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Rügen Fetter Hering: Keine Winterpause für die Fischer
Vorpommern Rügen Fetter Hering: Keine Winterpause für die Fischer
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00:01 10.02.2018
Kathrin, Silvio und Erwin Mundt (v.l.) beim Heringspuken auf ihrem Fischkutter „Mönchgut“ im Sassnitzer Hafen. Quelle: Foto: Maik Trettin
Sassnitz

Eigentlich sollten Silvio Mundt und seine Kollegen jetzt an Land bleiben. Viele Jahre galt: Im Winter gibt es für einen Fischer in den Gewässern vor Rügen nicht allzu viel zu holen. „Da wurden dann traditionell eben Netze geflickt oder andere Gerätschaften ausgebessert“, sagt der Baaber. Heute sieht das anders aus: Seit Mitte Januar fahren Silvio Mundt und andere Fischer auf die Ostsee, um Hering zu fangen. Der „Brotfisch“ der Insulaner hat gerade Hochsaison.

Heringe haben die Fischer auch in den zurückliegenden Monaten in Sassnitz angelandet. Seit Oktober haben die Mundts beispielsweise die Schwärme in ihren Stellnetzen gefangen. Die beste Qualität haben die Fische aber kurz vor dem Ablaichen. Dann sind sie groß und fett – so, wie die Fischesser und die verarbeitende Industrie die Heringe lieben. Nach dem Ablaichen sind die Fische nicht nur viel dünner, sie sind dann oft auch verschwunden. „Die großen Schwärme teilen sich dann auf und ziehen aus unseren Gewässern ab“, weiß der 36-jährige Baaber aus Erfahrung.

Derzeit „lauern“ sie noch auf die richtige Gelegenheit, sich zu vermehren. „Der Hering braucht dazu bestimmte Temperaturen. Bei null Grad laicht er nicht“, sagt Norbert Kahlfuß. Er ist Mitglied im Vorstand des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern und kennt den Sassnitzer Fischfang noch aus dessen Glanzzeiten. „Da haben wir manchmal das ganze Jahr über Hering gefischt“, formuliert er es zugespitzt und augenzwinkernd. Und eben auch schon mal im Januar – je nachdem, wie die Bedingungen für den Hering waren. Die Temperatur ist nämlich nicht der einzige Faktor, der Einfluss auf den Zeitpunkt hat. „Da kommt vieles zusammen“, weiß Kahlfuß. So sammeln sich die Fische vor dem Laichen zu großen Schwärmen. Das geht mal schneller, mal dauert es länger.

Entsprechend beginne die Saison mal früher und mal später. Dass es mit der globalen Erwärmung zu tun habe, sei prinzipiell aber nicht auszuschließen.

In den letzten Jahren sei der Hering immer früher „reif“ gewesen, beschreibt es Silvio Mundt. Üblicherweise beginnt die Frühjahrssaison etwa Anfang März. Die anfangs erwähnte Winterpause an Land gebe es für die Küstenfischer der Insel kaum noch. „Das geht alles ineinander über.“ Silvio Mundt vermutet als Ursache die veränderten Umwelteinflüsse. Einen langen, kalten Winter hätten die Rüganer und Hiddenseer schon lange nicht mehr erlebt. „Dass sich Eis auf der Ostsee bildet, geschieht doch nur noch selten.“ Momentan holen die Baaber den Hering aus der Prorer Wiek, wo sich die Schwärme in 15 Metern Tiefe aufhalten. „Da ist das Wasser etwa vier Grad kalt“, sagt Mundt. Ab ungefähr sieben Grad beginnen die Heringe zu laichen.

So groß und schön die Fische auch sind, die sie vor Rügens Küste fangen: Ernähren kann er die vierköpfige Mannschaft des Kutters „Mönchgut“ nicht. 70 Tonnen dürfe sie fischen, das sind 39 Prozent weniger als bisher. Gleichzeitig seien die Preise im Keller, weil die Heringsquote für die Nordseefischer angehoben wurde. Der Nordseehering gelte ohnehin als fetter und größer und damit qualitativ besser als seine kleineren Verwandten aus der Ostsee, deren Fettgehalt stark schwanke, sagt Kahlfuß. „Die Industrie will nun mal am liebsten den großen Hering, am besten noch zertifiziert. Das ist für unsere Fischer kein leichter Markt.“

Das muss Silvio Mundt bestätigen. Er verkauft einen kleinen Teil seines Fangs direkt vom Boot im Sassnitzer Hafen, beliefert ab und an das Mukraner Fischwerk und fährt regelmäßig zum Großmarkt nach Hamburg, wo frischer Rügener Fisch gern gekauft wird. Und zwar nicht allein Hering. Nachdem auch noch die Dorschquote für die Küstenfischer der Ostsee gekürzt worden sei, müssten diese sich etwas einfallen lassen und auf andere Fischarten ausweichen, beschreibt er die Situation. „Man muss in diesem Beruf schon auf vielen Hochzeiten tanzen.“

Maik Trettin

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