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Rügen Für ihn ist es das schönste Fleckchen Erde
Vorpommern Rügen Für ihn ist es das schönste Fleckchen Erde
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00:00 23.09.2016
Joachim Berg hofft auf Rückgabe des entzogenen Denkmalschutzstatus' und zeigt die Musterachse, die er derzeit als Grundlage herstellt, um die Behörden zu überzeugen. Quelle: Fotos: Uwe Driest

Über Alter und Beruf spricht Joachim Berg nicht gern. „Es sollte zählen, ob jemand aktiv ist oder nicht“, findet der 76-Jährige. Der gebürtige Bielefelder lebt in Hamburg, wo er in bester Lage am Elbufer zwischen Strandperle und Elbpark seine Firma „Strandgut – An- und Verkauf von Antiquitäten und Kunstwerken jeglicher Art“ betreibt.

Diese Affinität zu alten Dingen ließ 2002 sein Herz höher schlagen, als er nach Rosengarten kam. „Gut Rosengarten ist für mich einer der schönsten Flecken der Erde. Ich begann damit, die ehemals zum Gutsgelände gehörenden Grundstücke durch Ankauf wieder zusammenzuführen und ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln. Dabei geht es um den Erhalt des Denkmalensembles, das ich wieder zum Leben erwecken möchte“, nahm er sich vor.

Das sollte sich schwieriger gestalten, als es zunächst den Anschein nahm. Immerhin aber entstand inziwschen der Ende des 18. Jahrhunderts angelegte Landschaftspark in altem Glanz. „Während der Arbeiten stießen wir auf den alten Grabstein des letzten Gutsherrn Gustav Wohltmann und seiner Frau und ich ließ die Grabstätte in würdevoller Form wieder herrichten“, sagt Berg. Der Park lade nun wieder zum Spazierengehen und Verweilen ein. Die Beek, gereinigt und entrümpelt, fließe munter und bildet gemeinsam mit Wiesen und Böschungen ein idyllisches Biotop, wirbt Berg für sein Projekt.

Besucher sind auch zwischen dem „Tag der Offenen Gärten“ und der „Bio-Landpartie“ gern gesehen und wenn im April ein gelber Teppich aus Narzissen entsteht, gibt der Eigentümer die zum Selberpflücken frei. Höhepunkt sind die 1500 Rhododendrenbüsche, die im Sommer entlang der Zuwegung und zwischen dem altem Baumbestand blühen.

Aus dem verfallenen Gutshaus möchte Berg seit Jahren ein Hotel mit Restaurant und Café machen. Weil er aber mit Bau- und Denkmalschutzbehörden keine gemeinsame Sprache finden konnte, mündeten gut gemeinte Aktivitäten in Baustopp und dem Entzug des Denkmalschutzes für die Immobilie. So sei der Dachstuhl mit Schwamm versehen gewesen, weswegen er Dach und Dachstuhl abnehmen ließ. Das offene Dach und der Baustopp setzten dem bereits durch einen verheerenden Brand im Jahr 1996 massiv in Mitleidenschaft gezogenen Haus abermals zu und führten zu dem heutigen traurigen Bild, in dem lediglich Fragmente der Fassade noch vom einst stolzen Gutshaus zeugen.

Jüngst begann Joachim Berg mit der Ausgestaltung einer „Musterachse“ mit Schmuckelementen und Fenstern nach historischer Vorgabe. Auf diesem Weg möchte er den verloren gegangenen Denkmalschutz-Status wiedererlangen, um schließlich das Haus in alter Pracht wieder errichten zu können.

Das andere Standbein des neuen Herrn von Rosengarten ist der Landbau, den er sich „aus Überzeugung“ bio-zertifizieren ließ. Betriebsleiter Tim Burchardt (30) sorgt für den Kundenkontakt, Fanni Anklam ist für Hofladen und Café verantwortlich, Rüdiger Settegast versorgt die Tiere und Gisbert Haug beschickt Märkte mit Obst und Gemüse. „Wir bauen heimische Gartenfrüchte und kulinarisch interessante Gemüse an, darunter viele alte, vergessene Sorten“, lautet die Philosophie des Betriebs, zu dem Gewächshäuser, Streuobstwiese und eine Apfelallee gehören. Alle Produkte beliefert Gut Rosengarten auch im Abo an Hotels, Campingplätze, Schulen und Privatpersonen.

Der Verfall begann nach der Wende

Seit Anfang des 15. Jahrhunderts befand sich das Gut im Besitz des Klosters Eldena.

Nachdem Rügen 1815 preußisch wurde, erwarben es nacheinander die Familien von Rosen, von Langen, Freiherr von Maltzan und Gustav Wohltmann.

1955 wurde das Herrenhaus zum Kinderheim. Nach der Wende begann der Zerfall des Hauses.

2002 begann Joachim Berg mit dem Ankauf der zerstückelten Areale.

Uwe Driest

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