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Sassnitz/Frankenthal Gesund kann auch lecker sein

Rügener Experten sind sich einig: Frisch und abwechslungsreich sollte Essen heute sein

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Gordon Böttcher im Strandcafé Sassnitz vor der Kuchentheke Er meint frisch kochen ist die halbe Miete.

Sassnitz/Frankenthal. Die Kuchentheke sieht verlockend aus. Besonders ein cremiger, vor Schokolade strotzender Kuchen lacht dem Gast entgegen. Besonders gesund scheint der nicht zu sein. „Aber warum denn nicht“, fragt Gordon Böttcher, Chefkoch und Restaurantleiter im Strandcafé in Sassnitz. „Das ist eine Avocado-Schoko-Tarte mit Cranberries. Wenig Zucker, echter Kakao, vitaminhaltige Früchte.“ Soso. Und das soll schmecken? Der Selbstversuch zeigt: Tut es. Die meisten Gäste, die den Weg in das einzige, rein vegetarische Restaurant-Café der Insel gefunden haben, müssen nicht erst überzeugt werden. „Viele kommen, weil sie Unverträglichkeiten oder Allergien haben oder einfach bewusst essen wollen“, weiß Böttcher.

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Rügener Experten sind sich einig: Frisch und abwechslungsreich sollte Essen heute sein

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Seit zwei Jahren haben er und Kollegin Katja Böttcher das bekannte Café auf eine vegetarische und vegane Karte umgestellt. „Uns hat erst überrascht, wie viele junge Leute seither kommen“, meint Böttcher. Mittlerweile hat er die Erklärung: „Sie setzen ihre Maßstäbe anders und sind bereit, für ihr Essen Geld auszugeben. Dafür wollen sie genau wissen, was drin ist und wo es herkommt.“ Und das weiß der gelernte Koch nun wirklich ganz genau. „Wir sind nicht biozertifiziert, denn wir nutzen auch regionale Produkte von hoher Qualität, die kein Biosiegel haben. Dafür halten wir die Wege kurz, verzichten komplett auf Fertigprodukte. Bei uns ist alles frisch gekocht.“

Genau wie bei Elke Neugebauer. Sie führt in Frankenthal einen ökologischen Catering-Service, der Kindergärten, Schulen und Erwachsene mit frisch gekochtem Essen versorgt. Rund 400 Mahlzeiten verlassen jeden Wochentag ihre Küche, liebevoll und von Hand zubereitet aus Biozutaten. „Es ist gar nicht mehr selbstverständlich, dass Köche heute noch frisch kochen können“, seufzt die Götemitzerin. Schon lange sucht sie Unterstützung in der Küche, würde gern ein wenig mehr abgeben. „Aber manche Köche können noch nicht mal mehr Kartoffeln schälen. Das kommt in vielen Gastro-Küchen alles schon fertig aus der Tüte.“

Wenn man sich gesund ernähren möchte, ist eine frische, vollwertige und vielfältige Ernährung der Schlüssel, da sind sich Gordon Böttcher und Elke Neugebauer einig. „Manche haben sofort bestimmte Vorstellungen im Kopf, wenn sie 'Bio' hören“, erzählt Neugebauer. „Dabei heißt das doch noch lange nicht, dass es nicht schmeckt. Mir ist es lieber, manche wissen gar nicht, dass ich Bioprodukte verwende.“ Nach Kantinenessen schmeckt es bei ihr nun wirklich nicht. Wiederholungen kommen selten vor, Tomaten im Winter kommen nicht auf den Teller. Statt dessen gibt es Rote-Bete-Spaghetti.

Das rote Gemüse steht auch in Sassnitz auf der Speisekarte – als Risotto. „Die Rote Bete ist ein Tausendsassa und unbezahlbar. Sie enthält Betain, einen sekundären Pflanzenstoff, der die Leberzellen stimuliert, die Galle kräftigt und den Blutspiegel senkt. Die Folsäure in der Beete beugt Herzinfarkten und vielen Krankheiten vor. Sie macht einfach gute Laune“, lobt Gordon Böttcher. Mit seiner fast abgeschlossenen Weiterbildung in Diätetik weiß er, worauf es bei gesunder Ernährung ankommt. „Es ist wichtig, bewusst zu essen. Manchmal ist einem gar nicht klar, wie viel Zucker in den Produkten ist, die wir essen. Alle schimpfen auf die Fette, aber Zucker wird unterschätzt. Das heißt ja nicht, dass man ganz verzichten soll – aber schon kleine Einschränkungen haben oft große Wirkung.“

Bei einem Tipp für gesundes Essen sind sich Bio-Koch Böttcher und Catering-Managerin Neugebauer unbedingt einig: „Wer es gesund haben will, sollte öfter mal selbst kochen und dabei frische Zutaten verwenden. Das macht nämlich auch noch Spaß!“

Rezept zum Nachkochen: Rote Bete Risotto

Zutaten: 250 g frische Rote Bete, 1 Schalotte, 1 Knoblauchzehe, 1 Zweig Rosmarin, 2 EL Sonnenblumenöl, 200 g Risotto-Reis, 30 ml trockenen Rotwein, gut ½ l heiße, milde Gemüsebrühe, ca. 2 cm Bio-Orangenschale, Salz, Pfeffer, Agavensirup Zubereitung: Die Rote Bete schälen und in ca. 1 cm große Würfel schneiden (so haben sie nach dem Kochen noch Biss). Die Schalotte und den Knoblauch schälen und sehr fein würfeln, in einem Topf mit heißem Sonnenblumenöl leicht anschwitzen. Rote Bete, Rosmarin und Risotto-Reis dazugeben, ein guter Esslöffel Agavensirup schmeichelt den Zutaten. Das Risotto mit Rotwein ablöschen und verdampfen lassen, danach mit Brühe auffüllen und bei mittlerer Hitze garen. Eventuell Brühe nachgießen, bis das Risotto einen guten Biss hat. Die fein gehackte Orangenschale zugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken Tipps: Zum Andünsten kann raffiniertes Öl verwendet werden. Hochwertige Öle erst kurz vor dem Servieren unterheben. Den Knoblauch zart dünsten, nicht scharf anbraten. Seine Röstaromen passen sonst nicht zu diesem leichten Gericht. Den Rosmarinzweig nicht zupfen, so lässt er sich besser entfernen.

Rote Bete: Der enthaltene sekundäre Pflanzenstoff Betain stimuliert die Funktion der Leberzellen, kräftigt die Galle und hilft dabei, die Gallengänge gesund und frei zu halten. Das sorgt für eine reibungslose Verdauung, bei der Stoffwechselprodukte und Toxine vollständig ausgeschieden werden. Betain kann außerdem den Blutspiegel senken. Rote Bete ist eins der wenigen Lebensmittel, in der viel Folsäure enthalten ist. Sie beugt Schlaganfällen und Herzinfarkten vor, reinigt den Körper, beugt vielen Krankheiten vor, ist in der Schwangerschaft besonders wichtig und macht einfach gute Laune.

Gaia Born

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