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Rügen Die kleinen „Schlaumeier“
Vorpommern Rügen Die kleinen „Schlaumeier“
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00:00 23.06.2017

„Ich kenne hier jeden Grashalm“, sagt Kerstin Lorenz und blickt über die Bubkevitzer Felder. „Dort, an der Bushaltestelle“, sie zeigt in die Richtung, „da war unser Jugendtreff.“

Wir sitzen in einem Raum des Naturkindergartens „Schlaumeier“, der früher einmal als Klassenzimmer der alten Bubkevitzer Schule diente. Vor dem Fenster toben 30 Vorschulkinder durch den weitläufigen Garten. Ihr fröhliches Geplapper dringt gedämpft durch die Fenster. „Seit 33 Jahren mache ich das schon“, sagt die Kindergärtnerin aus Leidenschaft. 1984 hat Kerstin Lorenz im Bubkevitzer Kindergarten angefangen, in jenem Dorf, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Seit acht Jahren leitet sie die Einrichtung, in der es zugeht wie in einer großen Familie: Tochter Anja ist für die Krippenkinder zuständig. Kerstins Mutti hilft regelmäßig aus. Und heute, Kerstin lächelt, „betreue ich schon die Kinder der ehemaligen Kinder.“

Auch wenn die 53-Jährige im Einzelhandel gelernt hat, ihr Traumberuf war schon immer Erzieherin. „Das ist meine Berufung.“ Und so kümmert sie sich mit fünf Kolleginnen erstaunlich entspannt von 6.30 bis 17 Uhr um das Wohl ihrer Rasselbande, von denen einige sogar von Ummanz und Bergen täglich hierher gebracht werden. Der Naturkindergarten ist beliebt, die Nachfrage ist groß, die Kapazität ist ausgeschöpft.

„Wir brauchen kein teures Spielzeug“, erläutert Kerstin Lorenz das Konzept, „sondern wir nutzen das, was wir haben.“ Die Mädchen und Jungen sind viel im Freien, auch bei Regen, sie matschen im nassen Sand, klettern und experimentieren mit dem, was die Natur zu bieten hat. Auch Kutschenfahrten, Boddenfahrten nach Groß Banzelvitz oder ein Besuch auf dem Bauernhof Harder im Dorf lassen die Kinderaugen leuchten. „Viele möchten abends gar nicht mehr nach Hause“ – für Kerstin Lorenz ist das die schönste Bestätigung ihrer Arbeit.

Eigentlich hätte der Kindergarten vor zehn Jahren seine Tore schließen sollen, weil die Gemeinde Rappin ihn nicht mehr finanzieren konnte. Doch das hat nur die Tatkraft der agilen Frau und einiger Mitstreiter geweckt. Mit zwölf Gründungsmitgliedern startete der „Natur- und sportverbundene Verein für Kinder, Jugendliche und Senioren“. Seitdem trägt der Verein, dem heute mehr als 30 Mitglieder angehören, nicht nur den Kindergarten, sondern er veranstaltet auch gesellige Treffen für Alt-Bubkevitzer aus nah und fern. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich die Senioren über das Wiedersehen freuen.“ Am 21. Juli feiert der Verein sein zehnjähriges Jubiläum mit einem bunten Programm.

Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs ist die gute Zusammenarbeit mit den Eltern. Gern erinnert sich Kerstin Lorenz an den zeitweiligen Umzug des Kindergartens in ein Provisorium in Gingst. „Mit den Eltern haben wir ganz schnell die Räume in Bubkevitz renoviert und nur einen Tag gebraucht, um mit Sack und Pack wieder einzuziehen.“ Am nächsten Tag hatten alle zusammen die Einweihung gefeiert.

„Wir waren richtig stark.“

Der Kinderlärm wird lauter, die Kleinen strömen zum Mittagessen in das Haus zurück. Kerstin Lorenz zieht noch schnell einige der dicken Mappen aus dem Regal, in dem sie fast täglich aufschreibt, was sie zusammen erlebt haben. Regelmäßig kommen auch Fotos als Illustrationen hinzu. Und am Ende seiner Kindergartenzeit bekommt jeder „Schlaumeier“ ein Portfolio mit Bildern, Texten und Gegenständen als Erinnerung mit auf den Lebensweg.

S. Gilbert

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