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Rügen Geschafft: Zu Fuß von der Zugspitze zum Kap
Vorpommern Rügen Geschafft: Zu Fuß von der Zugspitze zum Kap
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00:00 13.08.2018
Kap Arkona

Verrückt – zu Fuß in 30 Tagen von der Zugspitze zum Kap Arkona. Torsten Oertel (52) hat es geschafft. Punkt halb fünf am Freitag lief er die letzten Meter zum Leuchtturm im Norden der Insel Rügen und posierte für das Ankunftsfoto. „Ich bin froh, dass ich es gemeistert habe und überglücklich angekommen zu sein“, sagt er. Genau 1019 Kilometer führte sein Weg tagtäglich zehn bis zwölf Stunden zu Fuß durch Bayern, Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. „Das Schönste waren vor allem die tollen und freundlichen Menschen am Wegesrand, die mir geholfen haben“, schwärmt der Langstreckenwanderer.

Er ist am Kap Arkona: Torsten Oelert ist nach 30 Tagen und mehr als 1000 Kilometern am Ziel seiner Wanderung und seines großen Traumes angekommen. Quelle: Foto: Petra Stengel

Eine Familie aus Penzlin in der Nähe von Neustrelitz ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. „Ich fragte nach einer Übernachtungsmöglichkeit und kam mit dem Ehepaar ins Gespräch. Die Beiden gingen gerade mit ihrem Hund spazieren. Der Mann fand mich so sympathisch, dass er mich zu sich nach Hause einlud und ich zur Abwechslung mal ein richtiges Bett zur Nacht hatte und eine erfrischende Dusche.“

Torsten Oertel beschreibt den Weg durch Mecklenburg-Vorpommern als besonders schwierig, da die nächste Übernachtungsmöglichkeit meist weiter entfernt gewesen sei als das zu erwandernde Tagesziel.

„Ich bin zu Beginn circa 40 Kilometer täglich gewandert, dann habe ich mich auf 35 Kilometer runter reduziert. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Ortschaften weiter auseinander.“

Für besondere Anlässe, wie die Übernachtungseinladung, hatte der derzeit in Leipzig lebende Verkaufsteam-Mitarbeiter auch immer ein sauberes T-Shirt mit. „Wenn ich in einem schönen Wohnzimmer sitze, wollte ich nicht unbedingt in einem verschwitzten Wandershirt auf der Couch Platz nehmen“, lacht er. Neben zwei Oberteilen, einer Wechselhose, einer Windjacke und einem etwas dickeren Fleecepullover beschränkte sich die Ausrüstung des Sportlers auf eine Zeltplane, die des nachts mit Hilfe der Wanderstöcke unter freiem Himmel als Dach diente, einer leichten Luftmatratze und einem Schlafsack.

„Meine Prämisse bei den Besorgungen galten natürlich dem Gewicht und dem Preis. Ein großes Zelt kam für mich nicht in Frage, zu sperrig und morgens wahrscheinlich klamm und schwer“, erzählt Torsten Oertel.

Der gebürtige Weißenfelser schwärmt von der Natur auf seinem Weg und von der Stille. „Ich hatte in den 30 Tagen keine Nachrichten gehört, keinen Fernseher gehabt oder sonst etwas. Ich habe einfach die Ruhe genossen mit mir und meiner Umwelt.“ Aber manchmal meldete sich seine innere Stimme, die ihn vom Weitergehen abhalten wollte. „Natürlich sagt der Kopf irgendwann: was soll das, hör auf, geh nicht weiter. Ich habe diese Stimme ignoriert.“ Körperlich meldeten sich auch die Füße und die Muskeln. Aber Torsten Oertel hat sich durchgekämpft. „Ich musste mich teilweise am Morgen aufraffen, um weiter zu gehen, ich war oft müde und ausgelaugt. Ich habe sogar ein paar Zehnägel verloren. Die wurden irgendwann blau, das war schon in Bayern zu spüren und hat mir aber nichts ausgemacht.“

Für Langstreckenwanderer gehöre das dazu genauso, wie auf andere körperliche Signale zu achten. „Es war sehr warm und ich hatte oft einen heißen Kopf, dann machte ich sofort Pause und erholte mich“, erzählt Oertel. Seine längste Unterbrechung waren an einem besonders warmen Tag zwei Stunden am Stück. „Mein Urlaub ist nur begrenzt und ich habe genau geplant, wie lange ich laufen muss, ich habe es ja geschafft im Zeitrahmen.“

Seine Etappenziele steckte sich der Sachse meist von Supermarkt zu Supermarkt. „Ich war Selbstversorger und brauchte natürlich was zum Essen, Geldautomaten und Apotheken.“ Seine Urlaubsausgaben beschränkten sich auf 1000 Euro für die gesamte Zeit. „Ich bezahlte eben mein Essen und Pensionen auf der Wegstrecke sowie die Anreise zur Zugspitze. Pauschalurlaub kommt für mich nicht in Frage“, sagt Oertel.

Sowieso verstehe er gar nicht, warum nicht mehr durch Hektik und Stress geplagte Menschen, nicht ein paar Schritte am Tag mehr machten. „Wenn Sie mal sich selbst fragen oder Bekannte, wann diese im letzten Jahr mehr als zehn Kilometer am Stück gegangen sind, wird da nicht viel Rückmeldung kommen. Für mich ist das Wandern eine Philosophie gegen den Stress des Alltages.“ Torsten Oertel nahm sich dabei ein Beispiel am Buch von Joe Kelly, der über seine Wanderung quer durch Deutschland berichtete. „Ich las vor sechs Jahren das Buch und dann wuchs die Idee, ebenfalls eine Strecke von mehr als 1000 Kilometer zurück zu legen.“ Oertel plante die Süd-Nord-Tour aus Liebe zur Ostsee. „Ich wollte unbedingt am Meer ankommen. Meine Kindheit verbrachte ich auf Zeltplätzen in Mecklenburg-Vorpommern“, erzählt der heute in Leipzig wohnende Freizeitwanderer.

Die nächsten Strecken sind schon geplant. Sie führen ihn nach Bad Doberan und Sylt. Bis dahin ist er aber erstmal einfach nur froh: „Ich bin glücklich, ich habe mir einen Traum erfüllt.“

Einst Ruderer und Marathoni

Torsten Oertel wurde in Weißenfels geboren und lebt seit 1996 in Leipzig. Vor der Wende studierte er in Kiew Automatisierungstechnik. Heute arbeitet er bei Schenker Technologies im Verkaufsteam.

Sportliche Erfolge feierte er als Jugendlicher im Rudern später bei diversen Marathons.

Sein erster 100-Kilomter-Marsch hatte es in sich. Darauf folgten weitere 100- bis 200-Kilometer-Fußmärsche am Stück.

Langer Urlaub und keine familiären Verpflichtungen ließen Oertels Traum wahr werden – 1019 Kilometer von der Zugspitze zum Kap.

Christine Zillmer

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