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Rügen Erosion: Droht eine Sperrung des Königsstuhls?
Vorpommern Rügen Erosion: Droht eine Sperrung des Königsstuhls?
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05:01 14.06.2018
Eine Aussichtsplattform soll den Zugang zum Königsstuhl ersetzen. Das Projekt ist umstritten. Die Stadtvertreter von Sassnitz wollen über einen Bürgerentscheid zu dem Thema beraten. Quelle: Schlaich Bergermann Partner
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Sassnitz

Die Sassnitzer stehen möglicherweise vor dem ersten Bürgerentscheid in der jüngeren Geschichte der Stadt. Dabei wird es um die Frage gehen, ob die Kommune sich wie geplant am Bau der Aussichtsplattform am Königsstuhl beteiligen und dafür ihr Grundstück zur Verfügung stellen soll. Die Initiatoren des so genannten Bürgerbegehrens lehnen das ab und fordern, dass die Einwohner darüber entscheiden sollen. Ob es ein solches Votum geben wird und ob die Kommune dem Ergebnis der Abstimmung folgt, darüber soll am Dienstag kommender Woche auf der öffentlichen Sitzung der Stadtvertretung gesprochen werden.

Norbert Dahms und seine Mitstreiter haben dafür in den zurückliegenden Wochen Unterschriften gesammelt. Mehr als zehn Prozent der wahlberechtigten Einwohner haben sich dafür ausgesprochen, dass die Bürger über den Bau der geplanten Plattform entscheiden sollen. „Nach Ansicht der Unterzeichnenden stellt eine schwebende Plattform an dieser Stelle einen erheblichen Eingriff in die Ansicht der Kreideküste im Bereich des Königsstuhls dar“, heißt es in der Begründung auf den Unterschriftenlisten, die dem Stadtpräsidenten Norbert Thomas übergeben wurden. Das Bauwerk könne die „Natürlichkeit der Ansicht dieses Inselwahrzeichens“ negativ beeinträchtigen.Torsten Seegert ist einer der Kritiker des Vorhabens. Neben dem ästhetischen Aspekt bereitet ihm auch der technische Sorgen. Für den Mast, an dem die Plattform mit Seilen befestigt werden soll, ist eine tiefe Gründung auf dem Hochufer weiter landeinwärts notwendig. Das über der Küste hängende Bauwerk sei wie eine Wippe. „Auf den Mast und dessen Gründung wirken dann enorme Kräfte.“ Dass die zum Absprengen der vorgelagerten Kreideküste führen könnten, ist eine der Befürchtungen, die Seegert und andere haben. „Nach dem Debakel an der A 20 würde ich mich da nicht unbedingt auf eine Einschätzung der Experten verlassen.“

Zugang zum Kreidefelsen durch Erosion seit Jahren gefährdet

Als solcher gilt Dr. Ingolf Stodian, Dezernent und Leiter des Nationalparkamtes auf Jasmund. Er betont, dass in diesem Fall die Verantwortung bei der Stadt liege, die eine sichere Zuwegung zum Königsstuhl gewährleisten müssten – wenn diese denn gewollt sei. „Wir sind als Amt nur eine der Fachbehörden, die in dem Verfahren beteiligt werden und eine Stellungnahme abgeben“, sagt der Geologe. „Wir sind in dieser Frage völlig emotionslos.“ Dass der derzeitige Zugang zum Königsstuhl durch Erosion gefährdet ist, weiß man schon seit Jahren. Deshalb habe man schon vor geraumer Zeit nach Alternativen gesucht. Stodian erinnert an die als „Monster“ titulierte Brücke, die 1993 für nur wenige Wochen den alten Zugang ersetzte und dann wieder abgebaut wurde. Die jetzige soll weder den Kreidefelsen selbst noch das vorgelagerte Hünengrab berühren.

Ist diese Lösung annehmbar? Das sollten die Einwohner der Stadt entscheiden, finden die Initiatoren des Bürgerbegehrens. „Bislang wurde über die Köpfe der Einwohner hinweg gehandelt“, kritisiert Torsten Seegert. „Aber die Leute wollen sich einbringen.“ Unter denjenigen, die die Liste unterschrieben hätten, seien auch viele, die das Projekt befürworten würden, sagt er. Zu dem vorgestellten Projekt müsse es auch Alternativen geben.

Weg zum Wahrzeichen nicht mehr lange sicher

„Die gibt es aus meiner Sicht nicht“, sagt Bürgermeister Frank Kracht. „Jedenfalls nicht, wenn der Königsstuhl weiter erlebbar bleiben soll.“ Das könnte ohne eine neue Brücken-Lösung bald vorbei sein. „Der aktuelle Zugang kann vielleicht noch acht bis zehn Jahre aufrecht erhalten werden. Dann müsste ihn der Betreiber aus Sicherheitsgründen vermutlich sperren“, prognostiziert Dr. Ingolf Stodian. Der mag sich den Aufschrei in der Tourismuswirtschaft nicht vorstellen, wenn nach dem Abgang zum Strand auch der Weg zum Rügener Wahrzeichen gestrichen wird. Darüber müsse zumindest öffentlich diskutiert werden, hält Torsten Seegert dagegen. Darüber gehen auch bei den Kritikern die Meinungen auseinander. „Es ist Natur“, sagt der Insulaner. „Für mich persönlich wäre es kein Weltuntergang, wenn man nicht mehr auf den Königsstuhl käme.“

Stadtpräsident Norbert Thomas geht davon aus, dass die Stadtvertretung sich auf ihrer Sitzung am Dienstag einem Bürgerentscheid nicht in den Weg stellen wird. Er mahnt zur Sachlichkeit und Weitsicht. Als einziger Stadtvertreter habe er vor Jahren gegen die später preisgekrönte Fußgängerbrücke in den Stadthafen gestimmt. Das sei eine persönliche Fehlentscheidung gewesen, die er später bereut und für die er sich entschuldigt habe. Über die geplante Aussichtsplattform sollte man nicht vorschnell urteilen und sie schlecht reden. „Sie könnte ein Wahrzeichen für den gesamten Landkreis werden.“

Ingenieure haben mehrere Varianten geprüft

90 Meter lang soll der Rundweg sein, der um das so genannte Königsgrab herum führt und über einen Teil des Königsstuhls. Bis zur Spitze des Rügener Wahrzeichens wird das Bauwerk nicht reichen.

2,50 Meter ist der Weg an den meisten Stellen breit. Im vorderen Bereich am Aussichtspunkt soll er auf 3,50 Meter verbreitert werden. Der Mast, an dem die Brücke aufgehängt wird, ist laut Plan 40 Meter hoch.

2011 wurde an den ersten Entwürfen für einen neuen Zugang zum Königsstuhl gearbeitet. Eine Variante war unter anderem ein geradliniger Steg über beziehungsweise neben dem Königsstuhl. Die jetzt gewählte Ellipse soll unter anderem den geringsten Eingriff in die Natur garantieren: Nur ein bereits geschädigter Großbaum müsse gefällt werden.

Beim Bürgerentscheid müssen sich wenigstens 25 Prozent der stimmberechtigten Sassnitzer die gestellte Frage mit Ja oder Nein beantworten. Wird diese klare Mehrheit nicht erreicht, entscheidet die Stadtvertretung.

Maik Trettin

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