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Rügen Die wilden Summer machen sich rar
Vorpommern Rügen Die wilden Summer machen sich rar
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00:00 06.02.2018
Ein mit einem Bienenschleier geschützter Imker betrachtet eine mit Honig gefüllte Wabe. Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa

Etwa ein Kilo Honig verdrücken deutsche Leckermäuler pro Jahr. Dafür müssen Bienen eine Weile von Blüte zu Blüte fliegen. Denn aus drei Kilogramm Nektar wird am Ende ein Kilo Honig. Nach Zahlen der Kreisverwaltung lassen derzeit im Landkreis Vorpommern-Rügen 513 Imker ihre Bienen ausschwärmen, um ihren Teil zur Bedarfsdeckung beizutragen. Doch es geht den Imkern nicht allein um den Honig. Das machte jetzt Torsten Ellmann, Vorsitzender des Landesimkerverbandes MV, im Umweltausschuss des Kreistages deutlich. Dessen Mitglieder wollten sich zur Frage informieren: Wie geht es den Bienen? Die Antwort darauf fällt ambivalent aus.

„Immer mehr rückt für uns der Schutz der Wildbienen in den Mittelpunkt unserer Arbeit“, sagte Ellmann. 80 Prozent aller Blühpflanzen werden zwar durch Honigbienen bestäubt, der nicht unerhebliche Rest allerdings durch ihre wilde Verwandtschaft. Dazu kommt: Während die Honigbienen nur ihre Beute – so nennen die Fachleute die Behausungen der Bienen – als Nistplatz brauchen, sind die Wildbienen deutlich anspruchsvoller. Natürliche Nistplätze in Baumhöhlen sind für sie ebenso selten geworden wie offene Landschaften für Arten, die im Boden nisten.

„Es fehlt vor allem an Blüh- und Brachflächen, die oft genug englischem Rasen Platz gemacht haben“, konstatierte Ellmann. Erst diese sorgen für eine Vielfalt an Pollen, die für viele Bienenarten interessant sind. Doch landwirtschaftliche Monokulturen schränken das Angebot ein. Pflanzenschutzmittel tragen nicht zuletzt zum Insektensterben bei.

Erst im Oktober letzten Jahres war bekannt geworden, dass selbst in den Naturschutzgebieten Deutschlands 76 Prozent aller Insekten verschwunden sind. Ein Rückgang, der natürlich auch an den wilden Bienen nicht spurlos vorbeigeht.

„Ihre Chancen stehen schlechter als die der Honigbienen“, erklärte Dr. Leonore Lange, Fachdienstleiterin Veterinärwesen der Kreisverwaltung. Während ein Imker Verluste seiner Bienenvölker immer wieder ausgleichen kann, haben Wildbienen diese Chance nicht. Da es laut Kreisveterinärin mehr als nur eine mögliche Ursache dafür gibt, ist die Lösung des Problems schwierig, da alle Beteiligten dann gerne aufeinanderzeigen. „Große Chemie-Konzerne verweisen etwa gerne auf Gutachten, die nachweisen, dass ihre Produkte nicht schuld am Dilemma sein können“, so Leonore Lange.

Torsten Ellmann plädiert deshalb dafür, vor Ort nach Lösungen zu suchen. „Wir brauchen etwa wieder mehr Strukturelemente in der Landschaft als Rückzugsorte für Insekten“, betonte er. So ließen sich etwa ungenutzte versiegelte Flächen aufbrechen, nicht alle Rasenflächen müssten im Wochenrhythmus gemäht werden. damit die Bienen auch mal an den Klee kommen, auch mehr Blühstreifen entlang der Feldränder trügen zu mehr Vielfalt bei. Die Imker sind dazu nach Aussagen ihres Landesverbandschefs mit den Landwirten regelmäßig im Gespräch.

Einen intensiven Dialog zwischen beiden bestätigte Christian Ehlers vom Bauernverband für den Altkreis Nordvorpommern. „Es ist wichtig, wenn die Imker wissen, wo der nächste Landwirt seinen Acker bewirtschaftet und umgekehrt“, erklärte Ehlers. Gemeinsam lassen sich auch solche Fragen klären, dass etwa Pflanzenschutzmittel nachts ausgebracht werden, um Bienen zu schützen, die dann nicht fliegen. Ehlers verwies auch auf Fördermittel für das so genannte Greening. Hinter dem Begriff verbirgt sich der Erhalt von Dauergrünlandflächen wie Wiesen und Weiden, eine größere Vielfalt beim Anbau von Feldfrüchten sowie die Bereitstellung von sogenannten ökologischen Vorrangflächen auf Ackerland. Ein weiterer Schritt in Richtung auf Bienen- und Insektenschutz. Die Kreisverwaltung geht da übrigens auch mit gutem Beispiel voran. Wie der Ausschuss erfuhr, wird jetzt hinter dem Landratsamt in Stralsund eine 600 Quadratmeter große Fläche zu einer Blühwiese umfunktioniert.

30000 Tonnen Honig aus Deutschland

Die Geschichte der Imkerei ist eng mit der Geschichte der Menschheit verbunden. Seit Jahrtausenden werden Bienen wegen ihrer Produkte wie Wachs und Honig vom Menschen genutzt und gehalten.

In den letzten 200 Jahren verlor die Imkerei stark an wirtschaftlicher Bedeutung. Seit der Entdeckung des Rüben-Zuckers Anfang des 18. Jahrhunderts war Bienenhonig nicht mehr die einzige Süßquelle.

Die industrielle Produktion von Kunstwachsen im großen Stil machte im 20. Jahrhundert das Bienenwachs entbehrlich.

Die Honigbienen sichern den Bestand von immerhin etwa 80000 verschiedenen Blühpflanzen in Europa. In der Europäischen Union gibt es insgesamt etwa acht Millionen Bienenvölker.

Zu einem Volk gehören etwa 50000 bis 70000 Bienen.

Um ein normales Honigglas zu füllen, müssen Bienen ungefähr 120000 Kilometer fliegen. Die Strecke entspricht einer dreimaligen Umrundung des Äquators.

Deutsche Imker produzierten 2017 knapp 30000 Tonnen Honig. damit lässt sich der heimische Bedarf nur zu etwa 20 Prozent decken.

Importe – etwa aus Mexiko oder China – helfen, deutsche Süßmäuler zufriedenzustellen.

Jörg Mattern

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