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Rügen Eschen bei Burkvitz müssen weichen
Vorpommern Rügen Eschen bei Burkvitz müssen weichen
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00:05 14.02.2017

Rügen-Reisende verbanden mit dem Burkvitzer Wald bislang vor allem Entspannung. Viele Urlauber legten auf den Rastplätzen links und rechts der Fernverkehrs- und späteren Bundesstraße eine kleine Pause ein. Eine meterbreite, schnurgerade Schneise wurde und wird in den Burkvitzer Wald geschlagen. Bagger und Raupen wühlen sich durch den matschigen Boden, über den einmal die neue B 96 führen soll. Nachdem die Forstmaschinen seit Wochen durch den nördlichen Bereich der Straße in Richtung Burkvitz rollen, wird nun auch im gegenüberliegenden Waldstück kräftig ausgelichtet. Soll die Trasse noch breiter werden?

Forstamt und andere Waldbesitzer pflanzen junge Roterlen / Waldrand wird naturnah gestaltet

„Mit dem Straßenbau hat das gar nichts zu tun“, klärt der zuständige Revierförster Cornell Kuithan auf. Es sei eine ausschließlich forstwirtschaftliche Maßnahme, die man seit langem geplant habe und die nun zufällig zeitlich mit den Bauarbeiten auf der anderen Straßenseite zusammenfalle. Doch auch sie wird das Bild der Insel an dieser Stelle gravierend verändern. Die zwölf Hektar große Fläche zwischen der Bundesstraße und der Bahnlinie wird kräftig durchforstet. „Auf fünf Hektar werden wir einen Kahlhieb vornehmen müssen“, sagt der Forstmann.

Nein, versichert Kuithan, es werde kein Kahlschlag in dem Sinne, dass dort kein Baum mehr stehe. Alle Laubbäume blieben ja stehen – bis auf die Eschen. Die sollen von diesem Standort verschwinden, doch machen gerade sie den Großteil des Mischwaldes aus. Kein Wunder, sagt Kuithan. Die relativ feuchte Fläche biete hervorragende Bedingungen für diesen Baum. Aber eben auch für die Schädlinge, die der Esche in Europa seit Jahrzehnten zusetzen. Das Falsche Weiße Stängelbecherchen ist ein erst vor wenigen Jahren entdeckter Vertreter der Schlauchpilze. Er soll für das Eschentriebsterben verantwortlich sein, an dem junge ebenso wie alte Eschen unweigerlich zugrunde gehen.

„Hier.“ Cornell Kuithan hockt sich vor die kleine Wurzel eines langen und dünnen Baums, dessen Stamm sich schräg im Geäst eines Nachbarbaums verkeilt hat. Der Förster greift nach dem Wurzelballen, der aus dem Waldboden ragt. „Die Feinwurzeln sind alle verkümmert“, sagt er. „Abgestorben. Wie der Rest des Baumes.“ An nahezu jeder Esche auf diesem Areal gebe es Anzeichen für die Erkrankung, etwa Verdickungen in der Krone, vertrocknende Astspitzen oder verfärbte und abblätternde Rinde. Die toten Bäume fallen auf dem weichen, morastigen Boden früher oder später um. „Und dann erobert die Brombeere die Fläche“, sagt der Revierförster.

Diesem Szenario wollen das Forstamt und die Waldbesitzer zuvorkommen. In den nächsten fünf bis sechs Wochen werden die Forstleute die Bäume fällen und abtransportieren. Viel anfangen könne man nicht mehr damit, schätzt Kuithan ein. Zumal der Holzpreis, speziell der für Esche, im Keller sei: Fast überall werden die befallenen Bestände abgeholzt. Das Überangebot an Eschenholz drückt den Preis immer weiter. „Finanzielle Überlegungen sind es ganz gewiss nicht, die die Waldbesitzer und uns zu diesem Schritt veranlasst haben“, versichert der Mitarbeiter der Landesforst. Vielmehr solle an dieser Stelle langfristig wieder ein gesunder Wald „aufgebaut“ werden. Auf weiten Teilen der ehemals mit Eschen bestandenen Flächen werden künftig vorwiegend Roterlen, aber auch Flatterulmen und Bergahorn wachsen. Besonderes Augenmerk wird auf den Waldrand gelegt. Der Übergang zwischen der durch die Straße vorhandenen Schneise und dem Baumbestand soll natürlicher werden. Man beginnt am äußersten Rand mit niedrigen Sträuchern, pflanzt dahinter etwas höhere, bevor die ersten kleineren Bäume und dann den größeren Platz zum Wachsen finden. Am Waldrand, der rund 1,2 Hektar ausmacht, sollen unter anderem Hundsrosen, Haselnuss und Wildobstbäume gepflanzt werden. „Aber auch ein paar Eiben“, ergänzt Cornell Kuithan und verweist auf den Waldranderlass, eine Vorgabe, wonach heimische Gehölze bei solchen Pflanzungen zu bevorzugen sind.

So ähnlich soll auch der Streifen des Wäldchens an der Bergener Graskammer gestaltet werden. Dort wurden in den zurückliegenden Wochen neben Eschen auch Eichen und Buchen gefällt und mit Pferden aus dem Wald gezogen. Der war nach Aussage des Forstamtes mittlerweile der Wohnsiedlung, den Gärten und Garagen zu dicht auf den Pelz gerückt. „An einigen Stellen waren die Kronen der Bäume so groß, dass sie schon über den Garagenkomplex hingen.“ Deshalb habe man am Rand auslichten müssen. Auch dort wird – wie bei Burkvitz – mit den oben genannten heimischen Gehölzen wieder aufgeforstet. Noch in diesem Jahr sollen die jungen Pflanzen in den Boden kommen. Im Wald selbst ist das Nachpflanzen nicht notwendig. Dank des geringen Wildbestandes in dem kleinen Gebiet gebe es dort eine natürliche Verjüngung. Vor allem Ahorn hat sich unter den Großbäumen entwickelt und wird in späteren Jahrzehnten den Wald an dieser Stelle dominieren.

Maik Trettin

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