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Rügen Endstation Kamminer Fähre
Vorpommern Rügen Endstation Kamminer Fähre
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00:01 07.10.2016
Idylle pur: Der alte Kamminer Fährhafen heute. Er wurde einst von einem Reeder ausgebaut. Quelle: Fotos: Susanna Gilbert

„Ist der Wind nicht günstig, so fahre man mit dem Wagen eine halbe Meile weiter nach dem Dorfe Kammin, wo eine Fähre bis zu dem Dorfe Vieregge ist, auf welcher man, in einem Ruderboote, binnen einer Viertelstunde hinüber kömmt“, empfahl der Pfarrer Adolf Friedrich Furchau anno 1830.

Die Verbindung nach Vieregge wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt

Die Verbindung der Halbinsel Wittow mit dem Muttland gab es wohl schon seit dem 12. Jahrhundert, denn 1159 sollen Rügener Soldaten dort nach Wittow übergesetzt sein, um den plündernden Dänen Einhalt zu gebieten. Doch war die Fähre – ein paar hundert Meter vom Ort Kammin entfernt – später nie für größere Personengruppen oder höhere Lasten geeignet.

Benutzt wurden Segelboote, die allenfalls eine Kuh und eine Begleitperson transportieren konnten. Wegen geringer Einnahmen und der Konkurrenz der wesentlich leistungsfähigeren Wittower Fähre verzichtete das die Fährrechte besitzende Stralsunder Kloster Sankt Annen und Brigitten schließlich bereits im Jahre 1876 auf die Fährgerechtigkeit.

Von 1863 bis 1890 wohnte der Reeder Joachim Radvan im Camminer Fährhaus. Ihm gehörte der Raddampfer „Hertha“, der auf der Route zwischen Breege und Stralsund unterwegs war. Radvan war auch für den Fährbetrieb zwischen Kammin und Vieregge zuständig. Er ließ den kleinen Hafen der Kamminer Fähre ausbauen, so dass sein Dampfer und andere Schiffe nun auch hier anlegen konnten. Ihm ging es wirtschaftlich so gut, dass er für seine Kinder eine Privatlehrerin einstellen konnte.

Doch mit dem Bau der Kleinbahn ging es endgültig bergab mit dem Fährbetrieb. Vom 1. Oktober 1913 bis zum 1. Oktober 1914 waren noch 1106 Personen befördert worden, 1915 aber nur noch 396. Einen festen Fahrplan gab es nicht. Die Überfahrt erfolgte jeweils nach Bedarf. Dazu wurde ein Korb an einer Stange hochgezogen.

Auch von einem tragischen Unglück wurde die Geschichte der kleinen Fähre überschattet: Im Jahre 1939 kenterte ein Boot beim Holztransport von Vieregge nach Kammin. Der Fährmann Alfred Diedrich und sein Helfer Erich Sievert ertranken.

Der Fährbetrieb wurde dann zum Ende des Zweiten Weltkrieges vollends eingestellt. Doch auch heute noch nehmen Ortsunkundige den beschwerlichen Weg durch Schotter und Schlaglöcher in Kauf, um zur Fähre zu gelangen – nicht wissend, dass das Straßenschild zur „Kamminer Fähre“ nicht auf eine Bootsverbindung, sondern auf das alte stattliche, zu Ferienwohnungen umgewidmete Fährhaus weist.

Einst von Slawen bewohnt

57 Einwohner leben derzeit im Breeger Ortsteil Schmantevitz-Kammin. „Dort wohnen die Reichen“, weiß ein alteingesessener Rüganer zu berichten.

Kammin bedeutet im Altslawischen „Stein“, und so ist zu vermuten, dass das idyllische Fleckchen Erde schon vor 1200 Jahren von Slawen bewohnt war. Im 17. Jahrhundert taucht Cammin als eine Siedlung auf, die von einigen Einwohnern des durch das Rittergut Schmantevitz gelegten Ortes Lusitz gegründet worden ist. Später gehörte der Ort zum Gut Schmantevitz, und die Häuser dienten als Gutskaten.

Susanna Gilbert

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