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Er ist der Pferdeflüsterer von Rügen

Rambin Er ist der Pferdeflüsterer von Rügen

Der Rambiner Horst Ludwig ist vielbeschäftigter Hufschmied und findet beim Malen seine innere Ruhe

Rambin. „Zeigt her eure Hufe, dann werd` ich euch helfen.“ Was der „XXL- Ostfriese“ Tamme Hanken, jener 2,06 Meter Hüne mit stattlichen 145 Kilo Gewicht entlang der deutschen Nordseeküste den edlen Vierbeinern mit seinen chiropraktischen Fertigkeiten als Knochenbrecher und Pferdeheiler an Gutem angedeihen lässt, das erledigt Horst Ludwig aus Rambin auf Rügen und Usedom sowie einigen Dörfern auf dem Festland.

Der gelernte Hufschmied kehrte seiner thüringischen Heimat im Jahre 2000 den Rücken und zog auf Deutschlands größte Insel. Doch im Gegensatz zum Ostfriesen Tamme renkt Horst den Gäulen nicht ihre Gliedmaßen wieder ein, sondern betreibt deren Hufpflege mit Feingefühl und akribischer Genauigkeit. Das brachte ihm scherzhaft den Beinamen „Pferdeflüsterer von Rügen“ ein.

„Ich will trotz meiner 71 Jahre die Hände nicht in den Schoß legen“, verrät der verheiratete Familienvater von zwei erwachsenen Kindern und zweifache Opa. Und was er früher gewerbsmäßig tat, nämlich die Pferde im Abstand von sechs bis acht Wochen vom überschüssigen Horn an ihren Hufen zu befreien und diese mit neuen Hufeisen zu beschlagen, erledigt er heute für gute Freunde und Bekannte aus Spaß an der Sache.

Unlängst tourte „Hufeisen- Horst“ mit seinem Werkzeug über Usedom und verhalf den beiden gescheckten Pferden Nina und Lena von Kumpel Peter Schmurr (61) aus Pudagla zu neuem Hufbeschlag. Und der war vom Umgang des Rüganers mit seinen Tieren angetan. „Als Horst mit der Arbeit begann, murmelte er meinen Pferden einige beruhigende Worte ins Ohr und sie standen dann während der gesamten Prozedur brav auf einer Stelle, tänzelten nicht herum und schlugen auch nicht mit den Hinterbeinen aus, er hat das gewisse Händchen für Pferde“, lobt Peter Schmurr.

„Zuerst müssen die alten abgenutzten Hufeisen von den vier Pferdehufen entfernt werden, danach wird das überschüssige Horn mit einem speziellen Messer von den Hufen entfernt, was umgangssprachlich als auswirken bezeichnet wird“, verrät Pferdeflüsterer Horst. Notfalls muss er mit einigen gekonnten Zügen seiner Raspelfeile an den Hufen nacharbeiten, damit das Pferd sozusagen in der Spur läuft.

Jetzt werden die neuen Eisen angepasst und mit Nägeln durch die vorgefertigten Rillen der Hufeisen auf das Horn der Pferdehufe genagelt. Abschließend wird gegebenenfalls noch nachgearbeitet oder bei starker Abnutzung neue Metallstifte auf die Eisen aufgeschweißt.

„Die Hufeisen gibt es je nach Pferderasse und Hufgröße in zehn verschiedenen Ausführungen, die Hufnägel sind zwischen 45 und 100 Millimetern lang und aus relativ weichem Metall. Etwa vier bis sechs Nägel sind für den Beschlag eines Pferdehufes nötig“, sagt Horst Ludwig.

„Für die Herstellung der maschinell gefertigten Hufeisen gibt es drei Anbieter in und um Deutschland. Zwei kommen aus Holland und einer aus der Nähe von Köln“, weiß der Hufschmied, der in Rambin Vollblutpferde der Rasse Araber züchtet.

Im Gegensatz zum ostfriesischen Pferdeheiler und Knochenbrecher Tamme Hanken betreibt Pferdeflüsterer Horst Ludwig noch ein weiteres Hobby mit ganzer Leidenschaft: Die Malerei.

„Beim Malen kann ich meine Phantasie voll entfalten und finde zu innerer Ruhe“, verrät der Experte in Sachen gepflegter Pferdehufe. Und auch fürs Malen hat Horst das gewisse Händchen. Seine Motive sind so vielfältig wie das Leben selbst. Ob Bilder von Pferden, Menschenporträts, frivole Frauen- und Männermotive sowie aus dem Bereich der Burlesque. Er malte bei „Dresden brennt“ das Flammeninferno in der sächsischen Elbmetropole nach jenem verheerenden Bombenangriff vom Februar 1945, einen „Alten Holzknecht“, „Die schöne und das Biest“, „Die rote Lady“, „Die teuflische Badewanne“, „Der besoffene Fuhrmann“ und andere.

Peter Machule

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