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Rügen Ein Gaukler im Reich der Worte
Vorpommern Rügen Ein Gaukler im Reich der Worte
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00:40 11.06.2016

Wann hat er, der heute vor siebzig Jahren im erzgebirgischen Lichtenstein geborene Richard Pietraß, eigentlich zuletzt auf Rügen gelesen? Die Lesung liegt tatsächlich schon wieder Jahre zurück. Wie die Zeit doch unbemerkt dahineilt und mit ihr das Leben, das wir so gesehen immer weniger festmachen können am unverwechselbar Besonderen!

Das Besondere, wird es nicht immer mehr inflationär überzeichnet durch Sturzfluten des Banalen, die Alles und Jeden erreichen und vor denen man sich kaum noch erwehren, retten kann? Vor vier Jahren, am 5. Mai 2012, las der Dichter und bedeutende Nachdichter, das Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und Träger wichtiger Literaturpreise in der Orangerie Putbus aus seinem Buch „Pariser Lust“, das im Jahre 2011 im Verlag Ulrich Keicher erschien.

Der in Dresden lebende Autor und Literaturkritiker Michael Wüstefeld wurde, ich kann es einer Tagebuchnotiz entnehmen, Pietraß betreffend so zitiert: Der Dichter erweist sich „als Flaneur, Genießer und Liebender, als ein poetischer Stadtbummler par excellence. Mit allen Sinnen fasst er nach dem Unfassbaren, nach Fundstücken, die in der Luft und in den Parks, auf Straßen, Plätzen und Tellern oder im Bett liegen. Gedichtperlen streut Richard Pietraß lustvoll aus, die niemals länger als acht Zeilen sind, die aber auch nie den Eindruck erwecken, es würde in ihnen etwas zu kurz kommen, und die nicht zum touristischen Nummernprogramm verkommen. Was den Leser mit dieser ,Pariser Lust’ anweht, ist eine Melange aus Melancholie, Pathos und kindhaftem Übermut. Da wird gemaunzt und geraunzt, geschnurrt und gegurrt, es bamseln Amseln im Gebüsch und zum ,Liebesmahl’ gibt es Ochsenbäckchen in Schwanzbouillon, Stein-Pilzpimmel von gepfefferter Karte.“

Ich erinnere mich nicht, wer da vor den weißen Wänden der Landkreisgalerie errötete, erinnere aber einen vergnüglichen, sehr erkenntnisreichen Sonnabendnachmittag mit langem Nachhall. Richard hatte seine Muse Gabriele mit, die „Mundfranzösin“, die „Hüterin und Hökerin des Freudenfeuers“, die ihn, den „Gaukler“ im Reich der Worte, von der Leine ließ, zu dieser Dichtung trieb.

Möge er mindestens(!) ein weiteres Lebensjahrzehnt getrieben sein von Wechselbädern der auf- und anregenden Fülle, einer entspannten Leere, die, wenigstens dort, Spuren leuchtender Momente in Büchern hinterlässt, rare Lese- und Lebensfreude schenkt! ARTus

OZ

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