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Generationenwechsel auf dem Rügener Tegelhof

Sehlen Generationenwechsel auf dem Rügener Tegelhof

Reitlehrerin Astrid Jahn geht auf große Reise, Nachfolgerin wird Saskia Arlt

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Die Staffelmöhre hält nicht mehr lange: Friese Leo mit Besitzerin Eva-Maria Schreiber zwischen Astrid Jahn (links) und Saskia Arlt.

Quelle: Gaia Born

Sehlen. Es war kein Staffelstab aus Holz, den Astrid Jahn an der Nase des Friesen Leo an ihre Nachfolgerin Saskia Arlt weitergab: Die symbolische Möhre überlebte die Übergabe nur kurz und verschwand dann im Maul des zufrieden kauenden Pferdes. „So muss das sein: Glückliche Pferde“, lachte Saskia Arlt. Sie wird zukünftig den Reitbetrieb auf dem Tegelhof allein weiterführen, Astrid Jahn war zur Übergabe schon im brandneuen Mini aus Rostock angereist. „Ich habe den Reitbetrieb hier 10 Jahre lang geleitet. Nun ist es für mich an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren“, fasste die 53-Jährige den Grund ihres Weggangs zusammen.

Dabei hatte sich schon in den letzten drei Jahren eine Veränderung auf dem Tegelhof angedeutet. „Begonnen hat alles mit meinem 50. Geburtstag. Damals haben Freunde mir eine Irlandreise geschenkt“, erinnert sich Astrid Jahn. Die Reise konnte sie wegen der schweren Erkrankung eines ihrer sieben Pferde nicht antreten. „Aber der Traum von Irland ist geblieben und drehte sich immer in meinem Kopf. Irgendwann fing ich an, die jungen Leute um ihr Work-und-Travel-Jahr zu beneiden und überlegte, ob sowas nicht auch mit 50 noch geht“, erzählt die Reitlehrerin. Für ihre Pläne findet sie auf dem Tegelhof volles Verständnis – und mit Saskia Arlt eine würdige Nachfolgerin.

Reiten als Lebenseinstellung

„Es war wirklich Schicksal“, sagt Saskia Arlt. Seit zwei Jahren ist sie mit Tegelhofbesitzer Sven Arlt verheiratet, war auch beim 50. Geburtstag von Astrid Jahn dabei. „Ich wollte nie etwas anderes werden als Pferdewirtin. Auf dem Tegelhof wurden meine helfenden Hände von Anfang an gebraucht – und ich bin immer mal wieder im Schulbetrieb eingesprungen“, erinnert sich die 24-Jährige. Da schien es nur natürlich, sich noch intensiver einzubringen: „Die Überlegung, Reitunterricht zu geben, stand ohnehin im Raum. Deshalb habe ich nicht lange nachdenken müssen, als Astrid auf mich zukam.“ Also bildet die gelernte Pferdewirtin sich weiter und erwirbt im Februar vor der Prüfungskommission der deutschen reiterlichen Vereinigung ihren Trainerschein C. „Reitlehrer kann sich jeder nennen, es ist kein geschützter Beruf“, erklärt sie. „Deshalb war es mir wichtig, auch weitere Qualifikationen vorweisen zu können.“Den Unterricht möchte sie in Astrid Jahns Sinne weiterführen. „Wir sind uns da sehr ähnlich, begreifen das Reiten und den Umgang mit den Pferden als Lebenseinstellung.“ Das gefällt den Reitschülern, die Anfragen häufen sich. „Mir ist es wichtig, dass Pferd und Reiter sich verstehen, in Harmonie miteinander arbeiten. Dahin führen viele Wege, ich versuche, für jedes Gespann die richtige Herangehensweise zu finden“, sagt Saskia. Deshalb arbeitet sie auch nicht disziplinspezifisch: „Nur Springen, nur Dressur – das ist nichts für mich. Das Gelände des Tegelhofs ist dafür wirklich dankbar, wir können hier alles ausprobieren.“

Bereit für neue Erfahrungen

Das möchten die Tegelhofer auch gern unter Beweis stellen. „Unser nächstes Vielseitigkeitsturnier für die Klassen E bis A wird am Samstag, 22. April stattfinden. Außerdem haben wir einen Geländeritt ausgeschrieben“, kündigt Saskia an. Dafür hat das Tegelhof- Team eigens ein neues, spektakuläres Wasserhindernis gebaut. Etwa 120 Starts stehen zwischen 9 und 17 Uhr an. Astrid Jahn ist dann wahrscheinlich schon auf dem Weg nach Irland. „Ich habe hier alles losgelassen, meine Pferde gut untergebracht. Ich bin bereit für neue Erfahrungen“, sagt sie. Auf dem Tegelhof wird sie immer ein gern gesehener Gast sein. Auch Sven Arlt, Eigentümer des Tegelhofs, nutzt die „Möhrenübergabe“, um sich bei Astrid Jahn zu bedanken. „Wir wünschen Astrid eine gute Reise. Sie hat den Tegelhof mitgeprägt und Strukturen hinterlassen, die bleiben werden.“

Gaia Born

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