dem Nachtgebet aufgewachsen“ – ließ sie sich nach der Wende auch zur Religionslehrerin fortbilden. „Danach durfte ich den Kindern endlich beibringen, was auch zu unserer Kultur gehört.“

Zu DDR-Zeiten war sie überzeugt, dass „der Marxismus die einzige Möglichkeit ist, dass sich die Menschen vertragen“. Ihr Glaube an eine sozialistische Gesellschaft wurde allerdings 1986 erschüttert:

Sohn Thomas hatte nicht nur den Wehrdienst verweigert, sondern sich auch gewehrt, als „Spatensoldat“ zu arbeiten. Rita Hoff wurde in den „Kreml“, die SED-Kreisleitung, zitiert, bei der Stasi ins Kreuzverhör genommen. Sie wurde gedrängt, sich von dem Sohn zu trennen, denn „so ein Kind hatte man im Sozialismus nicht zu haben“.

Die Strafe folgte auf dem Fuße: Rita Hoff wurde nach Gingst versetzt, denn „entlassen konnten sie mich nicht“, wo sie nur noch als Springer unterrichten konnte und im Hort eingesetzt wurde. In eine Partei würde sie heute nicht mehr eintreten. „Ich bin geheilt.“ Als IM der Stasi angeworben zu werden, das habe sie vermeiden können, sagt sie. Doch sie habe sich ihre Stasi-Akte angesehen: „Ich weiß

genau, wer mich bespitzelt hat.“ Aber: „Mein Glaube hat mir geholfen, zu vergeben.“

Für Waase setzt sich die agile Rentnerin gern ein, zumal ihre Kinder nicht auf Rügen leben. Sohn Thomas wohnt in Radebeul, Tochter Katrin in der Nähe von Greifswald . Seit Jahrzehnten führt Rita Hoff Besucher durch die Dorfkirche und erzählt ihnen von der wechselhaften Geschichte des Altars. Außerdem ist die fünffache Großmutter Ortschronistin. Darüber hinaus lädt sie immer wieder zu plattdeutschen Lesungen, hat sogar selbst plattdeutsche Geschichten und Gedichte über „Uns lütt Ummanz“ verfasst.

Rita Hoff denkt gern an das Fest zu ihrem 70. Geburtstag zurück, denn man hatte ihr einen langgehegten Wunsch erfüllt: die Fahrt mit einem Bagger. Außerdem reist sie leidenschaftlich gern. Oft seien sie und ihre Kollegen nach Osteuropa gefahren, bis in die Tatra sei sie damals gekommen. Nach der Wende ist sie durch Frankreich gefahren, hat Schottland, Italien und Malta bereist. Als nächstes steht im Sommer eine Schifffahrt zum Nordkap an. Auf eines der riesigen Kreuzfahrtschiffe, für die resolute Rita Hoff sind es „Dreckschleudern“, würde sie keinen Fuß setzen: „Ich gehe doch nicht mit einer ganzen Stadt auf Reisen.“

Elektrisches Licht erst seit 63 Jahren

145 Einwohner zählt Waase und ist das größte Dorf auf Ummanz. Die Lage am Focker Strom hat vor 1200 Jahren einem slawischem Pionier namens Vars so gut gefallen, dass er sich niedergelassen und der Siedlung seinen Namen gegeben hat.

Bis ins 20. Jahrhundert konnten die Waaser Rügen nur mit Booten erreichen. 1901 wurde die erste aus Kiefernholz mit eingerammten Pfahljochen konstruierte Brücke in Betrieb genommen. Sie konnte nur Fuhrwerk oder Auto tragen. Güter wurden weiter auf dem Wasser transportiert. 1953 bekam die Insel elektrisches Licht. 1954 wurde eine Brücke aus Beton freigegeben. Die „alte Tante“, wie sie genannt wurde, hatte ausgedient.

Susanna Gilbert

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