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Feilschen um Vereinsfinanzierung

Sassnitz Feilschen um Vereinsfinanzierung

In Sassnitz wird über eine gerechte Unterstützung der Ehrenamtler diskutiert / In der Kritik stehen vor allem Personalkosten bei Jugendbeirat und Grundtvighausverein

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Im Sozialausschuss von Sassnitz ging es zum Teil zu wie auf dem Basar. Es wurde um die Zuschüsse der Stadt an die Vereine gefeilscht. FO

Quelle: Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Sassnitz. Viele Sassnitzer Vereine werden in diesem Jahr weniger Geld von der Stadt bekommen, als sie beantragt haben. Das ist das Ergebnis einer Debatte im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Soziales. Insgesamt hatten die Ehrenamtler um Unterstützung in Höhe von zusammengerechnet 234500 Euro gebeten. 208700 Euro – und damit so viel wie im vergangenen Jahr – stehen im Haushaltsplan für 2018 zur Verfügung.

So wird der Feuerwehrförderverein für ein geplantes Kinderfest weniger als die Hälfte der benötigten 1500 Euro bekommen. Auch andere, wie der Nautische Verein, die Rettungshundestaffel, die Schützengilde oder der Kleintierzuchtverein mussten Federn lassen. Das Dokumentationszentrum Prora, das seit Jahren die Begegnungen zwischen Jugendlichen und ehemaligen Zwangsarbeitern in Sassnitz organisiert, geht diesmal völlig leer aus.

Konträr diskutiert wurden vor allem die Anträge des Grundtvighausvereins und des Jugendbeirats Sassnitz (JuBS). Beide hatten jeweils 30000 Euro beantragt. Das Geld soll großteils zur Deckung von Personalkosten dienen. Über eine Kooperation haben Grundtvighaus und JuBS im vergangenen Jahr die gemeinsame Stelle eines Leiters geschaffen und hauptamtlich mit Sebastian Kleindienst besetzt. Für das Ausschussmitglied Peter Kordes ein völlig nachvollziehbarer Schritt: „Nur mit hauptamtlichem Personal kann ehrenamtliche Arbeit richtig funktionieren.“

Idealerweise sollte jeder Verein einen oder mehrere Mitarbeiter haben, die als Koordinatoren wirken. Weil das aus finanziellen Gründen nicht gehe, seien Synergien wichtig – so, wie es der Jugendbeirat und das Grundtvighaus gerade praktizierten.

Auch wenn die aktuelle Richtlinie für Vereine es zulasse: Dass Geld in solchen Größenordnungen nicht für die ehrenamtliche Arbeit im ursprünglichen Sinne eingesetzt werde, sondern zur Deckung von Personalkosten, stößt Sandro Witt (CDU) sauer auf. Gerade angesichts der beschränkten Mittel sei es nicht nachvollziehbar, argumentierte er. „Wir beschneiden andere Vereine wegen dieser Personalstelle und reißen sie damit vielleicht in die Tiefe.“ Wenn sie so groß sind wie Empor, können sie das offenbar verkraften. „Wir werden damit leben können“, antwortete der Vorstandsvorsitzende Frank Hannich im Ausschuss auf die Frage, was denn passiere, wenn die Stadt nicht wie beantragt 25000 Euro, sondern nur 21000 dazuschießt. Empor, mit 600 Mitgliedern der größte Verein der Insel, beschäftigt unter anderem eine Bürokraft und jemanden, der den Platz in Ordnung hält. „Aber die meiste Arbeit läuft bei uns ehrenamtlich.“

Das Grundtvighaus wurde viele Jahre durch einen so genannten „Mini-Jobber“ geleitet. „Das hat auf die Dauer aber keine Perspektive“, sagt der Nachfolger, Sebastian Kleindienst. Aus diesem Grunde habe man im vergangenen Jahr den erwähnten Kooperationsvertrag mit dem Jugendbeirat geschlossen, um die Arbeit in beiden Einrichtungen abzusichern. Ob das langfristig so funktioniert, ist derzeit offen.

Der Jugendbeirat wird die beantragten 30000 Euro in voller Höhe bekommen, das Grundtvighaus zusätzlich zu den bereits bewilligten 10000 Euro noch rund 15000 Euro. Die Einrichtung werde bei dieser Finanzierung „nicht heute oder morgen zu sein, aber vielleicht übermorgen“, prophezeite Kleindienst. Vorerst wolle man versuchen, weitere Unterstützer zu finden. „Das ist für das laufende Jahr nur etwas schwierig, weil meist die Fristen für die Beantragung abgelaufen sind.“ Für die Sassnitzer Kommunalpolitiker ist das Thema damit nicht vom Tisch. 30000 Euro an zwei Vereine nur zur Deckung der Personalkosten – „das geht nicht“, dringt Sandro Witt auf eine Lösung. „Wir müssen sehen, wie wir aus dieser Nummer rauskommen.“ Einen Vorschlag präsentierte der Ausschussvorsitzende Norbert Benedict: Die Stadt könnte eine Stelle für die Ehrenamtsarbeit schaffen. „Das wäre dann ein hauptamtlicher Ansprechpartner für alle Sassnitzer Vereine.“

Maik Trettin

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