Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Ein Bündnis für das ganze Leben

Altefähr Ein Bündnis für das ganze Leben

Ilse und Georg Hoyer aus Altefähr haben ihre Gnadenhochzeit gefeiert, seit 70 Jahren sind sie verheiratet

Voriger Artikel
Noch mehr Sperrungen: Schilder-Wirrwar auf Rügen geht weiter
Nächster Artikel
Nach Tumor-OP: Vincent (10) erholt sich auf Rügen

Ilse und Georg Hoyer in ihrer Wohnung in Altefähr. Seit 1964 leben die beiden auf der Insel Rügen.

Quelle: Anne Ziebarth

Altefähr. Vor wenigen Tagen feierten Ilse und Georg Hoyer aus Altefähr ein Jubiläum, das es nur sehr selten gibt: den 70. Hochzeitstag, die sogenannte Gnadenhochzeit. Eigentlich kennen sich Ilse und Georg Hoyer (91) bereits viel länger als 70 Jahre. „Wir sind zusammen in die Grundschule in Erfurt gegangen“, sagt Ilse. Die 91-Jährige lächelt schelmisch. „Ab und zu hab ich ihn auch etwas veralbert.“ Das hat ihr „Schorsch“ aber offenbar nicht übel genommen, denn fortan verliefen ihre Wege zusammen. Georg war in der Schulzeit mit den Brüdern von Ilse befreundet und so war er „einfach immer da“, wie sich Ilse Hoyer heute erinnert. „So hat sich das dann ergeben.“

OZ-Bild

Ilse und Georg Hoyer aus Altefähr haben ihre Gnadenhochzeit gefeiert, seit 70 Jahren sind sie verheiratet

Zur Bildergalerie

Als die Kinder 1939 aus der Schule kamen, begann der Krieg. „Georg machte eine Schlosserlehre“, erzählt Ilse Hoyer. „Ich durfte meine Lehrstelle als Textilverkäuferin zunächst nicht antreten, musste für ein Jahr zum Arbeiten aufs Land. Eine harte Zeit.“ Später wurde die junge Frau zur Arbeit in einer Erfurter Flugzeugfabrik verpflichtet, der Mann zur Marine eingezogen. Unzählige Briefe gingen hin und her. „Uns war ja klar, dass es etwas Ernstes mit uns ist“, sagt sie. 1946 wurde schließlich geheiratet. Mit dem Spruch von den gebrauchten Sachen, die bei der Hochzeit Glück bringen, hätten die beiden es sehr wörtlich genommen, berichtet Ilse Hoyer. „Das Kostüm war geborgt, der Anzug auch“. 1949 wurde dann ihr Sohn geboren, 1964 kehrte das Paar Erfurt aus gesundheitlichen Gründen den Rücken, zog zunächst nach Stralsund, später dann auf die Insel Rügen. „Zuerst hatten wir nur unseren Schrebergarten hier in Altefähr und haben in Stralsund gewohnt“, erzählt Ilse Hoyer. „Meistens zumindest. Im Sommer waren wir mehr im Garten als Zuhause. Wir sind nämlich beide mit Gartenerde aufgewachsen. Ein Garten gehört für uns dazu.“ Die Aufgabenteilung war klassisch: Blumen waren Ilses Spezialität, Obst und Gemüse das Einsatzgebiet von Schorsch, der 25 Jahre bei der Volkswerft in Stralsund arbeitete, während Ilse zeitweilig als Verkäuferin tätig war. „Das war damals so meine Vorstellung. Der Mann arbeitet, die Frau ist zuhaus“, blickt Georg Hoyer nachdenklich zurück. „Ganz schön konservativ.“

Großes Hobby der beiden neben dem Gärtnern war immer das Fahren. Ob mit dem Auto, zunächst aber mit dem Motorrad mit Beiwagen, Hoyers zog es auf die Straße. Oft ging es zu den Eltern nach Erfurt.

