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Rügen Fischbrötchenkutter im Sassnitzer Hafen funken SOS
Vorpommern Rügen Fischbrötchenkutter im Sassnitzer Hafen funken SOS
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09:24 31.07.2018
Die alten, hölzernen Fischkutter kommen in Sassnitz nicht mehr an Land. Die Slipanlage wurde stillgelegt. Quelle: Maik Trettin
Sassnitz

Mehrmals am Tag und in der Nacht macht sich Martin Schmidt auf den Weg an die Sassnitzer Mole zu seinem Kutter. Es ist nicht die überaus große Liebe zu dem über 70 Jahre alten Gefährt, die ihn umtreibt. Es ist die Sorge. Weil die „Heimat“ ein Leck hat, laufen die Pumpen derzeit Tag und Nacht. „Wenn die ausfallen, säuft der Kutter ab“, befürchtet Schmidt, der fast genauso alt ist wie sein Schiff. Das fuhr Jahrzehnte aufs Meer zum Fischen und ist jetzt eine schwimmende Fischverkaufsstelle. Mit Pumpen und Flicken hält der Eigner diese derzeit über Wasser. Eigentlich müsste sie an Land gezogen und gründlich repariert werden. Die Slipanlage ist weniger als einen Steinwurf entfernt – aber schon seit anderthalb Jahren außer Betrieb. Seitdem gibt es im größten Hafen der Insel keine Möglichkeit, Kutter oder ähnliche Schiffe an Land zu hieven.

