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Für viele Flüchtlingsfamilien ist Rügen die neue Heimat

Bergen Für viele Flüchtlingsfamilien ist Rügen die neue Heimat

Das ehrenamtliche Engagement der Helferkreise auf Rügen ist enorm / Seit Oktober 2015 wird die ehrenamtliche Hilfe von einer Koordinatorin gesteuert

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Karin Schulte-Ladbeck (re.) engagiert sich ehrenamtlich in der Sprach-AG, in der Ausländer Deutsch lernen. Fotos (2): Gaia Born

Bergen. Draußen strahlt die Sonne vom Himmel, bestes Badewetter. Doch in den Räumen des Jugendrings haben sich dennoch zahlreiche Flüchtlinge eingefunden, die das Angebot des Vereins nutzen und in der Sprach-AG Deutsch lernen wollen. Manche von ihnen stecken seit zwei Jahren im Asylbewerberverfahren, wie Faroug Amiri aus Afghanistan mit seiner Frau Mehria und Tochter Aweed. Sie mögen Rügen und haben hier ihre neue Heimat gefunden. „Es ist toll auf einer Insel zu sein. Wir nennen uns gern Inselkinder“, sagt die 18-jährige Aweed.

OZ-Bild

Das ehrenamtliche Engagement der Helferkreise auf Rügen ist enorm / Seit Oktober 2015 wird die ehrenamtliche Hilfe von einer Koordinatorin gesteuert

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INSEL INTIM

Stefanie Büssing

berichtet aus

Rügens Szene.

☎ 03838/2014835

Sie und ihre Familie sind auf ehrenamtliche Flüchtlingsangebote wie die Sprach-AG des Jugendrings angewiesen. Denn als nicht anerkannte Flüchtlinge haben sie kein Anrecht auf einen offiziellen Integrationskurs. Doch solche Angebote gibt es viele, die Rüganer tun einiges für die Migranten auf der Insel. „Mich nervt es sehr, dass so viele Leute behaupten, dass hier nichts getan würde. Da stimmt wohl die Informationspolitik noch nicht so richtig“, ärgert sich Corinna Gregull, pädagogische Mitarbeiterin des Jugendrings in Bergen.

Vom Sprachkreis über Kleiderkammern, Musikprojekte, Fahrdienste und Hilfe bei Behördengängen reicht das Angebot, alles ehrenamtlich. Seit Oktober 2015 ist für die Koordination der Helfer eine eigene Stelle, finanziert vom Landkreis, eingerichtet worden. Antonia Hauser bekleidet diesen Posten nebenberuflich und bekommt täglich Anfragen von Rüganern, die helfen wollen. Sie vermittelt zwischen den Gruppen und hilft Bürgern, ihre Hilfsideen in die Realität umzusetzen. „Wir organisieren auch Weiterbildungen für die Ehrenamtlichen, wichtig ist zum Beispiel ein interkulturelles Training“, erklärt Hauser.

Dass so ein Training den Unterschied machen kann, zeigt sich im Alltag immer wieder: „Wir hatten einmal eine Italienerin, die ihre Sprache mit typisch italienischen Handgesten begleitet hat. Eine davon wird allerdings in der arabischen Welt als sehr obszön wahrgenommen. Da gab es Spannungen, bis wir das ausräumen konnten“, erinnert sich Hauser. Auch sonst klärt sie auf, zum Beispiel über den Status der Flüchtlinge. „Es macht einen Unterschied, ob man einen Asylbewerber oder einen anerkannten Flüchtling vor sich hat, sie haben andere Rechte und Pflichten. Davon hängt ab, wie wir ihm helfen können.“

Die Hilfe ist sehr individuell. „Großes Lob gebührt da der Stadt Bergen. Ihre Asylberater machen wirklich einen sehr guten Job. Jede einzelne Familie wird intensiv betreut“, weiß Gregull. Denn Familien wie die Amiris sind es, die hier auf Rügen ihre neue Heimat finden. „Ich halte das für ein positives Aushängeschild für die Stadt Bergen. Wir verzeichnen hier Zuzüge, sind also für Familien attraktiv und haben tolle Angebote für sie.“

Einer, den das auch freut, ist Wolfgang Kannengießer von der Dehoga. „Wir können Verstärkung brauchen. Das Gaststätten- und Hotelgewerbe sucht händeringend gute Leute. Da wäre es schon toll, wenn auch die Flüchtlinge sich zum Bleiben entscheiden würden.“ Doch gerade junge Migranten bleiben meist nicht auf der Insel. „Sie wollen oder können oft nicht hierbleiben“, erklärt Gregull.

Denn natürlich haben auch die Flüchtlinge in ihrer Heimat Jobs erlernt und wollen möglichst nah an ihren ehemaligen Beruf heran. „Und für diese jungen Menschen fehlt auf Rügen einfach das Angebot, ebenso wie für deutsche Jugendliche. Außerdem: Wie sollen sie einen Saisonjob in der Gastronomie machen, wenn sie sich kein Auto leisten können und die Infrastruktur fehlt“, fragt die engagierte Pädagogin.

Manchmal ist es auch der Austausch, der fehlt. Zwischen den Helferkreisen, die die Flüchtlinge gut kennen gelernt haben, die wissen, wo der Schuh drückt und den öffentlichen Stellen, die oft lange Wege einzuhalten haben. Greifswald hat eine Lösung gefunden. „Es ist bestimmt nicht der einzig richtige Weg“, sagt Heiko Miraß. Er ist nicht nur Chef der Arbeitsagentur in Greifswald, sondern Vorsitzender eines Sonderausschusses des Kreistages für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten. In dieser Funktion engagiert er sich für die Eingliederung von Flüchtlingen in die Gesellschaft. Und ist sich sicher: „So können wir uns mit den Problemen besser beschäftigen, auch in die Tiefe gehen. Das ist in den Sitzungen des Kreises so nicht möglich.“

So wolle die Politik und die Verwaltung von Greifswald es allen Seiten – Flüchtlingen, Einheimischen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern – leicht machen, aufeinander zuzugehen, Transparenz zu schaffen und in Notfällen schnell reagieren zu können. Außer einem „roten Telefon“ für Notfälle hat der Ausschuss nun auch eine direkte Maßnahme ergriffen: „Wir haben es geschafft, sieben Integrationslotsen einzusetzen. Sie werden vom Kreis finanziert.“

Gaia Born

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