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Ganz viel Platz für Fantasie und Seele

Bergen Ganz viel Platz für Fantasie und Seele

In der Kinderwerkstatt „Phantasilie“ geht alles ganz einfach, aber nicht leicht

Bergen. Jonte sitzt stolz auf einem Stuhl aus Pappmaché. Er ist zum Thron umgestaltet worden – und als Geburtstagskind ist das heute Jontes Ehrenplatz. Alle sind gekommen, um zu gratulieren: Der Kaspar – gespielt von Erzieherin Sibylle Riegenring – hat ein Geschenk versteckt, die Torte. Das Eichhörnchen und der Hahn reichen artig die Hand und lassen Jonte hochleben.

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In der Kinderwerkstatt „Phantasilie“ geht alles ganz einfach, aber nicht leicht

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  Die 16 Kinder aus der Kinderwerkstatt „Phantasilie“ gestalten den fünften Geburtstag ihres Freundes ganz aktiv mit, sie denken sich Wünsche für ihn aus, tanzen um ihn herum und lassen den Tag für ihn zu etwas ganz besonderem werden. „Das ist Teil unseres Konzeptes. Wir nehmen die Impulse der Kinder im Alltag mit auf und lassen sie selbst gestalten“, erklärt Maria Barbara Menzel den reformpädagogischen Ansatz der Kindertagesstätte in Bergen. „Bei uns ist alles ganz einfach, aber nicht leicht – wir verwenden Naturmaterialien zum Spielen, in unseren Räumen soll die Ausstattung miteinander verwendbar und veränderbar sein.“ Und so stehen denn im großen Gruppenraum keine Plastikwürfel, sondern alte Bananenkartons, statt chromblitzender Schränke verbreitet ein alter Schreinerschrank mit vielen Schubladen Gemütlichkeit. „Bei uns hat eben alles ein bisschen Werkstattcharakter“, lacht Maria.

  Das fängt schon bei der Unterbringung an: Es ist ein ganz normales Wohnhaus, in dem die Kinderwerkstatt ihre Räume hat, jeder Winkel ist ausgenutzt, überall gibt es Rückzugsmöglichkeiten. Und wer in den Garten tritt, staunt über die Ausdehnungen mitten in Bergen: Immer geht es noch einen kleinen gewundenen Pfad weiter, immer öffnet sich noch eine kleine, mauschelige Ecke. „In dieser schnelllebigen Zeit sollen die Kinder hier eine Stätte der Entschleunigung haben. Auch das Lernen geht dann spielerisch, wie nebenbei“, sagt Maria. Sie ist selbst ausgebildete Montessori-Erzieherin und bringt gern Elemente von Waldorf und Montessori in den Kindergartenalltag ein. „Bei uns gibt es zum Beispiel keine Bastelvorlagen, nach denen die Kinder gestalten. Sie sollen ihre eigene Kreativität entwickeln.“

  Und das funktioniert, die Kinder schaffen außergewöhnliche Kunstwerke, gestalten mit Ton, Farbe und Holz. Auch Projekte, die sich über Wochen hinziehen, sind hier möglich. „Aktuell arbeiten die Großen, die bald zur Schule gehen werden, an Marionetten, die zum Sommerfest ein Theaterstück aufführen sollen.“ Dafür haben sie geschnitzt, mit Pappmaché gearbeitet und gemalt – und sich ein Theaterstück ausgedacht, das nun noch geprobt werden will.

  So viel Kreativität und künstlerisches Schaffen strebt ans Licht – und so hat sich mittlerweile ein Netzwerk in Bergen gebildet, in dem die Kinderwerkstatt Phantasilie ihren festen Platz hat. „Es ist wunderbar, wie sich Projekte ergeben. Eine Ausstellung im Sana-Krankenhaus zeigt gerade die Werke, die die Kinder und Schüler des EMA Gymnasiums als Hommage an Anneliese Hoge gemalt haben“, erzählt Maria. Fantasie und Natur stecken eben beide in der „Phantasilie“.

Entstehung

Die Kinderwerkstatt „Phantasilie“ wird von einer Elterninitiative, dem Verein Phantasilie, getragen. Sie ist 1998 durch die große Nachfrage nach neuen Wegen entstanden und bis heute sehr gefragt – in den nächsten zwei Jahren sind die Wartelisten für die Einrichtung komplett ausgebucht.

Ein Jahr lang wurde die „Phantasilie“ geprüft und darf sich nun eine „Einrichtung mit besonderem pädagogischen Profil“ nennen. Kinder und Erzieher sind stolz auf das Prädikat „ökologisch naturverbunden“, das der Landkreis an sie vergeben hat.

Gaia Born

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