Ohne Reparatur droht auch der wirtschaftliche Untergang

Dirk Krüger und seine Kollegen verkaufen ebenfalls Fisch von einem ehemaligen Kutter herunter. 1950 wurde die „Fischland“ gebaut, war zuletzt alle drei Jahre Jahre an Land für Ausbesserungsarbeiten am Rumpf. „Jetzt liegt das Schiff schon seit sechs Jahren ununterbrochen im Wasser. Es ist eigentlich längst überfällig!“ Vor vier Jahren war die „Heimat“ zuletzt auf der Slip, wie die Fischer sagen. Eine Werft aus Freest hatte für 20 000 Euro die Planken gewechselt. Zur Werft zu fahren kommt für solche alten Holzkutter nicht infrage. „Wir würden vermutlich nicht mal bis zur Hafenausfahrt kommen“, schätzt Schmidt ein. Deshalb sind die wenigen verbliebenen Holzkutter auf eine Reparaturmöglichkeit vor Ort angewiesen. Regelmäßig müssen sie für ihre Fahrzeuge die Schwimmfähigkeit nachweisen. Ohne dieses Zeugnis bekommen sie weder einen Liegeplatz noch eine Versicherung für die Schiffe. Um schwimmfähig zu bleiben, müssten sie aber erst einmal repariert werden – an Land. Doch das ist für die Sassnitzer aus derzeitiger Sicht unerreichbar. „Wir liegen hier so lange, bis wir absaufen“, schimpft Dirk Krüger. Dessen Schiff ist derzeit zwar noch intakt. Aber so ein Leck wie seinem Nachbarn von der „Heimat“ könne auch an seiner „Fischland“ jederzeit auftreten.Über Jahre wurden die Schiffe im Hafen an Land gezogen. Auf dem Gelände der Genossenschaft stand und steht die Slipanlage, die vermutlich in den 30er Jahren errichtet wurde. Seit sich vor mehr als zehn Jahren die Seefischer der Kutter- und Küstenfisch GmbH anschlossen, ist letztere für das Areal verantwortlich, das die Stadt langfristig verpachtet hat. Seitdem sei die alte, mechanische Anlage kaum gewartet worden, heißt es. Die Besitzer der Räucherkutter haben sich schon ihren Reim drauf gemacht. Das Unternehmen mit Stammsitz in Cuxhaven verkauft selbst Fisch und hat sich unmittelbar neben der Slipanlage einen Gastronomiebereich aufgebaut. „Ich denke, die sehen uns als Konkurrenz“, vermutet Martin Schmidt. Sein Kollege Dirk Krüger nickt: „Die wollen uns kaputtmachen.“ Deshalb sitze man das Problem dort einfach aus und warte, bis den Kuttern die Genehmigungen entzogen würden. Und: Es sei für die Gäste an den Kutter- und Küstenfisch-Tischen sicher unangenehm, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft Bootsrümpfe repariert würden. Das geht nämlich nicht sauber und geruchsfrei ab.Geschäftsführer Philipp Bruns schüttelt den Kopf. „Wir sind mit unserer Gastronomie erfolgreich“, versichert er, dass es keine Frage des Konkurrenzdenkens sei. Auch die Arbeiten würden den Gaststättenbetrieb nicht stören. „Die finden in der Regel in der kalten Jahreszeit statt, wenn ohnehin niemand auf der Terrasse sitzt.“ Das Problem seien mehr die Wirtschaftlichkeit und die notwendigen Umweltschutzauflagen zum Betrieb der Anlage. Das Unternehmen selbst hat keine eigenen Fischereifahrzeuge mehr in Sassnitz, die hier geslippt werden müssten. Mit SAS 71 hat der letzte registrierte Kutter dieser Art im Frühjahr den Hafen in Richtung Rostock verlassen. „Unsere anderen Schiffe gehen in Barth oder in Wolgast in die Werft.“ Würde man die Arbeiten in Sassnitz vornehmen, müsste investiert werden. Öl, Farben und Schmutz dürften nicht einfach ins Hafenbecken gelangen. Und es gäbe nur noch wenig Schiffe, die eine solche Anlage nutzen würden. Deshalb habe man schon daran gedacht, einen Spielplatz auf dem Gelände zu errichten. Die Idee wurde – ebenfalls aus Gründen der Wirtschaftlichkeit – nicht weiter verfolgt. Das Unternehmen hätte dazu eine Spundwand ziehen und die Fläche dahinter auffüllen müssen.„Die Slipanlage ist ein Relikt aus alten Zeiten und gehört irgendwie dazu“, sagt Bruns. Dass ein Hafen eine Slipanlage haben muss, ist für viele Sassnitzer eine Selbstverständlichkeit. „Wir hätten einige Interessenten, die da raufgehen würden“, sagt etwa Rainer Känig von der im Stadthafen ansässigen Rean-Werft. „Ein Schiff in der Slip ist eine Attraktion für die Gäste“, sagt Günter Grothe, langjähriger Chef bei den Sassnitzer Kutter- und Küstenfischern. „Es wäre gut, wenn es sowas gäbe“, sagt auch Siegfried Adelsberger, Geschäftsführer der städtischen Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft. Aber das finanzielle Risiko des Betriebs wolle niemand tragen. Die hohe Investition sei sicher nur über hohe Gebühren beim Slippen wieder reinzuholen.

Bürgermeister Kracht: Sassnitz soll Fischereihafen bleiben!

Das wäre noch das geringste Übel, sagen Dirk Krüger und Martin Schmidt. Sie hatten sich in Gesprächen mit Kutter- und Küstenfisch bereit erklärt, sich an der Finanzierung zu beteiligen oder Gebühren in vierstelliger Höhe zu zahlen. „Aber die haben gar kein Interesse.“ Das will Bürgermeister Frank Kracht abklären. „Ich werde alle Beteiligten zu einer großen Gesprächsrunde einladen“, kündigte er an. Dort soll über die Anforderungen gesprochen werden, die eine solche Anlage erfüllen müsste. Die Kommune hat ohnehin laut Bebauungsplan im Bereich der Wasserschutzpolizei eine Möglichkeit vorgesehen, Boote zu Wasser zu lassen. „Schließlich wollen wir nicht nur ein Tourismushafen sein, sondern auch ein Fischereihafen bleiben“, unterstreicht er den Willen, eine Lösung zu finden.

Maik Trettin

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