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Familie Strotkamp sieht rot

Karnitz Familie Strotkamp sieht rot

Ihr Jagdschloss in Karnitz bekommt durch einen Anstrich seine ursprüngliche Farbe zurück

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Eine Ansicht des Schlosses aus dem Jahr 1932.

Quelle: Thomas Wendt

Karnitz. „Wir sehen Euch sowieso in einem Jahr wieder“, meinten die Freunde, als die Familie Strotkamp Mitte der 2000er Jahre ihre Zelte in Dortmund abbrach, um in ein herunter gekommenes Schloss auf Rügen zu ziehen. Doch da irrten sich die Freunde gewaltig: Zehn Jahre nach dem Einzug der Strotkamps erstrahlt das Jagdschloss wieder in alter Pracht als Mittelpunkt des kleinen Dorfes Karnitz. Und es soll noch schöner werden. Denn demnächst erhält seine Frontfassade wieder die dunkelrote Farbe, die sie ursprünglich hatte.

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Ihr Jagdschloss in Karnitz bekommt durch einen Anstrich seine ursprüngliche Farbe zurück

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Eigentlich suchten Gerhard und Gertraud Strotkamp nur ein großes Haus auf der Insel, das Platz für vier Generationen bot. Denn nicht nur Tochter Jennifer mit deren Mann Jörg und den Enkelinnen Josephine und Johanna wollten mit in den Norden ziehen, sondern auch die Großmama Ursula. Dass es Rügen sein sollte, da waren sich die Strotkamps sicher.

Seit 1992 waren sie etliche Male hier oben, am Jagdschloss sind sie vor genau 20 Jahren zum ersten Mal vorbeigefahren. Zehn Jahre später gehörte es ihnen. Der heute 62-jährige Gerhard Strotkamp begann sofort mit der Sanierung des denkmalgeschützten, 1835/36 erbauten Schlosses mit seiner markanten neogotischen Fassade, das als „kleine Schwester des Jagdschlosses Granitz“ gilt. Vor dem Verkauf durch die Gemeinde waren eine Wirtschaft, Wohnungen, die Post und ein Kindergarten in dem Gebäude untergebracht. Eigentlich, so sagt Strotkamp, hätten die Bewohner ihre Wohnungen kaufen wollen, „die Banken waren aber nicht bereit, Kredite zu bewilligen“.

Erfahrung mit Sanierungen hatte der Dortmunder, der in seinem alten Leben zwei Friseursalons führte, schon früher gesammelt, denn die Strotkamps hatten im Ruhrgebiet zwei Häuser grunderneuert.

„80 Prozent der Arbeiten habe ich selbst gemacht“, sagt der Schlossherr mit Stolz. Nur die Fenster, die Sanitärleitungen und die Abnahme der Elektrik haben Fachleute übernommen.

Wichtig war den Strotkamps, „die Nachbarn von Anfang an mitzunehmen“. Viele von ihnen standen den „Neuen“ im Dorf mit Rat und Tat zur Seite. Als erstes wurden 42 Tonnen Bauschutt und 18 Tonnen Holz aus dem Gebäude geschafft. Böden, Dachbalken und Leitungen wurden erneuert. Wände wurden geschlitzt, um die Rohre verschwinden zu lassen, dann verputzt und gestrichen. Eine Heizung wurde eingebaut, die Sanitär- und Elektroleitungen wurden verlegt. Die Terrasse wurde neu gebaut, die Steintreppe repariert. Heute sind 600 Quadratmeter auf zwei Etagen saniert, der nächste Schritt ist der Ausbau des Dachgeschosses.

Unvergesslich bleibt der Familie Weihnachten 2006, denn damals wurde gemeinsam in den ersten hergerichteten Zimmern des Jagdschlosses gefeiert. Heute haben die vier Generationen unter einem Dach ihre jeweils eigenen Reiche. „Jeder hat seinen Haushalt“, erklärt Gertraud Strotkamp, „an den Samstagen und Sonntagen aber frühstücken wir alle zusammen.“

Während sich der Mann — „Ich bin mittlerweile Stammkunde in allen Baumärkten“ — um die Instandsetzung und -haltung des Schlosses kümmert und die Ferienwohnungen im Nebengebäude betreut, arbeitet seine Frau, eine studierte Sozialpädagogin, im Beruflichen Trainingszentrum Bergen, betreibt im eigenen Haus noch eine Praxis für Psychotherapie. Nebenbei schreibt sie Bücher, etwa den Rügen-Krimi „Mord im Kaffeesatz“, die sie im Eigenverlag publiziert. Trotzdem sagt die Vielbeschäftigte: „Manchmal habe ich immer noch das Gefühl, im Urlaub zu sein.“ Auch nach Jahren haben die Strotkamps nicht das Gefühl für die Schönheit der Rügener Landschaft verloren. „Ab und zu zieht es uns aber in die Stadt, nach Berlin oder Dortmund“, räumt sie ein.

Karnitz — Ein kleiner Slawe gründete den Ort

200 Menschen wohnen in Karnitz. Doch die Anfänge des Ortes reichen weit zurück: Vor mehr als tausend Jahren hat ein kleiner slawischer Mann dort eine Hütte für seine Sippschaft gebaut, wo heute die wenigen Häuser von Karnitz stehen. Denn der Ortsname bedeutet aus dem Slawischen übersetzt: „Familiensitz des Kurzen“.

Das Dorf wurde um 1300 erstmals im Pommerschen Urkundenbuch erwähnt, wäre aber unbedeutend geblieben, wenn nicht Carl Christian von Usedom 1834/35 dort durch den „Zimmermeister Pressel aus Putbus“ ein Jagdschloss hätte erbauen lassen. Das kostete ihn viel Geld und Nerven, „auch die Handwerker“, so schrieb er 1835 an Sohn Guido, machten „mir viel zu schaffen...“. Denn „sie sind ... sehr ungeschickt, und ich habe davon aufs neue eine unangenehme Erfahrung bei dem Bau in Carnitz gemacht“, beklagte sich der Bauherr in einem anderen Brief.

Später wechselte das Gut in zahlreiche Hände. Noch während des Zweiten Weltkrieges soll es von einem Freiherrn von Vietinghoff an die Familie von Werder verkauft worden sein.

Von Susanna Gilbert

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