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Rügen „Finnjas“ Spürnase rettet Leben
Vorpommern Rügen „Finnjas“ Spürnase rettet Leben
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08:10 14.02.2018
Silvio Rohde-Habermann mit Bordercollie-Hündin „Finnja“ beim Einsatz auf dem Wasser. Quelle: Rettungshundestaffel Jasmund-Rügen
Prora

Die Jogger, die an diesem Abend durch die Dämmerung in Prora laufen trauen ihren Augen kaum. Menschen in neonfarbener Warnkleidung laufen durch den Wald, dazu dringt aufgeregtes Gebell eines Hundes aus dem Gebüsch. Ein Notfall? Zum Glück nicht, aber auf genau diesen bereitet sich die Rettungshundestaffel Jasmund-Rügen bei ihrem Training vor. Erst 2015 von Nicole und Silvio Rohde-Habermann gegründet, zählt die Truppe mittlerweile bereits 17 Hunde mit ihren Haltern. Die Truppe ist bunt gemischt. Neben dem Irish Setter „Artos“, den Border Collies „Finnja“ und „Leo“ und Labrador-Mischling „Kira“ sind heute auch die Windhunde „Kiki“ und „Josie“ mit am Start.Die Hunde der Rügener Hundestaffel werden für die Flächensuche ausgebildet. „Das heißt, sie suchen ein Gebiet nach jedweder Person ab, beispielsweise einer gestürzten Spaziergängerin im Wald“ erklärt Nicole Habermann. „Die Rettungshunde der Polizei hingegen sind sogenannte Mantrailer, also Personensuchhunde, die einer bestimmten Fährte nachgehen.“

Die Rettungshundestaffel Jasmund-Rügen hilft bei der Suche nach vermissten Personen

Finnja hat bereits Menschenleben gerettet

Trainiert wird zwei bis dreimal in der Woche unter möglichst realistischen Bedingungen. „Auch mal im dunkeln, bei Wind und Wetter oder im Kreidebruch“, erzählt Nicole Habermann, die in einem ambulanten Pflegedienst arbeitet und wie alle anderen Hundeführer ehrenamtlich in der Rettungshundestaffel tätig ist. Finnja ist die erfahrenste Rettungshündin der Gruppe und hat sich auch bereits bei Einsätzen bewährt. Auf das Kommando „Such und Hilf!“ stürmt die graugemusterte Hündin los, rennt in der Dämmerung durch den Wald. Innerhalb kürzester Zeit hat sie das Versteck von Steffen Dettmann gefunden. Er spielt für die Hündin bei der Übung den Vermissten. Kaum hat Finnja den vermeintlich verlorenen Mann entdeckt, zeigt sie ihrer Hundeführerin den Fund an. Sie setzt sich vor Steffen Dettmann hin, bellt laut und anhaltend. „Dabei werden die Hunde nie aufdringlich“, sagt Sabine Hoff. „Es kann ja auch immer sein, dass die Vermissten Angst haben.“ Finnja hat sich auch schon als Lebensretterin bewährt. Bei einem Einsatz hat sie es geschafft eine suizidgefährdete Person in der Nähe der Waldhalle aufzuspüren. Die Vermisste konnte gerettet werden.“, freut sich Habermann.

Totengeruch wird mit Haarbüscheln simuliert

Die feine Nase der Hunde ist aber sogar auf dem Wasser einsetzbar. Bei der sogenannten Wasserortung, helfen die Vierbeiner Ertrunkene zu finden. „Dazu wird der Hund in den Bug des Bootes gesetzt, mit an Bord sind noch der Hundeführer und der Bootsführer“, berichtet Steffen Dettmann. „Wenn der Hund einmal Witterung aufgenommen hat, richtet sich der Bootsführer mit der Steuerung nach den Kopfbewegungen des Hundes.“ Der Hundeführer muss dabei die Signale des Hundes genau lesen können, zeigt der Hund auffälliges Verhalten oder bellt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, das sich der Ertrunkene in der Nähe befindet, die Stelle wird mittels GPS festgehalten. „Die Hunde erschnüffeln den Totengeruch, beziehungsweise kleinste Gasmengen, die vom Toten aufsteigen“, berichtet Nicole Habermann. Das Training erfolgt dann z.B. mit Haarbüscheln. Bei einem Einsatz am Schweriner See hat sich Finnja auch bereits bei der Wasserortung bewährt. „Der Vermisste wurde später dort gefunden, wo Finnja angeschlagen hat“, berichtet Habermann.

