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Rügen Enricos letzte Ruhestätte soll auf Rügen sein
Vorpommern Rügen Enricos letzte Ruhestätte soll auf Rügen sein
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00:05 25.02.2017
Enrico Oelsch (35) lebte lange Zeit auf Rügen. Jetzt wurde er in Spanien tot aufgefunden. Quelle: Foto: Privat
Bergen

Es ist wohl das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann. Simone Schroth bekam am Sonntag die Nachricht, dass ihr Sohn Enrico tot in Spanien aufgefunden wurde. „Er hatte noch so viel vor“, sagt die Mutter. „Ich stehe unter Schock. Wenn ich meine Freunde nicht hätte, wüsste ich überhaupt nicht mehr weiter.“

Der 35-Jährige starb in Spanien / Die Mutter sammelt Geld für die Rückführung

Doch für die 53-Jährige bekam kurz nach der Benachrichtigung durch die Polizei die nächste Hiobsbotschaft. Als sie am Montag bei der spanischen Botschaft in Madrid anrief, wurde ihr mitgeteilt, dass sich die Überführungskosten für ihren toten Sohn auf rund 4500 Euro belaufen würden. Eine schriftliche Bestätigung der Botschaft über diesen Sachverhalt liegt der OSTSEE-ZEITUNG vor.

„Die Mitarbeiterin war sehr freundlich, sagte mir aber auch, dass ich nicht viel Zeit habe, mich zu entscheiden“, sagt Simone Schroth. „Die Alternative zur Überführung wäre ein anonymes Armenbegräbnis. Das ist doch ein Albtraum für jede Mutter.“ Das Geld für die Überführung kann Simone Schroth nicht aufbringen, die 53-Jährige arbeitet zwar an der Rezeption der Mutter-Kind-Klinik in Baabe, aber das Geld ist knapp. „Die Summe ist einfach zu hoch“, sagt sie. „Ich rauche nicht, versuche Geld abzuknapsen wo es geht, aber 4500 Euro bekomme ich so schnell nicht zusammen.“

Verwandtschaft, die eventuell mit einem Darlehen aushelfen könnte, hat Simone Schroth nicht, ihre Eltern sind früh verstorben, die Schwestern ohne finanzielle Mittel. Auch der Versuch, einen Kredit bei der Bank zu bekommen, blieb erfolglos. Jetzt hat die Mutter eine Spendenseite im Internet geschaltet und hofft auf Unterstützung. „Den Tipp habe ich von einem ganz verständnisvollen Polizisten bekommen. Der sagte, ich solle angesichts der Kosten nicht sofort verzweifeln, es gebe so gute Spendenseiten im Internet. Und das habe ich sofort gemacht. Die Zeit drängt ja.“

Wie aus den Unterlagen der Botschaft in Madrid hervorgeht, wurde Enrico Oelsch in seiner Wohnung in der Nähe von Madrid tot aufgefunden, der Leichnam befindet sich noch in der Rechtsmedizin der Stadt. „Die Ungewissheit ist im Moment das Allerschlimmste“, sagt Simone Schroth. „Die Behörden haben mir nur mitgeteilt, dass Enrico zur Untersuchung in der Rechtsmedizin ist, es gibt noch keine Informationen über die Todesursache. Ich weiß nicht einmal, wie mein Sohn gestorben ist.“

Enrico Oelsch lebte von 2002 bis 2009 auf Rügen, vor sieben Jahren zog es ihn nach Spanien. „Das war sein Traumland“, erzählt Simone Schroth. „Da wollte er immer schon hin.“ Zunächst habe der gelernte Koch in der andalusischen Hippie-Kommune San Pedro deutsches Brot verkauft. „Eine seiner Freundinnen ist dann aber der Ansicht gewesen, jetzt müsse Schluss mit dem Robinson-Leben sein, und er ist zu ihr nach Madrid gezogen und hat sich Arbeit gesucht und verdiente sich sein Geld als Tontechniker und DJ“, erinnert sie sich. „So war er. Ein liebenswerter Dösbaddel, immer etwas chaotisch – aber lebensfroh und talentiert.“

Der Kontakt zu seiner Mutter sei nicht häufig, aber liebevoll gewesen. „Er hat mir vor nicht allzu langer Zeit ein Video geschickt, auf dem er und seine Freundin gemeinsam durch die Straßen Madrids gehen und in die Kamera lachen“, sagt sie und schaut sich das kurze Video auf ihrem Handy wieder und wieder an. „Er hat so gut Spanisch gesprochen.“

Eigentlich war immer mal ein Besuch von Simone Schroth und ihrem jüngsten Sohn Martin bei Enrico in Madrid geplant gewesen. „Wir haben uns das schon so oft vorgenommen, aber dann kam immer etwas dazwischen“, erinnert sie sich. Entweder es sei einer von ihnen krank geworden oder es waren berufliche Termine zu übernehmen, dann fehlte das Geld. „Ich bin sehr traurig, dass wir das im vergangenen Jahr nicht einfach gemacht haben. Jetzt ist es zu spät.“

Das letzte Gespräch der beiden fand kurz vor Weihnachten statt. „Danach musste ich für einige Zeit ins Krankenhaus“, sagt Simone Stroth. „Und so ist es dieses Jahr noch nicht dazu gekommen“, sagt sie. „Und nun ist es zu spät“.

Doch zum Trauern kommt die gebürtige Leipzigerin in diesen Tagen nicht. „Ich habe so viel zu organisieren und zerbreche mir den Kopf darüber, wo ich noch Geld für die Überführung herbekommen kann“, sagt sie. „Die Kosten für die Beerdigung liegen noch einmal bei rund 1500 Euro.“ Immerhin hat sie ein sehr positives Gespräch mit einem Bestatter gehabt, der bereit ist, den Fall zu übernehmen und sich um die Formalitäten zu kümmern. „Es wäre schön, wenn Enrico seine letzte Ruhe hier zuhause auf Rügen finden würde.“

Spenden-Internetseite: www.leetchi.com/c/trauerfeier-von-simone-schroth

Anne Ziebarth

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