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Die stillen Stützen der Gemeinschaft

Sellin Die stillen Stützen der Gemeinschaft

Empfang zum ersten Ehrenamtstag in Sellin / Klaus Porthun wurde zum 80. Geburtstag der Ehrenbürger-Titel verliehen

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Bürgermeister Reinhard Liedtke begrüßt Wehrführer Karsten Steinwedel, Stellvertreter Ivo Kleist sowie Tobias Tietze von der Freiwilligen Feuerwehr Sellin (v.r.n.l.). FOTOS (5): GERIT HEROLD

Sellin. „Ohne Ehrenamt geht gar nichts mehr.“ Wenn auch etwas drastisch, aber durchaus berechtigt formulierte Bürgermeister Reinhard Liedtke seine Würdigung für die Menschen, die sich in Sellin, aber auch anderswo in ihrer Freizeit und unentgeltlich für andere und zum Wohl der Gemeinde einsetzten. Zum Tag des Ehrenamtes hatte die Kommune erstmals zu einem Empfang auf der Seebrücke eingeladen, um einmal „Danke“ zu sagen und miteinander ins Gespräch zu kommen. „Bei den Einladungen haben wir festgestellt, dass es doch sehr viel Ehrenamt in Sellin gibt“, freute sich das Gemeindeoberhaupt.

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Empfang zum ersten Ehrenamtstag in Sellin / Klaus Porthun wurde zum 80. Geburtstag der Ehrenbürger-Titel verliehen

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Einen solchen „Ehrenamtstag“im feierlichen Rahmen einzuführen, hatte die Gemeindevertretung vor einigen Monaten beschlossen. Rund 40 Vertreter von verschiedenen Vereinen und Einrichtungen von A wie Angelsportverein „Möve“ bis V wie Volkschor und Volkssolidarität sowie Gemeindevertreter waren auf das Selliner Wahrzeichen gekommen – etliche von ihnen sind sogar in mehreren Vereinen aktiv. „Das ist nur die Vereinsspitze, dahinter stehen ja noch viel mehr Leute“, betonte Liedtke.

Allen voran die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr, von denen eine vierköpfige Abordnung um Wehrführer Karsten Steinwedel erschien. In diesem Jahr mussten die Brandschützer schon 66 Mal zum Einsatz ausrücken, letztmalig am 4. Dezember. Zudem unterstützt die Wehr auch Veranstaltungen im Ort wie Osterfeuer, Martinsfest oder Weihnachtsbaumverbrennen mit Tannenbaumweitwurf.

„Ich finde, die Feier ist sehr schön. Sie ist eine Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit und ruft jedem ins Gedächtnis, dass diese nicht selbstverständlich ist. Die Gemeinde lebt davon“, meinte Sylvi Gruner, Leiterin des Kinder-, Jugend- und Freizeitzentrums der Gemeinde Sellin.

„Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut“, erklärte Bärbel Fritsche, die zwölf Jahre lang mit ihrer Bücherkiste in den Kindergärten von Göhren, Baabe und Sellin unterwegs war, um den Lütten vorzulesen. „Das habe ich bis zu meinem 80. Lebensjahr gemacht mit großer Freude“, erzählt die frühere Erzieherin. „Die Kinder haben immer gefragt, wann ich wiederkomme“, schmunzelte die 83-Jährige.

Einige hätten auch nach der Kindergartenzeit den Kontakt gepflegt. So auch Antje Beilfuß, die seit Jahren im Gemeinderat sitzt und den Sozialausschuss leitet. „Wir sind immer zu ihrem Geburtstag gegangen zum Gratulieren.“

Der Einladung gefolgt war auch die frühere Gemeindesozialarbeiterin des Amtsbereiches Christiane Dittberner. „Sie hat jahrelang unsere schweren sozialen Fälle betreut und kümmert sich immer noch“, zog Bürgermeister Liedtke verbal den Hut. Dass es auch im schmucken Ostseebad Menschen mit Geldnöten, Alkohol- und Drogenproblemen und Gewalterfahrungen gibt, hat die 65-jährige Zirkowerin intensiv erlebt. Aber auch die große Dankbarkeit von Menschen, die Hilfe brauchen.

Diese Erfahrung haben auch Jorana und Wolfgang Payer gemacht. Das Ehepaar hat sich sofort bereit erklärt zu helfen, als 2015 die ersten Flüchtlinge in den Ort kamen. „Wir wollten, dass die Menschen Fuß fassen“, erinnerte sich Wolfgang Payer. Und auch daran, wie sie den Ankömmlingen zusammen mit Anna-Elisabeth und Joachim Gottschalk die ersten deutschen Wörter beibrachten. Er habe aber auch sehr viel gelernt, meinte der 72-Jährige. Inzwischen leben nur noch wenige Flüchtlinge im Ostseebad. Die Payers kümmern sich um eine syrische Familie, mit der sie freundschaftlich eng verbunden sind. „Wir helfen bei Behördengängen, bei der Jobvermittlung und bei Angelegenheiten der Kinder in der Kita und Schule“, erklärte Jorana Payer (64), die Lehrerin an der Schule in Göhren ist.

Unter den geladenen Gästen war auch Dr. Klaus Porthun. Wegen seiner Verdienste für die Gemeinde wurde ihm zum 80. Geburtstag das „Ehrenbürgerrecht“ verliehen. „Das hat mich sehr gefreut“, sagte der frühere Zahnarzt, der jahrelang im Gemeinderat saß und Vorsitzender des Sozialausschusses und des Aufsichtsrates der Kommunalen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft sowie Gründungsmitglied im Amtsausschuss war. Als Rentner rief er den Förderverein des Museums mit ins Leben. Klaus Porthun ist Sellins zweiter Ehrenbürger, der erste war der Fotograf Hans Knospe.

Gerit Herold

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