Ausbildung zum Rettungshund dauert rund zwei Jahre

Doch bis ein Hund solche Leistungen auf dem Wasser oder an Land abrufen kann, ist eine Menge Training erforderlich. „Man braucht viel Geduld“, sagt Sandra Ratajczak, die mit ihren beiden Whippets in der Rettungshundeausbildung ist. „ Alles in allem dauert es mindestens zwei Jahre bis ein Rettungshund sich der Flächenprüfung stellen kann, dazu gehören unter anderem auch Wesens- und Eignungstest.“ Sie sei eigentlich mehr durch Zufall zur Rettungshundestaffel gekommen, berichtet Sandra Ratajczek. „Ich habe Silvio und Nicole kennengelernt und die rieten mir, einfach mal auszuprobieren, ob die Rettungsarbeit nicht auch etwas für „Josie“ und „Kiki“ sei.“ Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Die beiden waren mit Feuereifer dabei.“, erzählt Sandra Ratajczak. „Und die Übungen fordern sie auch. Nach dem Training sind sie buchstäblich platt und schlafen meist eine Runde. Dabei ist die Belastung nicht nur körperlicher Natur. Das Wittern und Suchen ist Kopfarbeit.“ Nur das Verbellen, das Anzeigen des Gesuchten per Stimme, gestaltete sich bei den nicht gerade als stimmfreudig bekannten Windhunden zunächst etwas schwierig. Die Hundedame Josie saß zunächst vor der Gesuchten, freute sich – und schwieg. „Ein Rosinenbrötchen, langsam vor den Augen des Hundes verspeist brachte in dieser Situation den Durchbruch“, erinnert sich Nicole Habermann und lacht. „Vor Empörung nichts abzubekommen, hatte der Hund angefangen zu Bellen. Geistesgegenwärtig gab es dann von Sandra ein Stückchen Rosinenbrötchen – ausnahmsweise! So klappte es dann doch noch mit dem Verbellen.“

Jeder Hund wird individuell gefördert

Andere Hunde, bei denen es mit dem Bellen trotzdem nicht klappt, wie etwa beim Labradormischling Kira, werden für eine andere Art des Meldens ausgebildet. Bei den sogenannten „Rückverweisern“ läuft der Hund nach dem Fund des Vermissten zunächst zurück zum Hundeführer. Der leint ihn an und wird vom Hund dann zum Fundort geführt. Generell seien fast alle Hunde für die Arbeit in der Rettungshundestaffel geeignet, meint Habermann, wenn sie sportlich sind und Spaß an der Arbeit haben. „Züchtungen mit verkürzten Schnauzen, wie etwa Mops oder Chihuahua sind problematisch, sie können meistens schlechter riechen und leiden auch häufig unter Atemnot.“ Entscheidend seien vielmehr Charakter und Spielfreude. Freude haben aber nicht nur die Hunde, auch die Besitzer zeigen sich von der Arbeit mit den Hunden begeistert. „Ich bin erst seit drei Monaten dabei, meine Frau Kerstin etwas länger“, erzählt Hans-Werner Illhardt-Heinig der die Hunde Bobby und Asta im Schlepptau hat. „Und die Fortschritte zu sehen macht richtig Spaß. Bobby könnte später einmal Wasserortungshund werden.“ Damit würde sich Bobby perfekt in das berufliche Profil der Familie einfügen – Hans Werner Illhardt-Heining und Kerstin Illhardt arbeiten beide bei der Wasserschutzpolizei. Sie in Sassnitz, er in Stralsund.

Ziebarth Anne Friederike

Entscheidung fiel in einer Beratung des Umweltministers mit anliegenden Kommunen, Ämtern, Infozentrum und Bürgerinitiative

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