„Das war schon eine ganz schöne Strecke runter nach Thüringen“, erinnert sich Georg Hoyer. „Ilse saß im Beiwagen, das Gepäck kam auf den Gepäckträger und dann ging es los!“ So stolz beide Hoyers auch auf ihr Mobil waren – die Fahrten waren nur etwas für harte Naturen. „In Greifswald war ich meistens schon komplett durchgefroren“, lacht Ilse Hoyer. „Manchmal haben wir ja sogar auch einen Eimer Aal für die Eltern mitgenommen, der stand dann ganz vorne in der Spitze des Beiwagens.“

Wesentlich komfortabler wurde es ab den 1970er Jahren. „Damals haben wir unseren Skoda im Lotto gewonnen!“, erzählt Ilse Hoyer. Am Steuer saß Georg Hoyer. „Ich bin wirklich gern gefahren.

Und auch gut“, sagt er. „Verkehrsknotenpunkte wie das Frankfurter Kreuz konnten mich nicht schrecken.“ Ilse auf dem Beifahrersitz war für die Route verantwortlich. Sie hatte den Atlas auf dem Schoß

und fuhr die Strecke auf der Karte mit einem winzigen Spielzeugauto ab. „Mit rechts und links habe ich es nicht so“, lächelt sie. „Aber mit dem kleinen Auto hat die Orientierung ganz wunderbar funktioniert.“ Schade, dass das Fahren nicht mehr geht, sagen die beiden einhellig. Zwar haben sie in Nachbarn Dieter Exter einen echten Schatz, der insbesondere Ilse mit neu erschienenen Büchern und Kreuzworträtseln versorgt, aber viel aus dem Haus kommen würden sie nicht mehr . Die Bücher, vor allem historische Romane, aber verschlingt Ilse Hoyer, liest oft bis spät in die Nacht. „Wenn ich nachts um zwei aufwache und mich umdrehe, ist Ilse oft noch beim Lesen“, erzählt Georg und lächelt. „Das kenne ich schon.“

Natürlich will man von einem Ehepaar, das so lange verheiratet ist, auch das Geheimnis einer glücklichen Ehe wissen. „Vertrauen und Verzeihen“, meinen beide. „Nicht nachtragend sein“. Und einen Rat hat die 91-jährige Ilse auch noch an junge Paare. „Seid dankbar und zufrieden, dann werdet ihr glücklich“, sagt sie. „Und lebt nicht über eure Verhältnisse. Wir haben nie auf Kredit gekauft und hatten nie Probleme.“

Ehejubiläen

Für Ehejubiläen gibt es traditionelle Bezeichnungen, los geht es mit der Grünen Hochzeit, die die Trauung selbst bezeichnet.

1 Jahr lang Verheiratete feiern Baumwollhochzeit, bei fünf Jahren ist es die Holzhochzeit. Bei zehn Jahren gibt es die Rosenhochzeit.

25 Ehejahre sind bekannt als Silberne Hochzeit. Wer es doppelt so lange miteinander aushält, kann den Ehrentag der Goldenen Hochzeit feiern.

60. Jahrestag der Eheschließung bedeuten die Diamantene Hochzeit. Unter dem Begriff Eiserne Hochzeit ist das 65. Ehejubiläum bekannt.

7 Jahrzehnte (Gnadenhochzeit) Ehe sind eine Seltenheit. 75 Jahre lang verheiratete Ehepaare feiern die Kronjuwelenhochzeit.

Anne Ziebarth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Sassnitz
Es wäre schön, wenn auch andere Unternehmer mitmachen würden und wir ein Netzwerk aufbauen könnten.“Christine Zillmer

Friseurin Katrin Wiedorn hilft Familien in Geldnot in Sassnitz und übernimmt nicht nur Patenschaft für Kopfchic

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rügen
Verlagshaus Rügen

Markt 25
18528 Bergen auf Rügen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9.00 bis 12.30 Uhr und von 13.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Jens-Uwe Berndt
Telefon: 0 38 38 / 20 14 53
E-Mail: ruegen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.