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Rügen Eine Frau erzählt: Kontrolliert, beschimpft, verprügelt
Vorpommern Rügen Eine Frau erzählt: Kontrolliert, beschimpft, verprügelt
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09:37 06.12.2018
Eine heute 62-Jährige erlitt furchtbare Qualen in ihrer Ehe. Quelle: Fotolia
Putbus

Das Thema der diesjährigen Weihnachtsaktion der OSTSEE-ZEITUNG berührt. Leser zeigen sich besonders von den Fällen von Kindesmissbrauch und häuslicher Gewalt, die der Weiße Ring auf Rügen betreut, erschüttert. Erste Spenden gingen bereits ein – so wie die von Christel Frank (82) aus Bergen. Mit ihrer Schwester Renate und deren Ehemann Herbert Tiefert legte sie 50 Euro zusammen. „Seit Jahren mache ich bei dieser Aktion schon mit“, sagt Christel Frank. „Dabei finde ich es ganz toll, dass das Geld auf der Insel bleibt und den hier lebenden Bedürftigen zugute kommt.“

Der Traum platzte bald

Den Mitarbeitern der Außenstelle des Weißen Rings in Putbus tun sich bei jeder Geschichte, die ihnen offenbart wird, geradezu Abgründe auf. Wie bei jener heute 62-jährigen Frau C.*, die ihr ganzes Leben unter Demütigungen litt. „Ich habe meinen Mann mit 20 kennengelernt“, erzählt sie. „Es war meine erste große Liebe. Ein Baby war unterwegs und ich glaubte an Treue und Vertrauen.“ Bald schon sei sie allerdings aus diesem Traum erwacht. Ihr Mann habe sie betrogen und enorm viel getrunken. Besserungsschwüren habe sie immer wieder geglaubt. Und nach Jahren irgendwann das Gefühl entwickelt, selbst Schuld an der Misere zu sein. „Nach dem zweiten Kind wollte ich mich trennen“, sagt die Rüganerin weiter. „Daraufhin verprügelte er mich und drohte, mich umzubringen.“ Trotzdem folgte erneut die Versöhnung. Wieder habe er Besserung gelobt. Allerdings wurde es stattdessen immer schlimmer.

„Du Schlampe, du taugst nichts“

„In seiner Trunkenheit verlor er oft die Kontrolle“, erzählt die Frau verbittert. „Ich hatte dann ein blaues Auge, aufgeplatzte Lippen, Hämatome am ganzen Körper. – Keiner ahnte etwas von meiner Situation, und ich erzählte niemandem davon. Vor allem, weil ich mich schämte.“ Die Angst habe sie gelähmt. Selbst den Kindern sei das meiste verborgen geblieben, denn nach außen hin habe sie mit ihrem Mann das perfekte Paar gespielt.

Hier können Sie spenden

Mit unserer diesjährigen Weihnachtsaktion wollen wir den Weißen Ring unterstützen, der auf der Insel Rügen Opfern von Missbrauch und Gewalt hilft. Überweisungsträger liegen zwar erst am dem kommenden Sonnabend der OZ bei, Sie haben aber die Möglichkeit, online zu überweisen oder das Geld bar bei der OZ im Service-Center oder in der Redaktion (beide in Bargen Markt 25) in eine Spendenbox zu stecken. Jeder Spender wird namentlich in der Zeitung genannt. Anonyme Spenden sind aber ebenfalls möglich.

Überweisung: Weißer Ring IBAN: DE73 1307 0000 0126 6626 00 BIC: DEUTDEBRXXX Zweck: Spende OZ-Weihnachtsaktion

Als die Kinder groß genug waren, habe sich Frau C. Arbeit gesucht. Krankhafte Eifersucht und Besitzanspruch hätten ihren Mann auf die nächste Stufe des Terrors geführt: „Er tauchte auf meiner Arbeit auf, kontrollierte mich, verbot mir, meine einzige Freundin zu besuchen.“ Traf sie sich mit jemandem, habe sie Rechenschaft ablegen müssen, und in Diskussionen habe er sie mit „Du Schlampe, du taugst nichts, du bist nichts, du kannst nichts“ beschimpft. Bald seien Einkäufe ohne seine Begleitung gestrichen gewesen und zu Besuch kommen durfte auch niemand mehr. Die Folge bei Frau C.: Magenschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche. Die Gedanken an Flucht seien größer geworden und immer häufiger gekommen. „Aber ich traute mich nicht“, sagt die Rentnerin. „Meine schöne Wohnung aufgeben? Wieder von Null anfangen?“

Zum ersten Mal geredet

Dann kam der Tag, als Frau C. einfach abhaute. Zuerst zu einer Freundin, die vermittelte Kontakt zu einem Frauenschutzhaus und dort sprach Frau C. zum aller ersten Mal in ihrem Leben über die erlittene Gewalt. Die dortigen Mitarbeiterinnen hätten die Gefahr erkannt, in der die Frau von der Insel schwebte und sie zu einer Beratungsstelle mit Schutzwohnung in ein entferntes Bundesland vermittelt. Der weiße Ring half nicht nur bei der Beratung, sondern auch beim Umzug. „Jetzt habe ich die eigene kleine Wohnung, in der ich mich sicher und wohl fühle.“

Martin Stemmler vom Weißen Ring in Putbus kennt viele solcher Fälle. Oft reden Frauen erst über ihr Martyrium in der Ehe, wenn die Kinder längst aus dem Haus sind. Der Schein musste ja gewahrt werden. Was dabei zutage trete, sie immer wieder unfassbar. Meist hätten diese Frauen schon Jahrzehnte früher den Absprung wagen müssen. „Diese Situationen sind aber so sehr mit Angst besetzt, dass es den meisten einfach nicht gelingt“, sagt Stemmler. Und Freunde und Bekannte – so sie es denn mitbekämen – schauten oftmals viel zu lange weg.

* Die Betroffene wollte in der Zeitung nicht mit ihrem Namen genannt werden

Jens-Uwe Berndt

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