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Rügen Festspielfrühling Rügen: Klassikstars im Klassenraum
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11:12 16.04.2018
Der Funke sprang über: Die Grundschüler waren vom Spiel der französischen Fagottistin Sophie Dartigalongue angetan. Quelle: Herold Gerit
Sellin

Was für ein exklusives Konzert im Musikraum der Selliner Grundschule: Auszüge aus „Peter und der Wolf“, „Carmen“, Beethovens „Elise“, Mozarts „Zauberflöte“, Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, Strawinskys „Le sacre du printemps“ und auch die Filmmusik von Harry Potter. Die Fagottistin Sophie Dartigalongue erfüllte damit Wünsche der Mädchen und Jungen der 3. und 4. Klasse und zeigte eindrucksvoll, wie perfekt sie ihr Instrument beherrscht. Die Französin, Orchestermitglied der Wiener Staatsoper, ist derzeit in verschiedenen Konzerten des Festspielfrühlings Rügen zu erleben. Nun steht sie vor 35 neugierigen Neun- und Zehnjährigen und lockt in ihre Welt der Musik.

„Rhapsody in School“ nennt sich die Künstlerinitiative, die bundesweit Weltklasse-Musiker in die Schulen bringt und mit der die Festspiele MV seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Die Solisten wollen Kinder und Jugendliche für (klassische) Musik begeistern und Lust wecken, ein Instrument zu erlernen. Von Anfang dabei ist die Selliner Grundschule. „Es ist jedes Jahr ein Highlight, wenn Künstler mit ihren Instrumenten den Kindern 1:1 gegenüberstehen. Das ist sehr interessant, der Musikunterricht wird dadurch sehr bereichert“, freut sich Schulleiterin Anne Eckert, die selbst Musik unterrichtet.

Sophie Dartigalongue muss bei ihrem ungewöhnlichen Gastauftritt viele Fragen beantworten. Freya möchte wissen, ob sie vor den Auftritten aufgeregt ist. Maria interessiert, wie lange sie lernen musste, um so gut zu spielen, und Trine fragt, warum sie ausgerechnet Fagott spielt. Eigentlich hatte sie als Zwölfjährige mit Gitarre und Klarinette angefangen, erzählt die Musikerin. Als sie ihren kleinen Bruder zu einer Instrumentenvorstellung begleitete und das Fagott hörte, war es um sie geschehen. „Ich fand das so cool und wollte das auch“, so die 27-Jährige.

Inzwischen hat sie 200 Konzerte im Jahr und schon 30 Länder bereist. Am Sonntag spielte sie noch in Argentinien, vor zwei Wochen bei einem Auftritt in New York. Auf Rügen ist sie  das erste Mal und schwärmt vom „wunderschönen Ausblick“ am Selliner Hochufer. Und wo ist sie am liebsten aufgetreten? „Jetzt hier“, sagt die Künstlerin, die ihr gutes Deutsch beim Studium in Berlin erlernte.

Die Schüler erfahren , dass ihr Fagott 1,32 Meter groß und vier Kilogramm schwer ist,  zum Transport in sechs Teile zerlegt wird,  aus 27 Jahre altem Ahornholz gebaut wurde und so teuer wie ein Auto ist – aber  auch, dass sie gerne wandert, kocht, Pfannkuchen mag und Musik  gar nicht ihr Lieblingsfach war, sondern Mathe. „Manchmal kann man in der Schule schlecht sein, aber ist dann als Erwachsener trotzdem gut“, gibt die Gewinnerin internationaler Preise den  jungen Zuhörern noch mit auf den Weg – und stimmt  zum gemeinsamen Kanon an: „Bruder Jakob“.

Der Festspielfrühling geht - der Festspielsommer kommt

Am Sonntag geht der 7. Festspielfrühling Rügen zu Ende. Mit über 20 Konzerten und den innovativen Formaten des künstlerischen Leiters Matthias Schorn war die Veranstaltungsreihe in großer Erfolg. Der Nachfolger Matthias Schorns, der die künstlerische Leitung 2019 übernimmt, wird am Sonntag beim großen Festspielkehraus in Putbus bekanntgegeben.

Festspielfans können sich bereits auf die Festspiele MV (15. Juni bis 16. September 2018) freuen, die auch einige Konzerte auf der Insel Rügen bieten. So kommt zum Beispiel der Thomanerchor mit Vokalmusik am 27. Juni für ein Konzert in die Marienkirche in Bergen.

Das Musikfest Landow ist bereits eine Tradition der Festspiele MV und findet am 30. Juni um 14 und um 18.30 Uhr statt.

Mit der Inselmusik startet am 12. September ein kleines Kammermusikfestival auf Rügen. Verschiedene Quartette spielen Werke von Schostakovich bis Haydn. Insgesamt gibt es elf Konzerte und Begleitveranstaltungen. Programm auf der Internetseite www.festspiele-mv.de

Herold Gerit

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