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Rügen Projekt Schwimmhalle erntet Zuspruch
Vorpommern Rügen Projekt Schwimmhalle erntet Zuspruch
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19:20 09.01.2019
So könnte es im Inneren einer möglichen Schwimmhalle in Bergen aussehen. Quelle: Geising & Böker
Bergen

Der Grundtenor ist klar: Die Mehrheit in Bergen will eine Schwimmhalle. Zumindest entstand dieser Eindruck auf der Einwohnerversammlung am Dienstagabend, auf der die Stadtverwaltung und das Architektenbüro Geising & Böker aus Hamburg das Projekt vorstellten. Man sei in der Konzeptionsphase hieß es, was Unverbindlichkeit signalisieren sollte. Der Umfang der Referenzen der Architekten – 50 Bäderprojekte in ganz Deutschland wurden schon realisiert – war opulent, zündete bei den rund 80 Gästen in der Schule am Grünen Berg aber kaum. Als jedoch das mögliche Schwimmbad visualisiert, Lageplan und Ausstattung erläutert wurden, stieg das Interesse. Bewegung kam in den Saal, als Baukosten von 9,1 Millionen Euro netto und jährliche Zuschüsse von 600 000 Euro zur Sprache kamen. Die Idee: 300 000 kommen von der Stadt, 300 000 von der Bergener Wohnungsgesellschaft (BeWo). Kalkuliert wurde mit 40 000 Besuchern im Jahr – touristische Nutzung unberücksichtigt. Preise: Tageskarte Erwachsene 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

Zahlen unterster Level

Kritische Stimmen wurden laut. Ex-SPD-Landtagsabgeordnete Angelika Peters verwies auf die Haushaltslage. „Laut Etat-Vorwort gibt es keinen finanziellen Spielraum mehr“, gab sie zu bedenken. „Und ausgeglichen wurde der aktuelle Haushalt nur durch Griff in die Rücklage.“ Auch bezweifelte sie, dass die BeWo jedes Jahr soviel Überschuss erwirtschaften könne, um den Zuschuss zu tragen. Bauamtsleiter Rainer Starke verwies darauf, dass sämtliche Zahlen am untersten Level angesetzt worden seien. „Wir haben mehrere Nutzungssäulen: Schulen, Vereine, Gesundheitsbranche und Freizeit.“ Da stecke weitaus mehr Potenzial drin, als bisher berücksichtigt.

Kosten für die Schwimmhalle

Die Netto-Kosten für den Bau der Sportschwimmhalle sollen bei 9,1 Millionen Euro liegen. Wird das Projekt durch die Stadtvertreter auf die Prioritätenliste des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes gesetzt, winkt der Stadt eine 5-Millionen-Euro-Förderung. 2,5 Millionen Euro würde die Stadt aufbringen, 1,5 Millionen Euro sollen mit einer Kreditaufnahme finanziert werden. Dabei bietet das Land laut Bürgermeisterin Anja Ratzke einen enorm niedrigen Zinssatz.

Kämmerer Jörg Remane nannte einen jährlichen Haushaltsüberschuss von durchschnittlich 320 000 Euro, womit die Stadt ihrer Zuschussverpflichtung nachkommen könnte. Bürgermeisterin Anja Ratzke nannte Zahlen aus der BeWo, die derzeit zwar nicht 300 000 Euro pro Jahr decken würden, bei Verwendung des Geldes für die Schwimmhalle spare die Gesellschaft allerdings Steuern, weshalb die veranschlagte Summe erwirtschaftet werden könnte. Für einen ersten Beifallssturm im Saal sorgte CDU-Stadtvertreter Axel Thiede, als er in seiner Funktion als DLRG-Vize und Lehrer sagte: „Wir benötigen das Schwimmbad.“ Er vergaß aber nicht zu erwähnen, dass er sich als Kommunalpolitiker sorge, ob die Betreibung auf Dauer finanzierbar sei.

Keine Kürzungen

Sorge treibt auch CDU-Stadtvertreter Oliver Gurk um. Die Volksvertreter sollten verantwortungsbewusst entscheiden, betonte er und verlangte von Anja Ratzke eine Versprechen: „Versichern Sie uns, dass die freiwilligen Ausgaben nicht schmaler werden, dass Vereine wie die Feuerwehr, die AWO usw. weiterhin ihre Zuschüsse bekommen.“ Anja Ratzke rückte zurecht: „Die Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Kommune und hat mit der Finanzierung des Schwimmbades überhaupt nichts zu tun. Und Kürzungen für Vereine sind nicht vorgesehen.“

Angelika Peters packte noch einen weiteren Aspekt aus, der ihr die derzeitige Debatte um das Schwimmbad suspekt erscheinen ließ. „Wir hatten 2000 schon einmal die gleiche Diskussion, damals waren Wahlen“, sagte sie. „Jetzt stehen wieder Wahlen an, das finde ich auffällig. Außerdem wurde damals bereits ein Gutachten erstellt mit ähnlichen Zahlen, warum wurde das nicht verwendet und aktualisiert.“ Die Einwände konterte Rainer Starke: „Alle Verwaltungsmitarbeiter, die hier im Präsidium sitzen, wollen und brauchen nicht gewählt werden. Und das Gutachten von damals hat ein Unternehmen erarbeitet, das dann auf der anderen Straßenseite einen Discounter gebaut hat. So ein Gutachten werde ich niemals fortschreiben.“

Bürgerentscheid bindend

SPD-Volksvertreterin Monika Quade sah ich gemüßigt, den für Mai geplanten Bürgerentscheid zur Schimmhalle als für die Stadtvertretung nicht bindend zu deklarieren. Dem widersprach Ratzke: „Ein Bürgerentscheid ist bindend und einem Stadtvertreterbeschluss gleichzusetzen.“ Auch behauptete Quade, von all den auf der Einwohnerversammlung vorgestellten Dingen noch nie etwas gehört zu haben. Dem widersprach Starke: „Wenn Sie den Leuten so etwas suggerieren wollen, sagen Sie nicht die Wahrheit. Wir haben Ende 2017 das Modell mit Betriebskosten usw. in den Stadtvertretern eingehend vorgestellt.“

Schwimmlehrer Jörg Wienburg, die Bergenerin Britta Schnürer oder die Mutter von Goldschmied Frank Neitmann brachen eine Lanze für die Halle. Sie sei notwendig, vor allem auch, damit Rügens Kinder in die Lage versetzt würden, endlich angemessen schwimmen zu lernen. Denn bisher sei das auf der Insel nicht ohne Weiteres möglich. Über Einwände anwesender Stadtvertreter wurde sich empört.

Jens-Uwe Berndt

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