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Er war bekannt wie ein bunter Hund

Mölln Er war bekannt wie ein bunter Hund

Wolfgang Hilke war fast 30 Jahre Polizist und lebt mit seiner Roswitha auf dem Hof der Vorfahren.

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Mölln. Ein bisschen französisches Blut und ein Quäntchen ungarisches Temperament fließen in den Adern von Wolfgang und Roswitha Hilke. Anno dazumal hatte nämlich ein französischer Soldat vor Rügen Schiffbruch erlitten, war an Land getrieben worden, hatte sich da in Wolfgangs Urahnin verguckt und flugs seinen Beitrag zum Hilkeschen Genpool geleistet. Roswithas Großmutter hingegen war ein echtes Puszta-Mädel, die ihrem Mann in den hohen Norden gefolgt war.

 

OZ-Bild

Man sieht dem Garten von Roswitha und Wolfgang Hilke an, dass er mit Liebe gepflegt wird.

Quelle: Fotos: Susanna Gilbert

Gleichwohl sind die Wurzeln des Paares tief und fest in rügenschem Boden verwurzelt. „Dahinten“, Wolfgang zeigt über die Schulter in Richtung des nächsten Zimmers, „bin ich geboren worden.“ Einst, vor fast 100 Jahren, hatten seine Großeltern den Hof in Mölln gekauft, in dem er viele Jahre seines Lebens verbracht hat. Seine Roswitha hingegen ist eine waschechte Bergenerin. Seit 45 Jahren kennen sich die beiden. Denn 1972 hatte eine der beiden Schwestern Wolfgangs die drei Jahre Jüngere nach Mölln mitgebracht. Man kam sich näher, und schnell war klar, dass man zusammen bleiben will. Nur ein Jahr nach dem ersten Treffen läuteten die Hochzeitsglocken.

Damals hatte Wolfgang Hilke gerade sein Landwirtschaftsstudium an der Berliner Humboldt-Universität abgeschlossen und sich entschieden, statt zur Armee zu gehen, sich für fünf Jahre bei der Polizei zu verpflichten. Aus den fünf Jahren wurden fast 30. „Ich war bekannt wie ein bunter Hund“, sagt der 66-Jährige im Rückblick, leitete er doch viele Jahre die Dienststelle der Schutzpolizei in Bergen.

Auch nach der Wende sorgte er bis 2002 in Bergen und Samtens für Sicherheit und Ordnung. „Ich hatte immer nette Kollegen“, erinnert sich Wolfgang Hilke. Kollegen, die sich auch dann gegenseitig halfen, wenn es galt, mit tragischen Erlebnissen fertig zu werden. Die Umstellung vom DDR-Recht auf bundesdeutsche Gesetze fiel ihm leicht. „Geklaut ist geklaut“, sagt er dazu lapidar. Da gab es keinen Unterschied.

Da auch Roswitha Hilke in Bergen im Kleiderwerk arbeitete, war das Paar 1976 mit seinen beiden Söhnen in die Inselhauptstadt gezogen, kehrte aber rund zehn Jahre später auf den Möllner Hof zurück, weil Wolfgangs Hilkes Eltern ihn aus Altersgründen nicht mehr bewirtschaften konnten. „Wir hatten Schweine, Geflügel und Schafe als Rasenmäher“, auch Tauben, Enten, Hühner und Gänse wurden gezogen.

20 Schafe halten die Hilkes heute noch. Und zwei Schäferhunde, Lanka und Cantor, denn „die haben wir immer schon gehabt“.  

Gleich nach der Wende wurden vor den Hof drei gut hundert Meter lange Hallen errichtet, in denen Roswitha Hilke fortan Geflügel züchtete. Rund 81000 Küken wurden da 35 Tage lang gemästet, dann gingen sie den Weg alles Irdischen, landeten im Supermarkt und schließlich in der Bratpfanne. Der Betrieb wurde einmal als beste Anlage in Mecklenburg-Vorpommern prämiert. Seit 2012 hat es sich ausgegackert. Heute dienen die Hallen als Winterquartier für Wohnwagen, Boote und Autos.

Wolfgang Hilke hofft, dass auch seine Nachkommen auf dem Hof leben werden. Er fühlt sich dem Erbe verpflichtet und erinnert daran, dass seine Großeltern und Eltern den Betrieb trotz eines verheerenden Brandes und trotz Seuchen erhalten und ihn durch den Krieg gerettet hatten. Das war alles andere als leicht: Der Großvater war während des Krieges gestorben, sein Sohn an der Front gefallen. Die Großmutter nahm sich 1942 das Leben, nachdem sie beim Buttern erwischt und vom „Ortsbauernführer“ mit dem KZ bedroht worden war. Zurück blieb Wolfgang Hilkes Mutter Else, die allein zurechtkommen musste. Nach dem Krieg lernte sie Heimkehrer Karl kennen. Mit ihm zusammen bewirtschaftete sie den Hof, der 1960 in die LPG Dreschvitz überführt wurde.

Dorfgeschichten von Rügen

Die schönsten Geschichten aus den Dörfern der Insel sind vor kurzem in Buchform erschienen.

Der Band „Dorfgeschichten von Rügen“ist in einer Auflage von 4000 Stück vom Rostocker Hinstorff-Verlag herausgegeben worden, rund 170 Seiten stark und beinhaltet 33 Dorfgeschichten.

Die Autoren sind Susanna Gilbert und Uwe Driest.

Das Buch ist für 19,99 Euro im Service- Center der OSTSEE-ZEITUNG am Markt 25 in Bergen, in den meisten Rügener Buchhandlungen und weiteren Verkaufsstellen, Kurverwaltungen,Tourist-Informationen und dem Einzelhandel erhältlich.

Susanna Gilbert

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