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Rügen Für 1,4 Millionen: Waldhalle wurde Welterbeforum
Vorpommern Rügen Für 1,4 Millionen: Waldhalle wurde Welterbeforum
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00:01 03.06.2017
Ziwschen diesen beiden Bildern liegen 87 Jahre: Aus der einstigen Waldhalle – hier ein Bild aus dem Jahre 1930 – wurde das Welterbeforum im Jahr 2017. Quelle: Fotos: Stadtarchiv Sassnitz, Susann Flade
Sassnitz

Eigentlich sind die Arbeiten am künftigen Welterbeforum abgeschlossen. Am Dienstag will Bundeskanzlerin Angela Merkel das neue Ausstellungsgebäude in der Stubnitz eröffnen. Doch noch immer wird tüchtig gewerkelt. Die ersten Mieter passen ihr neues Zuhause ihren Bedürfnissen an. „Die Fledermäuse und Schwalben haben die Nisthilfen, die wir für sie installiert haben, schon in Beschlag genommen“, freut sich Mark Ehlers, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Nationalpark-Zentrum Königsstuhl, die auch das neue Welterbeforum betreibt. Vor allem die Schwalben bauen an ihren neuen Quartieren noch tüchtig an und polstern sie aus, damit alles perfekt ist, wenn die ersten Gäste ins Haus kommen.

Im Herbst 2014 wurde der Umbau des Gebäudes gestartet / Am 6. Juni wird es von der Bundeskanzlerin eröffnet

An dessen etwa 1,4 Millionen teuren Umbau wurde seit dem Herbst 2014 gearbeitet. Dank einer Spende der Umweltschutzorganisation WWF konnte die Stadt das ehemalige Ausflugslokal in der Stubnitz kaufen und mit Fördermitteln zum Naturerbeforum herrichten lassen. Wenngleich auch hier das erklärte Ziel ist, Rüganer und Gäste für die Natur auf Jasmund zu begeistern: „Das wird kein Nationalpark-Zentrum in klein!“, versichert Ehlers. Am Königsstuhl werde die Natur in einer Schau auf besondere Weise inszeniert, in der Waldhalle soll der Wert des Weltnaturerbes schlicht und mit wenigen – deutschen und englischen – Worten erklärt werden. Dabei werde weniger auf Computeranimationen und lange Texte, sondern mehr auf Bilder gesetzt.

Rasten und auftanken können Radler und Wanderer in dem früheren Ausflugslokal auch künftig. Das Haus ist täglich bei freiem Eintritt von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die Besucher können sich in der Ausstellung umsehen, an einer Tafel oder auf der Terrasse sitzen, dort ins Gespräch kommen und sich dabei nicht nur geistig, sondern auch körperlich stärken. „Wir bieten einen kleinen Imbiss an“, sagt Ehlers. In einem separaten Gebäude sind öffentliche Toiletten untergebracht.

Die Eröffnung der neuen Waldhalle wird der Höhepunkt der Unesco-Welterbetage sein, die vom 4. bis 6. Juni im Nationalpark Jasmund sowie im Nationalpark- Zentrum Königsstuhl stattfinden. Ab 14.30

Uhr können Rüganer und Insel-Besucher das Haus in Augenschein nehmen. Am Pfingstsonntag lädt das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl mit regionalen und bundesweiten Partnern zu einem bunten Programm ein.

Am Pfingstmontag steht eine Sternwanderung mit Mitarbeitern des Nationalparkamtes auf dem Programm. Start ist um 11 Uhr an verschiedenen Orten; Ziel wird das Nationalpark-Zentrum sein.

Apropos Wandern: Die Waldhalle ist seit dem 1. März offiziell nur noch per Rad oder zu Fuß zu erreichen. Den Weg dorthin hat das Nationalparkamt hergerichtet. Nein, nicht wegen des angekündigten Besuchs der Kanzlerin, wehrt der für Jasmund zuständige Dezernent Dr. Ingolf Stodian lachend ab: „Der Waldhallendamm ist jetzt ein Versorgungs- und ein Rettungsweg.“ Als solcher müsse er nicht nach allen Regeln der Straßenbaukunst ausgebaut, aber im Ernstfall befahrbar sein. Die Mitarbeiter des Nationalparkamtes auf Jasmund haben mit eigener Technik in den vergangenen Tagen Schotter im Wert von 36000 Euro am Rande des Damms verteilt. Die Versorgungs- und die Rettungsfahrzeuge können die Pflasterstraße jetzt zwar nach wie vor nur langsam, dafür aber auch sicher befahren.

Im Gegensatz zu anderen Rettungs- und Waldwegen in der Stubnitz wird der Waldhallendamm nicht durch einen Schlagbaum gesperrt sein – jedenfalls noch nicht. „Wir haben Verbotsschilder aufgestellt und setzen auf die Einsicht der Autofahrer“, sagt Stodian. Die fänden – sollten sie den Damm doch befahren – an dessen Ende ohnehin keine Parkmöglichkeiten.

Bretterbude war erste Waldhalle

1874 baute der Sagarder Tischlermeister Fritz Koch eine Bretterlaube, nannte sie Waldhalle und bewirtete in der Saison Urlauber. Sein Sohn Fritz Koch junior errichtete das zweistöckige Gebäude, das das ganze Jahr über betrieben wurde. Als der 1915 im Alter von 55 Jahren starb, übernahm seine Frau für kurze Zeit das Haus. Dann wechselten die Besitzer häufig. 1919 gehörte es Ernst Gramm, 1925 Willy Wirsching. 1927 brannte das Gebäude ab. Heinrich Grau aus Binz stellte ein Jahr später den Antrag, es wieder aufzubauen. 1932 wird Restaurateur Ernst Kern als Inhaber des Gasthauses erwähnt, das von 1937 bis 1952 den Eheleuten Hubert und Hedwig Hertel gehörte. 1954 übernahm es die Reichsbahn-Direktion Halle als Ferienheim, bevor wieder zahlreiche Privateigentümer das Haus bewirtschafteten. 2013 kaufte es die Stadt von der damaligen Gastwirtsfamilie Strehlow.

Maik Trettin

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