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Rügen Fusionsidee spaltet Gemeinde
Vorpommern Rügen Fusionsidee spaltet Gemeinde
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16:49 16.04.2018
Rund 250 Besucher nahmen am Forum zur geplanten Fusion zwischen Altefähr und Stralsund teil. Quelle: Jens-Uwe Berndt
Altefähr

Als Sonnabendmittag die rund 250 Besucher die St. Nikolai-Kirche in Altefähr verließen, war nur eines klar: Es geht ein Riss durch die Einwohnerschaft. Gemessen an den Wortbeiträgen während des Forums zur geplanten Fusion der Gemeinde mit der Hansestadt Stralsund halten sich die Befürworter eines Zusammenschlusses mit dessen strikten Gegnern die Waage. Aber trotz zum Teil vollkommen gegensätzlicher Auffassungen, war die Veranstaltung gesittet abgelaufen und von einem ehrlichen Interesse der Besucher geprägt gewesen.Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) hatte den Anfang gemacht und über all die Vorteile gesprochen, die die Altefährer bei einer Fusion mit seiner Stadt erwarten würden: kürzere Wege, ein stündlicher Pendelverkehr mit Bus und Fähre, Straßensanierungen, Ausbau der Infrastruktur, bessere Nahversorgung. Möglich werden soll das mit einer Finanzspritze vom Land in Höhe von bis zu 2,8 Millionen Euro. Das Geld sei dann zwar zur Tilgung von Altschulden zu verwenden, gleichzeitig werde Badrow in seinem Haushalt aber eine gleich hohe Summe locker machen, die dann vollständig in die Entwicklung von Altefähr fließe. Dabei verhehlte Badrow nicht, dass die Fusion ihm vor allem wegen der Erschließung neuen Baulandes am Herzen liege. Dabei verwies er auf die Fläche „zwischen Ortskern und B 96“.

Zahlenspiele

Ingulf Donig (SPD), Bürgermeister von Altefähr, stellte wiederum dar, dass es mit den Finanzen der Gemeinde rapide bergab gehe. Von den 1,1 Million Euro umfassenden Gemeindehaushalt gingen 500 000 als Umlage an den Kreis (Donig: „Damit die Verwaltung dort arbeiten kann.“), 250 000 Euro schlucke die Amtsverwaltung in Samtens, 70 000 die Schulumlage und die Kita koste 60 000 Euro. „Bleiben uns vielleicht noch 100 000 Euro, um etwas für die Gemeinde zu tun.“ Und das Geld werde in Zukunft nicht mehr. Deshalb sei die Fusion so enorm wichtig.Jürgen Diederich (73), in siebenter Generation in Altefähr ansässig, zeigte sich äußerst skeptisch. „Rosarote Berge sind nichts gegen das, was Sie uns hier versprechen, Herr Badrow“, sagte Diederich. „So sehr auf Rosen gebettet ist die Hansestadt auch nicht, dort gibt es genug Probleme.“ Es sei zu prüfen, ob nicht eine Großgemeinde mit umliegenden Partnern gebildet werden könne. Denn: „Altefähr ist eine ländliche Region. Wir passen nicht zu Binz und ebenso wenig zu Stralsund.“ Schon 1928 hätten die Altefährer es abgelehnt, sich der Hansestadt anzuschließen. Und das, so Diederich, hätten sie nicht von ungefähr getan.Oliver Petrich, ein Zugezogener, stieß ins gleiche Horn. „Stralsund hat eine Haushaltskonsolidierung, 97 Millionen Euro Schulden, zwei arme werden nicht eine reiche Kommune.“ Im Verlauf der Debatte nannte er die Ausführungen von Badrow und Donig „Pseudoargumente“ und kritisierte vor allem, dass Drohszenarien aufgebaut würden, die aus „der Mär von einer Zwangsfusion oder einer Gewerbesteueranhebung“ bestünden.

Entscheid oder Befragung

Siegfried Rudolph, ehemaliger langjähriger Vize-Bürgermeister von Altefähr, beklagte, dass der Gemeinde Vieles abhanden gekommen sei. „Wenn wir aber Seebad bleiben wollen, wäre es gut, wenn uns Stralsund dabei hilft“, sagte er. Deshalb favorisiere er die Fusion. Zwei, drei weitere Anwesende, die sich zu Wort meldeten, äußerten sich ebenfalls positiv zu einer möglichen Vereinigung. Mit Beifall bedacht wurden beide Seiten.Zum Aufreger könnte in den nächsten Wochen noch die Beteiligung der Bürger am Entscheidungsprozess werden. Auf Nachfrage verkündete Ingulf Donig, dass die für den 27. Mai geplante Bürgerbefragung „erst einmal weggeschoben“ werde. „Wir wollen noch weiter informieren, allen Haushalten Postwurfsendungen zukommen lassen – und wer möchte, kann sich Herrn Badrow auch zu einem Gespräch einladen“, sagte Donig. Die Befragung solle dann in der zweiten Hälfte dieses Jahres erfolgen. „Sind 70 Prozent der Einwohner dagegen, machen wir das nicht.“ Einen Bürgerentscheid lehnte Donig kategorisch ab. Das begründete er vor allem mit dem hohen bürokratischen Aufwand, der mit der Vorbereitung solch eines Entscheides verbunden sei.Alexander Badrow vertrat die Ansicht, dass es kaum einen Unterschied mache, ob ein Bürgerentscheid oder eine Bürgerbefragung durchgeführt werde. „Die Leute werden in jedem Fall gefragt und können ihre Meinung kundtun“, sagte er. Im September soll es eine zweite Veranstaltung wie die von Sonnabend geben.

Berndt Jens-Uwe

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