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Rügen Gegen Bebauung: Camper gehen in die Offensive
Vorpommern Rügen Gegen Bebauung: Camper gehen in die Offensive
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00:00 31.08.2018
Garz

44 Häuser sollen auf dem Naturcampingplatz Pritzwald entstehen. Camper befürchten, dass ein anderes Klientel den Platz besuchen wird, die mit Naturcamping nichts zu tun haben. Sie haben eine Unterschriftenaktion in der Stadt und im Internet gestartet. In der kommenden Woche wollen sie auf einer Einwohnerversammlung mit der Bürgermeisterin, den Stadtvertretern und dem Pächter über die Pläne diskutieren. Der Betreiber wehrt sich dagegen, den Naturcampingplatz in eine Betonlandschaft zu verwandeln.

Mitglieder der Bürgerinitiative haben unter anderem Banner rund um Garz aufgehängt. Quelle: Foto: Privat

Zum Hintergrund: Pächter Jens Brauer plant, 2,1 der 7,2 Hektar großen Fläche zu überbauen. Dafür hat er die Zustimmung der Stadtvertreter bekommen. 44 Bungalows mit einer Fläche bis 86 Quadratmeter sind geplant. 1,5 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf bis zehn Jahren investiert werden. Es sollen laut Brauer rund vier Hektar für das Camping verbleiben, und 90 Prozent der Dauercamper seien nicht von dem Thema betroffen. Allenfalls müssen sie ihre Unterkünfte einmal abbauen und würden danach wieder unbegrenzt stehen bleiben können. Dazu gehören knapp 40 Dauercamper, die widerrechtlich feste Bauten errichtet hätten. „Alles, was dort steht, ist nicht genehmigungsfähig.“ Gemeinsam mit der Gemeinde habe er einen gültigen B-Plan und damit einen zeitgemäßen ordnungsrechtlichen Rahmen erstellt. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass die Camping-Verordnung des Landes gelte.

„Durch den geplanten Umbau geht aber die Existenz des Platzes verloren“, meint Andreas Meyer von einer Bürgerinitiative, die sich gegen die Pläne des Pächters richtet. „Es ist so traurig. Aus einer kleinen naturbelassenen Fläche, die viele Leute schon seit den 60er Jahren lieben und schätzen, wird ein Ort gemacht, wie er an jeder anderen Stelle auf der Insel zu finden ist. Bitte machen Sie die Entscheidung wieder rückgängig.“ Mit diesen Worten wandte er sich im Namen der Initiative an die Garzer Kommunalpolitiker während der jüngsten Stadtvertretersitzung. Und er überreichte Bürgermeisterin Gitta Gohla (parteilos) eine Unterschriftensammlung. 1444 Leute haben bis Mitte August gegen die Errichtung der 44 Häuser auf diesem Platz unterschrieben, darunter 871 Garzer Bürger.

Die Camper sind in den vergangenen Tagen in die Offensive gegangen. Plakate haben sie entworfen und große Banner aufgehängt. Weiterhin haben sie in allen Garzer Haushalten Flyer verteilt, auf denen die Ziele der Camper verdeutlicht sind. Darauf steht etwa: „Wir fordern den Erhalt des Charakters unseres Naturcampingplatzes – für uns und unsere Gäste, die genau wegen der Einzigartigkeit und Ursprünglichkeit zu uns kommen.“ Auch, dass sie die gewählten politischen Vertreter der Stadt auffordern, eine kluge und nachhaltige Entwicklung „an diesem so einzigartigen Ort“ voranzubringen. „Wir haben alle Stadtvertreter und die Bürgermeisterin angeschrieben. Stellungnahmen gab es bisher noch nicht“, sagt Stadtvertreterin Eike Lüth (Freie Wählergemeinschaft Garz), die sich der Initiative angeschlossen hat. „Aktuell haben wir sogar 2636 Unterstützer, darunter 1164 Garzer Einwohner“, ergänzt sie.

Die Initiative möchte die Versammlung am 4. September in der Garzer Aula (18 Uhr) nutzen, um sachliche und konstruktive Argumente gegen die Errichtung dieser 44 Häuser anzubringen. „Wir sind nicht gegen den Investor, aber wir haben etwas gegen diese Bebauung“, sagt Andreas Meyer.

Der Pächter Jens Brauer ist verwundert über die Argumente der Camper. „Dieses Vorhaben ist schon seit mindestens zwei Jahren bekannt. Es hat in dieser Zeit aber niemand das Gespräch gesucht, um mir zu sagen, was sich die Camper wünschen“, sagt er. Er kann die Sorgen der Leute aber verstehen und erklärt, dass die Anlage Naturcamping Rügen Pritzwald auch weiterhin eine Ferienanlage bleiben wird.

„Von den zu überbauenden 2,1 Hektar werden nur 15 Prozent versiegelt. Das Erscheinungsbild wird sich also nicht zu sehr verändern“, sagt er.

Jens Brauer will zudem die Stranddüne anheben lassen, damit die Camper künftig vor Sturmfluten geschützt sind. Zuletzt ist der Campingplatz 2017 durch Sturmtief „Axel“ verwüstet worden. Durch diese Maßnahme würde sich zudem der Strandabschnitt verbreitern. Auch ein Brandschutzkonzept will er erarbeiten. Dazu müssen etwa Löschwasservorrichtungen, Feuerlöscher und ein Notfallplan errichtet und bereitgestellt werden.

Baumaßnahme ab 2019

Der aufgestellte B-Plan umfasst unter anderem das Baurecht für bis zu 44 Bungalows ab 24 Quadratmeter Wohnfläche bis hin zu 86 Quadratmeter zuzüglich Terrassen. Außerdem sollen wichtige Öko-Ausgleichsflächen sowie Ausgleichsmaßnahmen im Nationalpark geschaffen werden. 300 Elektroanschlüsse sollen erneuert werden, auch die Antennenanlagen und Netzanschlüsse. Umgesetzt werden soll diese Baumaßnahme ab 2019 in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren mit einem Investitionsaufwand von 1,5 Millionen Euro. Die Investitionen sollen nach und nach aus einem Teilverkauf von neu zu erstellenden Bungalows und aus touristischen Vermietungen von Stellplätzen mit Bungalows erfolgen.

Mathias Otto

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